Tierschützer Dr. Peter Schmiedtchen setzt in Sachen Wolf auf Zusammenarbeit mit Jägern und Tierhaltern

Wolf: „Kein Vorkommnis mit einem Menschen“

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Dr. Peter Schmiedtchen beobachtet die Wölfe in der Colbitz-Letzlinger Heide. Dieses Exemplar tappte bei Dolle in die Fotofalle. Für den Experten sind Wölfe „die intelligentesten Raubtiere, die ich kenne“.

Dolle / Altmark. „Seit 16 Jahren gibt es wieder Wölfe in Deutschland und bisher ist kein einziges Vorkommnis mit einem Menschen bekannt“, wendet sich Dr. Peter Schmiedtchen gegen die weit verbreitete Angst vorm „bösen Wolf“.

Als Vorstandsmitglied der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe beschäftigt sich der Dollenser seit langem mit den Tieren. Rund 150 Jahre war der Wolf hier ausgestorben. „Die Menschen sind an die Begegnung mit ihm nicht mehr gewöhnt“, sagt er.

„Viele, die meinen, einen Wolf gesehen zu haben, sind in Wahrheit einem Hund begegnet“

Für Schmiedtchen ist das eine Ursache für Vorurteile und Misstrauen gegenüber „den intelligentesten Raubtieren“, die er kennt. So sei Isegrim schlau genug, seinem ärgstem Feind, dem Menschen, möglichst aus dem Weg zu gehen. Viele, die meinen, einen Wolf gesehen zu haben, seien in Wahrheit einem Hund begegnet, glaubt der Tierschützer. In den waldreichen Gegenden der Altmark könne es jedoch durchaus passieren, dass auch ein Wolf oder ein Wolfspaar durch die Gegend streift. Rückschlüsse auf eine mögliche Besiedlung bestimmter Reviere ließen einzelne Feststellungen aber nicht zu.

Wenn beispielsweise, wie jüngst bei Klötze, Sichtungen gemeldet oder Spuren gefunden werden, könnten die auch von einem Tier sein, das „auf Durchreise“ war. „Ein Wolf legt 80 bis 100 Kilometer pro Nacht zurück“, weiß Schmiedtchen. So sei es durchaus möglich, dass es sich um Exemplare handelt, die in der Colbitz-Letzlinger Heide zu Hause sind. Dort ist zumindest ein Paar mit sieben Jungtieren (geboren 2013) nachgewiesen, weitere werden vermutet. Genaueres könne erst bei längerer Beobachtung gesagt werden. Der Tierschützer ist den Jägern daher dankbar, die sich aktiv am Wolfsmonitoring beteiligen.

Eine Kooperationsvereinbarung zwischen dem Landesjagdverband und der Landesregierung regelt die Zusammenarbeit bei der Erfassung, Dokumentation und Bewertung von Hinweisen zu Wolfsvorkommen. Die Informationen werden beim Landesamt für Umweltschutz gesammelt und ausgewertet. Auch bei Planungen und Maßnahmen sowie bei der Folgenbewältigung, die im Zusammenhang mit der Rückkehr des Wolfes stehen, ist eine Kooperation vereinbart.

„Wenn ein Wolf merkt, Schafe tun weh, wird er einen Bogen um die Herde machen“

Dass es sich bei Canis Lupus nicht um Kuscheltiere handelt, betont auch der Tierschützer. Der Wolf jagt um zu überleben. Die heimischen Wälder böten ihm dafür eigentlich Nahrungsangebote genug. Wenn er es aber besonders leicht hat, Beute zu machen, sind auch Nutztiere auf ungeschützten Weiden nicht vor ihm sicher. Dabei sei es relativ leicht, ihm die Lust darauf zu vermiesen, zum Beispiel durch einen Elektrozaun oder speziell ausgebildete Schutzhunde. „Das bedeutet einen gewissen Aufwand“, weiß Schmiedtchen. Aber: „Wenn ein Wolf merkt, Schafe tun weh, wird er einen Bogen um die Herde machen“, setzt er auf die Intelligenz der Tiere. Betroffenen Tierhaltern bietet seine Organisation Beratung und mit einem Notfallset erste Hilfe an. Förderungen dafür und Entschädigungen gibt es vom Staat.

Von Christian Wohlt

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