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Altmark-Reviere abgehängt

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Wer im Altmarkkreis die 110 wählt, läuft seit gestern nicht mehr im Revier Salzwedel auf – stattdessen wird er in das neue Magdeburger Führungszentrum weitergeleitet, das für einen Einzugsbereich von 1,2 Millionen Einwohnern zuständig ist.
Wer im Altmarkkreis die 110 wählt, läuft seit gestern nicht mehr im Revier Salzwedel auf – stattdessen wird er in das neue Magdeburger Führungszentrum weitergeleitet, das für einen Einzugsbereich von 1,2 Millionen Einwohnern zuständig ist. © Mitzlaff

Altmark. Wenn Innenminister Holger Stahlknecht heute Mittag in Magdeburg offiziell das neue Lage- und Führungszentrum (LFZ) der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt-Nord an Polizeipräsident Andreas Schomaker übergibt, dann sind im Alltagsbetrieb bei der Polizei schon längst Fakten geschaffen.

Denn wer den Notruf 110 wählt, läuft bereits seit gestern nicht mehr vor Ort in den Polizeirevieren Salzwedel oder Stendal, sondern in der neuen Magdeburger Notrufzentrale auf. Das neue Führungszentrum in der Landeshauptstadt ist zuständig für insgesamt 1,2 Millionen Menschen zwischen Altmark und Harz. Denn neben den Landkreisen Salzwedel und Stendal sind auch Jerichower Land, der Bördekreis, der Salzlandkreis und die Stadt Magdeburg an die neue Notrufzentrale angeschlossen. Wer also etwa in Klötze oder Osterburg die 110 wählt, wird automatisch nach Magdeburg verbunden – die Beamten setzen von dort direkt die Streifenwagen ein und informieren parallel auch das zuständige Polizeirevier. Das Land Sachsen-Anhalt folgt damit dem bundesweiten Trend einer Zentralisierung von Leitstellen. Doch die Zusammenlegungen sind auch polizeiintern nicht unumstritten. Denn die Beamten am Notruf sind zwar speziell für diese Aufgabe geschult und verfügen über modernste Computertechnik. Doch auch die besten elektronischen Hilfsmittel können nicht die Ortskenntnisse ersetzen, die ein Einsatzleiter vor Ort im Revier Salzwedel oder Stendal hat. Während etwa ein Wachhabender in der Baumkuchenstadt mit der Information „Unfall am Lokschuppenkreisel“ durchaus etwas anfangen und die entsprechenden Rettungskräfte alarmieren kann, muss der Polizist in der fernen Landeshauptstadt erst Nachfragen stellen – wertvolle Zeit kann so verloren gehen. Um dies zu vermeiden, werden seit nunmehr zwei Jahren verschiedenste örtliche Begriffe und Synonyme in ein spezielles Geo-Informationssystem eingespeist. Im Frühjahr 2013 folgt der nächste Schritt: Dann sollen auch sämtliche Streifenwagen in der Altmark über GPS-Signale der Funkgeräte durch das Magdeburger Führungszentrum zu orten und entsprechend einzusetzen sein. Dann führt man von dort sämtliche Polizeikräfte der Polizeidirektion Nord. Dazu kommen Leitstellen in Dessau und Halle. Ingesamt 60 Polizisten leisten im Schichtsystem im LFZ an der Sternstraße Dienst. Sie müssen durchschnittlich 30 Notrufe pro Stunde entgegen nehmen, tagsüber sind es mehr, nachts dafür weniger. Ein Personalabbau soll mit der Abgabe des Notrufes übrigens nicht verbunden sein, versichert Salzwedels Revierleiter Sven Meinecke auf Nachfrage: Davon sei nicht die Rede.

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