Zehn Jahre nach Ende der PD bastelt Projektgruppe an einer Inspektion Stendal

Polizei rüstet wieder auf: „Melden Sie dies bitte“

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Stendals alter Status ist verdeckt. Einst PD, dann weniger, in absehbarer Zeit PI.

Stendal. Nicht nur der Koalitionsvertrag, auch die „Entwicklung der Sicherheitslage“ lässt eine Projektgruppe in Magdeburg seit Jahresbeginn über den Umbau der Landespolizei nachdenken.

Für eine Polizeidirektion (PD) Stendal müssten im Gebiet der Hansestadt nicht ganz so viele Schilder neu aufgestellt werden, weisen doch einige noch den Weg zu einem älteren Standort. Mögen die Buchstaben nach dem Aus der PD im Zuge der Strukturreform 2007 auch mit einem schwarzen Streifen überzogen worden sein und soll das Ganze nun auch etwas anders heißen, stimmt doch noch in etwa die Richtung. „Der Zuständigkeitsbereich einer Polizeiinspektion Stendal wird deckungsgleich mit dem Landgerichtsbezirk sein. Damit wird sich die Zuständigkeit auf die Landkreise Stendal, Jerichower Land und den Altmarkkreis Salzwedel erstrecken“, weiß Christian Fischer, der Sprecher des Innenministeriums.

Wird über eine große Internetmaschine nach der Polizeidirektion Stendal gesucht, erscheint auf einem roten Balken: „Dauerhaft geschlossen“ und der Zusatz: „Wenn dies nicht korrekt ist, melden Sie dies bitte.“ Bis Ende des Jahres werden laut Fischer zehn erfahrene Beamte und Beamtinnen aus dem Bereich des Polizeivollzugs und der Polizeiverwaltung ein Konzept zur künftigen Polizeistruktur in Sachsen-Anhalten erarbeiten. In zwei, drei Jahren soll es neben Magdeburg, Halle und Dessau-Roßlau in Stendal eine Polizeiinspektion (PI) geben. Was den neuen Standort vom alten inhaltlich, personell und finanziell unterscheiden wird, lasse sich zurzeit noch nicht sagen, da die Projektgruppe erst seit wenigen Tagen arbeite.

Die Polizei im Norden des Landes hat einiges hinter sich. Auf dem früheren Militärgelände an der Gardelegener Straße in Stendal hatte eine PD einst ihren Sitz. 2002 war der Grundstein für das Gebäude am Uchtewall gelegt worden. Kostenpunkt: etwa acht Millionen Euro. All zu lange blieb den Stendalern der Status nach dem Umzug allerdings nicht mehr, mit den veränderten Strukturen 2007, die nicht zuletzt mit einer sinkenden Einwohnerzahl und effizienterer Polizeiarbeit begründet wurden, kam das Aus, immerhin blieb das Polizeirevier. Inwieweit die Vereinbarungen der Kenia-Koalition und die Überlegungen von Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) auch räumliche Veränderungen für den Uchtewall mit sich bringen oder ob vielleicht sogar neu gebaut werden könnte, darauf gibt es aus der Landeshauptstadt noch keine Antwort.

Die Welt scheint vielen Bürgern unsicherer denn je, neben den ganz normalen Gefahren rücken Krieg und Terror näher, sogar vor der eigenen Haustür rumort es. Politik und Sicherheitsbehörden sehen sich in der Pflicht und überlegen neu. Der jetzige Bereich der PD Nord als eine der aktuell drei sei flächenmäßig dann doch zu groß, hatte Stahlknecht jüngst gesagt. Statt derzeit 5700 soll es in vier Jahren landesweit wieder 6400 Beamte geben. Perspektivisch scheint sogar ein Bestand von 7000 Kollegen möglich. Vor gar nicht allzu langer Zeit hieß es noch Abbau und nicht Aufbau. Bis 2021 soll außerdem ein zentrales Polizeiverwaltungsamt mit Sitz in Magdeburg gebildet werden. Fischer zur AZ: „Ziel ist es, eine Struktur zu schaffen, die die Voraussetzungen dafür bietet, dass die Landespolizei auch künftig ihre Aufgaben bürgernah, verlässlich, professionell, effektiv, erfolgreich und unter Berücksichtigung der jeweiligen Sicherheitslage erfüllen kann.“

Von Marco Hertzfeld

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