Mensch 2013: Andreas Gierke bot Helfern und Betroffenen Zuflucht in Kamern

Pfarrhaus als Fels in der Flut

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Unermütlichen Einsatz zeigte Gemeindepädagoge Andreas Gierke in Zeiten des Hochwassers im vergangenen Jahr. Das ehemalige Pfarrhaus in Kamern machte er zur Anlaufstelle für Helfer und Betroffene der Flut.

Kamern. Das emotionalste Erlebnis 2013 für die Altmark „war natürlich das Hochwasser“. Das sagt Gemeindepädagoge Andreas Gierke. Er ist bei seiner Gemeindearbeit von Sandau bis Tangerhütte aktiv, betreut Kinder, Jugendliche und auch Familien.

Versucht ihnen nahe zu bringen, was Kirche heißt. Zur Zeit des Juni-Hochwassers zeigte er unermüdlichen Einsatz, verwandelte das Pfarrhaus in Kamern zur zentralen Anlaufstelle für Helfer und Betroffene der Flut. Dennoch bleibt er bescheiden. Denn zu helfen war für ihn eine alternativlose Aufgabe.

„Ich selber wohne ja in Kamern. Das ist ein Nadelöhr. Hier musste das Wasser durch“, erinnert sich der Familienvater. Für Gierke, seine Frau Kathrin und seine vier Kinder war klar, was passieren wird, als der Deich bei Fischbeck brach. Prompt wurde das Pfarrhaus an der Dorfstraße 41 in Kamern zur Notschule, zur Notküche und zu einem sicheren Felsen.

Die Gierkes waren ebenfalls Anlaufstelle des Kirchenkreises Stendal. Sie verwalteten unter anderem die Ausleihe schwerer Gerätschaften wie etwa Tauchpumpen und Trockner, kochten zusammen mit Dutzenden Kindern das Mittagessen. Spendeten Betroffenen Trost und Mut.

„Ein Anliegen war uns, achtsam mit den Menschen umzugehen. Zu schauen, was Not tut“, berichtet Gierke. Schließlich galt es, die angespannten Nerven vieler Altmärker zu beruhigen.

Gierke freut sich über die Nominierung als „Mensch 2013“, sieht den Verdienst jedoch keinesfalls bei sich allein. Er stehe auch stellvertretend für die vielen Dorfbewohner und Helfer, die sonst unerwähnt blieben. Für jene, die bis an die Grenzen ihrer Kräfte gegangen sind, um sich und anderen in dieser schweren Zeit Halt zu geben. „Sie haben Großes geleistet“, ist er überzeugt. Und es gibt noch jemanden, ohne den er es nicht geschafft hätte: „Dies alles war nur möglich, weil meine Frau in der Elternzeit mit unserem vierten Kind war.“

Was hat der einst gelernte Koch von den Menschen zurückbekommen? Wie haben sie auf die Hilfe reagiert? „Da kommt natürlich bis heute noch Feedback“, weiß Gierke zu berichten. „Viele freuen sich einfach, dass man da war.“ Eine Aussage einer Frau klinge ihm immer noch in den Ohren. Die meinte, sie sei nun nicht in der Kirche, aber: „Mein Gott, wir haben so viel Hilfe von der Kirche bekommen, von Leuten aus der Kirche – eigentlich müssten wir jetzt jeden Sonntag mal zum Gottesdienst gehen.“

„Da musste ich schon schmunzeln, als ich das gehört habe“, sagt der Gemeindepädagoge und lächelt dabei. Gierke und seine Familie wünschen sich für die Region, „dass wir das Vergangene verarbeiten und uns am Neuen erfreuen können.“

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