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Camp der Antimilitaristen gerät unter Beschuss

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Von: Marco Hertzfeld

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Demonstrationen gegen Naziaufmärsche und Castortransporte oder Veranstaltungen wie das geplante antimilitaristische Camp rufen naturgemäß auch die Ordnungsmacht auf den Plan.
Demonstrationen gegen Naziaufmärsche und Castortransporte oder Veranstaltungen wie das geplante antimilitaristische Camp rufen naturgemäß auch die Ordnungsmacht auf den Plan. © Hertzfeld

Altmark. Gegen das für den Spätsommer in der Westaltmark geplante „antimilitaristische Camp“ regt sich unerwarteter Widerstand. Der Bürgerinitiative (BI) „Offene Heide“ sind die von der Vorbereitungsgruppe propagierten Mittel der Tat ein Dorn im Auge.

Sollten sich die Initiatoren nicht ausdrücklich zur Gewaltfreiheit bekennen, sehen Malte Fröhlich aus Miltern und andere Friedensbewegte keine Möglichkeit einer Zusammenarbeit. „Wir wollen nicht in die Nähe von Terrorismus gerückt werden, das nutzt nur anderen.“ Der 45-Jährige vermutet, da

ss die Aktivisten vor allem aus der Antifa-Bewegung in Berlin, Magdeburg und dem Wendland kommen.

Die Polit-Camper haben beim BI-Friedensmarsch für eine ausschließlich zivile Nutzung der Colbitz-Letzlinger Heide Anfang Mai in Vollenschier das erste Mal so richtig öffentlich für ihr Vorhaben geworben. Ansonsten gehen sie bisher eher konspirativ vor, vieles läuft allein über das Internet. Die Aktivisten machen weltweit gegen das Gefechtsübungszentrum (GÜZ) Altmark der Bundeswehr und die für Übungszwecke dort geplante imaginäre Großstadt „Schnöggersburg“ mobil. Sie rechnen mit mindestens 500 Teilnehmern aus dem In- und Ausland.

In ihrem Aufruf für das Camp, das vom 12. bis 17. September in oder nahe Letzlingen stehen soll, heißt es: „Ebenso wollen wir praktisch vor Ort beweisen, dass wir den Krieg dort, wo er beginnt, auch aufhalten können. Uns sind in diesem Sinne alle Aktionsformen willkommen, die den laufenden Militärbetrieb markieren, blockieren, sabotieren!“ Das GÜZ-Gelände sei nur teilweise eingezäunt und riesengroß, wodurch sich „vielfältige Aktionsfelder“ böten wie beispielsweise Schienen, Straßen, Zulieferer, Lagerhallen, Fahrzeuge – Soldaten.

Da läuten bei Fröhlich die Alarmglocken. „Den letzten Teil verstehe ich als eine Einladung und Aufforderung zu gewaltsamen Aktionen, die auch das Verletzen von Menschen billigend in Kauf nehmen“, hat das BI-Mitglied dem Campvorbereitungskreis geschrieben. Und weiter: „Wir sind getragen und durchdrungen von dem gandhischen Grundsatz, dass ein angestrebtes Ziel niemals besser sein kann, als die zu seiner Erreichung gewählten Mittel.“ Bislang gab es keine Reaktion.

Fröhlich ist in den sogenannten sozialen Bewegungen kein unbeschriebenes Blatt. Er kennt die Formen des zivilen Ungehorsams und die Diskussion darum. Zu keinem Zeitpunkt sei die BI aber bereit gewesen, „die Gesundheit oder das Leben von anderen Personen zu gefährden“, beteuert der Ostaltmärker. Natürlich weiß er auch um die Besonderheiten der linksradikalen und autonomen Gruppen. „Wobei es auch dort vernünftige Leute gibt, die sich an Absprachen halten und nicht nur Gewalt predigen.“ Umso verwunderter sei er, dass die Campaktivisten ganz offenkundig so ohne jeden Austausch an ihrer Linie festhalten wollten.

Fröhlich sieht daher auch Raum für Spekulationen: „Vielleicht haben noch ganz andere Leute ganz andere Interessen und wollen gerade uns, die BI Offene Heide, über diese Gewaltfrage nach außen diskreditieren. Vielleicht haben die Camper ein U-Boot in ihren Reihen und lassen sich benutzen.“

Das Ministerium für Inneres in Magdeburg hat bislang keine Stellung zum geplanten antimilitaristischen Camp in der Altmark bezogen. Und auch der Versuch einer Kontaktaufnahme zu den Initiatoren ist zumindest in diesem Punkt bisher ins Leere gelaufen. Wer den Aufruf der Aktivisten für den Spätsommer selbst bewerten möchte, der findet das komplette Werk im Internet unter www.warstartsherecamp.org.

Von Marco Hertzfeld

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