Notrufe laufen bislang über Magdeburg

Polizei fehlt noch der richtige Draht: Stendals PI-Zentrale soll im Januar stehen

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Andreas Mertens (v.l.), Dirk Witt und LFZ-Leiter Dirk Lauck versammeln sich kurz allesamt vor einem der Rechner. Kollege René Herrmann sitzt eine Reihe dahinter.

Stendal – Dirk Witt schickt einen Funkwagen in Richtung Süden. Andreas Mertens tippt frische Daten in den Rechner. René Herrmann blickt konzentriert auf den Monitor. Alle haben sie Kopfhörer auf.

Leiter Dirk Lauck lässt die AZ kurz in das Lage- und Führungszentrum (LFZ) blicken. Es ist das Herzstück der neuen Polizeiinspektion (PI) Stendal und ein Provisorium.

Im Januar nächsten Jahres sollen die zukünftigen Räume fertig sein. Noch laufen die Notrufe der Landkreise Stendal, Salzwedel und Jerichower Land in Magdeburg auf. Die Polizeidirektion Nord ist Geschichte, der Standort Stendal hat wieder mehr Gewicht. Strukturen ändern sich, Aufgaben wachsen. Ein Prozess bei laufendem Betrieb.

Andreas Krautwald trägt dafür die Verantwortung. Die PI existiert seit einem guten halben Jahr. Der Direktor brennt für seinen Auftrag: „Wir können hier etwas gestalten und stellen die Weichen künftiger Polizeiarbeit in einem beachtlichen Teil Sachsen-Anhalts.“ Der 54-Jährige stammt aus Halberstadt, lebt in Barleben und hat schon das LFZ in Magdeburg mit aufgebaut.

„Wir befinden uns mitten im Übergang, logistische und personelle Fragen stehen noch ganz oben auf der Tagesordnung“, sagt er im künftigen Stendaler Pendant. Fünf Tische kommen hinein, dazu Monitore, Beamer, Karten. „Alles klein, aber fein und sehr modern.“ Noch haben im zweiten Stock des Gebäudes am Uchtewall Handwerker das Sagen.

PI-Chef Andreas Krautwald und Beatrix Mertens, Sprecherin der PI, im zukünftigen Lage- und Führungszentrum. Noch haben dort Handwerker das Sagen.

Das Land investiert 2,3 Millionen Euro in den Standort. So hat es Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) Anfang Januar noch einmal verkündet. Wenn 200 zusätzliche Polizisten auf die Reviere verteilt sind, wird PI-Direktor Krautwald insgesamt etwa 700 Leute zur Verfügung haben. Sie kommen zum Teil frisch von der Polizeischule in Aschersleben. Im September soll ein großer Schwung kommen. Grundversorgung und optische Präsenz könnten spürbar erhöht werden. Beamte sollten nach einem Notruf möglichst binnen 20 Minuten am Einsatzort sein. Zu den Schwerpunkten der polizeilichen Arbeit im Norden zählten natürlich Kriminalitätsbekämpfung und Verkehrsüberwachung.

Auch deshalb spiele die verlängerte Autobahn 14 längst eine Rolle in allen Überlegungen. „Wir rechnen mit mehr Unfällen, mehr Kriminalität, einfach mit mehr Arbeit. Dafür muss man kein Prophet sein“, redet Krautwald Klartext. Ist die Trasse vollendet und durchgehend befahrbar, wann ist noch unklar, müsse die Autobahnpolizei am Start sein. Dann reichten selbst die avisierten 700 Mitarbeiter der PI nicht aus, um alle Aufgaben abzudecken. Der Direktor rechnet mit einem zusätzlichen Bedarf von circa 100 Polizisten. Wo sich das Domizil der Autobahnpolizei befinden soll, darüber werde derzeit im Ministerium nachgedacht. Der Komplex am Uchtewall für Revier und PI allein reiche vorerst aus.

Den Flüchtlingsbau in Stendal hat der PI-Chef ebenfalls auf dem Radar. Kritiker der Landesaufnahmeeinrichtung befürchten nicht zuletzt mehr Konflikte und steigende Kriminalität in der Bevölkerung. Auf all die Unkenrufe gibt Krautwald nicht viel. „Ich sehe das ehrlich gesagt völlig entspannt.“ Er sei in Halberstadt groß geworden, in einer Stadt, in der sich die zentrale Aufnahmestelle für Flüchtlinge befindet. „Wo viele Menschen sind, passieren nun einmal gewisse Dinge. Auf Straftaten und mögliche Auseinandersetzungen wird die Polizei angemessen reagieren. Wir haben die Ressourcen, allem zu begegnen.“ Die Flüchtlingseinrichtung am Rande der Kreisstadt soll Ende 2022 fertig sein.

Die Polizeistruktur in Sachsen-Anhalt ist kräftig umgekrempelt worden. Statt der drei Polizeidirektionen Nord, die von Magdeburg aus Stendal umfasste, Süd und Ost gibt es nun die Flächeninspektionen Stendal, Magdeburg, Dessau-Roßlau und Halle sowie die PI Zentrale Dienste mit Sitz in der Landeshauptstadt. Die ersten vier Behörden orientieren sich an den Bezirken der Landgerichte.

Krautwald sieht die PI Stendal auf einem guten Weg. Einen Tag der offenen Tür, wie aus einigen Revieren bekannt, könnte es wohl frühestens 2021 geben. „Wir müssen erst einmal den Grundstock legen. Wir wollen möglichst dann viel zeigen, wenn es auch etwas zu zeigen gibt. Noch haben wir schlichtweg oftmals nur leere Räume. Wir befinden uns eben im Aufbau.“

VON MARCO HERTZFELD  

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