Mädchen bereits seit eineinhalb Jahren verschwunden – trotz mehr als 2000 Hinweisen

Polizei will Inga nicht aufgeben

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Inga Gehricke verschwand kurz vor ihrem sechsten Geburtstag in Wilhelmshof nahe Stendal. Die Polizei hat wiederholt ganze Waldgebiete durchkämmt. Ohne Erfolg.

Stendal. „Solange es keine Anhaltspunkte gibt, dass Inga tot ist, besteht die Möglichkeit, dass sie noch lebt.“ Auch wenn die Ermittlungsgruppe „Wald“ aus bis zu 40 Beamten im Spätsommer offiziell aufgelöst wurde, laufen die Ermittlungen in dem mysteriösen Fall weiter.

Mehr als 2000 Hinweisen seien die Kollegen bis zum heutigen Tag nachgegangen, weiß Polizeisprecher Mike von Hoff in Magdeburg auf Nachfrage der AZ. Eine wirklich heiße Spur war allerdings nicht darunter. Von der damals Fünfjährigen fehlt auch eineinhalb Jahre nach ihrem Verschwinden in Wilhelmshof jede Spur. Die Polizei hofft nun nicht zuletzt auf „Kommissar Zufall“, kehrt aber auch an den Anfang ihrer Arbeit zurück, prüft noch einmal ältere Hinweise und Ermittlungsansätze. Irgendwer muss doch irgendetwas gesehen oder bemerkt haben.

Der Fall bleibt rätselhaft, ja unheimlich. Sie ging während eines Festes an den Waldrand, um Holz für ein Lagerfeuer zu sammeln, und kehrte nicht zurück. Was am Abend des 2. Mai 2015 genau passiert ist, lässt sich im entscheidenden Punkt noch immer nicht beantworten. Das Mädchen aus Schönebeck bei Magdeburg war mit den Eltern im Diakoniewerk zu Besuch. Obwohl dort ein gutes Dutzend Häuser steht, hat keiner etwas mitbekommen, wie die Kleine plötzlich verschwand. Die Anteilnahme ist groß, Vater Jens-Uwe Gehricke, ein Kommunalpolitiker, bedankte sich schon öffentlich.

Spekulationen und Gerüchte in der Bevölkerung gibt es von Anfang an viele. Die forensische Psychiatrie, in der auch Triebtäter und Kinderschänder sitzen, ist nah. Auch von einer Wolfsattacke ist die Rede. Ist Inga immer tiefer in den Wald gegangen, hat sich verirrt, stürzte sie vielleicht irgendwo hinein, ist sie in ein fremdes Auto gestiegen? „Es gibt keine Hinweise darauf, dass die vermisste Person einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Zu den Umständen des Verschwindens gibt es mehrere mögliche Szenarien. Zu Spekulationen, was gewesen sein könnte, werden wir uns nicht äußern. Bis zum Auffinden von Inga Gehricke wird sie als vermisste Person geführt“, macht Polizeisprecher von Hoff deutlich.

Mindestens 1000 Polizisten, Feuerwehrleute und Helfer suchten damals nach dem Mädchen. Die Polizei setzte Spürhunde ein, durchkämmte ganze Waldgebiete, ließ Hubschrauber aufsteigen und fuhr mit Lautsprecherwagen die Umgebung ab. Sie setzte eine Belohnung in Höhe von 25 000 Euro für den entscheidenden Tipp aus, doch eine heiße Spur brachte auch das nicht ein. Die Ermittler fahndeten bundes- und europaweit nach dem Mädchen. Plakate und mehrere Aufrufe im Fernsehen blieben ebenfalls ohne Erfolg. Für alle Beteiligten ernüchternd.

Der Sprecher der Polizeidirektion Nord sieht einen „besonderen Vermisstenfall“, die Umstände des Verschwindens von Inga bleiben auch eineinhalb Jahre danach rätselhaft. „Neue Ermittlungsansätze ergeben sich häufig aus der Auswertung bereits geführter Ermittlungen beziehungsweise aus Hinweisen. Und genau damit befasst sich derzeit die Polizei, mit dem Auswerten und dem Bewerten von Hinweisen.“

Von Marco Hertzfeld

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