Konrad Schulz sammelt für eine Landratskandidatur nötige Unterschriften

Polit-Debütant „DJ Kotte“ rührt die Werbetrommel

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Als „DJ Kotte“ sorgt Konrad Schulz regelmäßig bei Festen für Stimmung. Nun will er politisch mitmischen. Christina Jacobs unterstützt seine Kandidatur mit ihrer Unterschrift.

Landkreis. „Mensch Kotte – tatsächlich im Jackett!“, zeigt sich Möringerin Christina Jacobs erstaunt und mustert Konrad Schulz von oben bis unten.

Der Mittvierziger lächelt ein wenig verlegen und meint verschmitzt: „Ich kann eben auch anders und das sogar, ohne mich zu verbiegen. “ Der Neuendorfer ist in der Altmark bekannt wie ein bunter Hund, sorgt er doch bei zahlreichen Dorffesten und anderen Veranstaltungen in der Region regelmäßig für die passende musikalische Unterhaltung. Nun will „DJ Kotte“ bekanntlich die Politik im Landkreis Stendal aufmischen und am 18. November die Landratswahl gewinnen. Da hinter dem möglichen Kandidaten keine Partei steht, muss er Klinken putzen. Von den nötigen 100 Unterstützerunterschriften hat der Polit-Frischling bereits etliche beisammen.

„Ich suche mir die Leute genau aus und frage ausschließlich Persönlichkeiten: den Fährmann genauso wie den Verwaltungschef, egal, welcher Partei er angehört. Ich frage auch den Hartz-IV-Empfänger und Leute, die Arbeit haben“, erzählt Schulz. Bis 22. Oktober hat der Ostaltmärker noch Zeit. Dann müssen seine Unterlagen im Landratsamt vorliegen. „Konrad hätte schon längst alle Unterschriften haben können, doch er macht sich Gedanken“, findet Jacobs. Sie unterschreibt auf dem Blatt Papier, betont, dass sie das als Privatperson mache und nicht im Amt der Möringer Ortsbürgermeisterin, und fügt hinzu: „Die Arbeit eines Landrates ist sicherlich kein Zuckerschlecken. Doch Herr Schulz würde ja in dieses wichtige Amt hineinwachsen und hätte Leute, die ihm helfen.“ Und weiter: „Menschen wie Kotte beleben unsere Demokratie. Er hat das Ohr ganz, ganz dicht am Volk.“

Schulz zupft an seiner Jacke. Die Zeit sitzt ihm im Nacken. Der Neuendorfer muss noch auf die Insel Poel, wo er bei einer größeren Feuerwehrveranstaltung für zusätzliche Stimmung sorgen soll. Seine Hausaufgaben hat der gelernte Elektroinstallateur dennoch gemacht: „Ich habe bereits zwei große Themen.“ Im Streit um die zwei Ex-Häftlinge in Insel müsse endlich eine Lösung her. Vielleicht finde er, Schulz, in diesem Konflikt den richtigen Ton und könne zwischen den Beteiligten besser vermitteln als andere.

Ein Landrat Schulz würde sich im besonderen Maße für altersgerechte Quartiere starkmachen. „Wir brauchen gute und bezahlbare Wohnungen für ältere Menschen. Es kann nicht sein, dass Leute ihr Leben lang arbeiten waren und sich dennoch in der Zukunft keine vernünftige Unterkunft leisten können“, zielt der politische Einzelkämpfer auf eine aktuelle Diskussion ab. Bei der Suche nach Lösungen dürfe es keine Denkverbote geben. So kann sich der Parteilose beispielsweise gut vorstellen, dass in Stendal-Stadtsee keine weiteren Neubaublocks abgerissen und im Abrissviertel Süd sogar wieder neue Wohnungen gebaut werden. „Wir benötigen in der Zukunft nicht nur einzelne Häuser, die auf alte Leute zugeschnitten sind, sondern ganze Gebiete“, so Schulz gestern.

Wer mit offenen Augen durch die östliche Altmark und den Elbe-Havel-Winkel geht, der könne etliche Baustellen entdecken. „Ich bin viel im Landkreis unterwegs und höre, was den Leuten unter den Nägeln brennt.“ Die Möringer fürchten um ihre Grundschule. Wenn der Stadtrat für den Erhalt der Petrikirchhof-Grundschule stimme, könnte das auf Kosten der Möringer Einrichtung gehen. Die Kinder der Stendaler Ortschaft würden dann höchstwahrscheinlich die Schule in der Kernstadt besuchen. „Wir dürfen nicht nur an die Zentren denken, die Dörfer sind ebenfalls wichtig“, warnt der Neuendorfer und klemmt sich den Ordner mit den Unterschriftenzetteln unter den Arm.

Von Marco Hertzfeld

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