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Fund Bindfelde: Größerer Wolfsunfall gewinnt Kontur

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Von: Marco Hertzfeld

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Ein Wolf läuft im Gelände.
Isegrim scheint weiter auf dem Vormarsch. © dpa

Nach dem Fund eines verletzten Wolfes bei Bindfelde stellt sich verstärkt die Frage nach einem größeren Unfall mit mehreren Tieren in der Gegend um Tangermünde und Stendal. Aus der Bevölkerung hatte es Hinweise gegeben.

Hat es vielleicht tatsächlich einen größeren Unfall gegeben, bei dem mehrere Wölfe getötet oder verletzt worden sind, und irren Reste des Rudels nun regelrecht entgeistert in der Gegend umher? Nach der sogenannten Nottötung eines in Bindfelde gefundenen Wolfs in dieser Woche kann Ines Wahl vom Landesamt für Umweltschutz in Halle die Nachfrage der AZ verstehen. Doch: „Wir haben in den letzten Wochen aus der Bevölkerung oder Jägerschaft keine anderen Hinweise auf Wolfsaktivität im Bereich Tangermünde / Stendal bekommen.“ Dass ein Unfallfahrer sich weder bei der Polizei noch beim Wolfskompetenzzentrum Iden (WZI) oder beim zuständigen Jagdpächter meldet, sei denkbar, nicht mehr und nicht weniger. Spekulieren möchte die Behördensprecher aber ausdrücklich nicht. Grundsätzlich gelte: „Ob dann bei einem konkreten Vorfall strafrechtlich relevantes oder ordnungswidriges Verhalten vorliegt, muss im Einzelfall entschieden und bewerten werden.“

In den vergangenen Wochen hatten Hinweise über tote, verletzte und umherirrende Wölfe im Raum Tangermünde die Redaktion erreicht. Polizei und WZI konnten in ihren Datenbanken nichts finden und hielten eine andere Erklärung für möglich, die AZ berichtete am 16. Februar. Am 11. Januar hatte es zwischen Tangermünde und Stendal einen Verkehrsunfall mit zwei Schäferhunden gegeben, das Ereignis könnte sich sozusagen fortgesponnen haben, aus Hunden wurden Wölfe, ein möglicher Phantom-Crash. Bindfelde (Stendal) grenzt an Tangermünder Land. Doch noch einmal, Behördensprecherin Wahl möchte nach dem aktuellen Fund nicht spekulieren. „Wir müssen tatsächlich die Untersuchung abwarten, die eventuell auch Informationen über Entstehung und Alter der Verletzungen gibt.“ Unabhängig davon heißt es aus Halle auf weitere Nachfrage: „Bei jedem Wildunfall muss die Polizei verständigt werden.“ Bei einer Wolfsbeteiligung informiere die Polizei das WZI.

Kommentar von AZ-Redakteur Marco Hertzfeld
Wildcrash verwischt? / Den Leidensweg ernst nehmen!
Der Wolf ist streng geschützt, inwieweit der Rückkehrer stärker ins Jagdrecht rückt, wird die Zukunft zeigen. Es geht in diesem Fall auch erst einmal nicht um die Frage, ob der Wolf in die altmärkische Landschaft passt oder nicht. Kein Tier sollte durch den Menschen unnötig leiden, das versteht sich doch bitte von selbst. Und sicherlich auch nicht ganz unerheblich: Kein Wolf sollte verletzt oder zumindest verstört aus dem Ruder laufen müssen. Hat es einen nicht gemeldeten Verkehrsunfall mit mehreren Wölfen im Bereich Tangermünde und Stendal gegeben und ist der Bindfelder Isegrim mindestens ein Indiz dafür? Die Behörden sollten schnellstmöglich Licht ins Dunkel bringen.

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