Ein Stipendium verordnet

Patient Landkreis kämpft um angehende Hausärzte

Ausreichend Hausärzte für alle Ecken des Landes zu finden, soll nicht allen ein sachsen-anhaltisches Problem sein. Oft fehlt schlicht der Nachfolger für eine Praxis.
+
Ausreichend Hausärzte für alle Ecken des Landes zu finden, soll nicht allen ein sachsen-anhaltisches Problem sein. Oft fehlt schlicht der Nachfolger für eine Praxis.

Stendal – Derartig geschlossen tritt der Kreistag nicht immer auf. Einstimmig hat das Kommunalparlament das Ärztestipendium auf den Weg gebracht. Zwischen 2020 und 2025 werden jährlich bis zu zwei Studenten der Humanmedizin mit monatlich 800 Euro in der Regelstudienzeit und mit 200 Euro in der Facharzt-Weiterbildung unterstützt.

Im September 2020 soll die Förderung für mehr Hausärzte starten. Für jedes Jahr sind 50 000 Euro eingeplant, wobei das mehr eine Orientierung und Obergrenze sein könnte, im ersten Jahr wird die Summe jedenfalls auf keinen Fall erreicht. Ein solches Vorhaben lasse sich auch nicht unbedingt mit dem „Rechenschieber“ bewerkstelligen, meint Landrat Carsten Wulfänger (CDU). Wichtig sei, dass der Landkreis Stendal endlich loslege.

Die Initiative sei richtig und wichtig. „Doch das kann es noch nicht gewesen sein“, mahnt Nico Schulz (Pro Altmark), Bürgermeister in Osterburg. Ein Stipendium an Medizinstudenten, die später garantiert in ihrer altmärkischen Heimat arbeiten wollen, gibt es schon seit gut drei Jahren in der Biesestadt. Ein Beauftragter in der Kreisverwaltung könnte künftig derartige Förderpakete im Landkreis betreuen. Ein solcher Koordinator ließe sich vielleicht Ärzte-Scout oder Arzt-Lotse nennen, sagte Schulz. „Mehr Marketing“, die Kontaktpflege zwischen Ärzteschaft, Kassenärztlicher Vereinigung und Verwaltung, Workshops und Seminare von Studenten im Landkreis, Besuche von dort in den Universitäten selbst – all das und mehr seien weitere mögliche Bausteine.

Die Diagnose scheint längst gestellt, die Prognose fällt eher schlecht aus: Bundesweit gebe es einfach zu wenige Studienplätze, eine entscheidende Schwäche, meint Schulz. Mit Folgen gerade für ländlich geprägte Regionen wie die Altmark (die AZ berichtete). Schon derzeit sind im Landkreis Stendal allein vier Hausarztstellen unbesetzt. Der Altersdurchschnitt liegt, heißt es im Papier aus dem Landratsamt weiter, bei etwas mehr als 54 Jahren. 34 von 75 praktizierenden Hausärzten sind älter als 55 Jahre, dies entspricht 45 Prozent. Das Kreisstipendium soll in den nächsten fünf Jahren für zwölf angehende Ärzte der Anreiz sein, im Landkreis Stendal ambulant tätig zu werden. Inwieweit die Initiative tatsächlich Früchte zeigt, muss sich zeigen.

Das weiß auch Patrick Puhlmann (SPD) und befürwortet „Maßnahmen, die den Arzt als Unternehmer entlasten“. Nun wirklich nicht jeder Mediziner wolle Bauherr, Investor und Personalleiter sein. So manchen Arzt schreckten diese Aufgaben ab. In Schönhausen gebe es eine „quasi Mini-Poliklinik“, zahlreiche Angebote unter einem kommunalen Dach, ein mögliches Vorbild. Auch der Landkreis könnte da und dort Mediziner an die Hand nehmen, unterstützen und entlasten. Immerhin: Beim Landkreis-Stipendium rechnet Puhlmann für 2026/27 mit den ersten Assistenzärzten, die in Ostaltmark und Elbe-Havel-Winkel begrüßt werden können. Ein Baustein, nötig sei aber ein ganzes Paket, hat auch der Sozialdemokrat in der zweiten Sitzung des neuen Kreistages betont.

VON MARCO HERTZFELD 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare