Virus trifft Fontänen ungleich

Osterburg wirft Wasserspiel an, Stendal lässt allenfalls putzen

Ein Bild kurz vor der Einweihung des Stendaler Wasserspiels. In diesem Jahr braucht sich niemand zu beeilen. Die Fontänen bleiben vorerst wegen Covid-19 außer Betrieb.
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Ein Bild kurz vor der Einweihung des Stendaler Wasserspiels. In diesem Jahr braucht sich niemand zu beeilen. Die Fontänen bleiben vorerst wegen Covid-19 außer Betrieb.

Stendal – Am Wasserspiel vor dem historischen Rathaus wäre dieser Tage der Teufel los. Die Sonne scheint, die Temperaturen sind nicht im Keller. Doch Pustekuchen, die Fontänen bleiben wegen der Corona-Beschränkungen aus.

Mancher Stendaler könnte da durchaus neidvoll nach Osterburg schauen, keine 30 Kilometer entfernt.

Dort ist das Wasserspiel auf dem August-Hilliges-Platz seit einigen Tagen in Betrieb und offenkundig ganz normal in die Saison gestartet. „Die Hansestadt Stendal nimmt keine Bewertung des Handelns unserer Nachbarkommunen vor“, reagiert Sprecher Armin Fischbach auf AZ-Nachfrage trocken.

In Osterburg plätschert es vor sich hin, das Wasserspiel auf dem August-Hilliges-Platz ist in die Saison gestartet. Ruhe herrscht derweil in Stendal.

„Unter gewöhnlichen Umständen wäre das Wasserspiel in dieser oder nächster Woche wieder in Betrieb genommen worden.“ Die geltenden Beschränkungen im Land hätten aber nun einmal zum Ziel, größere Menschenansammlungen zu vermeiden und den körperlichen Kontakt zwischen den Bürgern auf ein Minimum zu reduzieren. „Unser Wasserspiel auf dem Marktplatz stellt einen beliebten Treffpunkt insbesondere für Eltern und Kinder dar, was uns normalerweise natürlich sehr freut“, antwortet der Stadtsprecher der AZ weiter. Der Virus und die Pandemie veränderten eben vieles in diesem Jahr.

Darüber hinaus sei auch schlichtweg nicht ausreichend Personal vorhanden, um die Einhaltung der Mindestabstände zu überwachen. Fischbach: „Derzeit sehen wir keine Möglichkeit, das Wasserspiel ohne weitere Lockerungen der Kontaktbeschränkungen in Sachsen-Anhalt wieder in Betrieb zu nehmen.“ Bei höheren Temperaturen nutzen gerade Kleinkinder die Wasserfontänen, um sich zu erfrischen. Das Wasserspiel kann dann zu einer regelrechten kleinen Badestelle avancieren, was in der Vergangenheit auch wieder nicht wirklich jedem Bürger und nicht jedem Kommunalpolitiker gefallen hat.

Die Anlage ist vor gut drei Jahren eingeweiht worden. Betreut werden die Fontänen durch die Hausmeister des Amtes für technische Dienste, 2018 wurde eine zusätzliche Stelle geschaffen. Ein Aufgabenfeld in normalen Zeiten: Das Wasserspiel wird täglich kontrolliert und, wenn denn nötig, gereinigt. In den Monaten April bis Oktober schauen in der Regel einmal wöchentlich zwei Hausmeister im Technik-raum nach dem Rechten. In der Hochzeit von Juni bis August erfolgen diese Arbeiten sogar zweimal in der Woche. All dies ist 2020 vorerst unnötig, wenngleich auch eine Anlage im Ruhemodus natürlich gewartet werden dürfte.

Entstanden ist das Wasserspiel im Zuge der Marktplatzsanierung, nicht zuletzt auf Initiative aus der Bürgerschaft. Mit allem Drum und Dran hat es etwas mehr als 200 000 Euro gekostet. Der Unterhalt ist nicht unerheblich: In- und Außerbetriebnahme durch eine Fachfirma kosten knapp 3000 Euro. Für Wasser und Strom hat die Stadt bislang jährlich etwa 2000 Euro bezahlt, für Chemie und Kleinmaterial an die 1200 Euro. Die Personalkosten liegen bei 11000 Euro. Unterm Strich sind das knapp 18000 Euro jährlich. Diese Rechnung aus dem vergangenen Jahr muss Rathaussprecher Fischbach so 2020 dann nicht aufmachen.

Warum in Osterburg das Wasserspiel in Betrieb sein kann, die AZ hat in der Biesestadt nachgefragt. Bürgermeister Nico Schulz (Freie Wähler) gestern Nachmittag kurz und knapp: „Der Winter ist vorbei und wie in jedem Jahr werden die Brunnen angestellt.“

VON MARCO HERTZFELD

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