1. az-online.de
  2. Altmark
  3. Stendal

Kampf ums Stendaler Rathaus spitzt sich zu

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Marco Hertzfeld

Kommentare

Der Bürostuhl von OB Schmotz steht an einer Fensterfront.
Der Stuhl von OB Klaus Schmotz bleibt Ende Juli im Rathaus. Ob auch das neue Stadtoberhaupt darauf Platz nimmt, muss sich natürlich zeigen. © Berit Boetzer

Der Wahlsonntag ist nah. Die Hansestadt Stendal sucht einen neuen Oberbürgermeister. Amtsinhaber Klaus Schmotz tritt nicht mehr an. Für seine Christdemokraten geht es ans Eingemachte. Das Rathaus soll nicht auch noch verloren gehen.

Stendal – Klaus Schmotz gibt seinem Stuhl einen leichten Stoß. Das Teil rollt vom Schreibtisch weg und bleibt knapp vor einer Fensterwand stehen. Die Fotokamera der AZ blitzt auf, einmal, zweimal, dreimal. Was der fast 70-Jährige in diesem Moment denkt, bleibt sein Geheimnis. Es könnte eine Mischung aus Aufatmen und Wehmut sein. Es wird ein gänzlich neues Stadtoberhaupt in Stendal geben, der CDU-Mann tritt am 27. März nach drei Wahlperioden und 21 Jahren aus Altersgründen nicht mehr an. Der Bürostuhl wird einem anderen gehören. Das Feld der potenziellen Nachfolger um das Amt des Oberbürgermeisters (OB) ist bunt gemischt, die Altersspanne reicht von Mitte 30 bis Mitte 50. Die schiere Zahl von sechs Kandidaten könnte dafür sprechen, dass der erste Durchgang am Sonntag nicht die Entscheidung bringt und eine Stichwahl am 24. April notwendig wird. So oder so: Auch von außerhalb dürfte auf diese Stadt genauer geschaut werden.

Sechs Leute wollen Schmotz beerben

Seit mehr als zwei Jahrzehnten führt Schmotz das Zepter in der altmärkischen Kreisstadt. Der 31. Juli wird sein letzter Arbeitstag sein, eine Zäsur für das politische Stendal, ja, für die Region. Anfangs noch ohne Parteibuch, ist er längst eine Größe in der CDU, auch wenn er das selbst wohl nicht so betont sehen möchte. Die Christdemokraten sind nach wie vor gebeutelt durch die Stendaler Wahlaffäre von 2014 und die innerparteilichen Auseinandersetzungen um die richtige Aufarbeitung, die letztendlich einige führende Köpfe kostete. Die CDU hat die Vorherrschaft im Landkreis eingebüßt, unter anderem zeugen die jüngsten Wahlen für Kreistag und Stadtrat davon. Auch das Landratsamt ging verloren. Zöge im Sommer eine andere politische Kraft ins Stendaler Rathaus ein, müsste sich auch Kreisvorsitzender Chris Schulenburg erneut unliebsame Fragen gefallen lassen.

Stechen recht wahrscheinlich

Thomas Weise, Jahrgang 1969, soll es für die CDU richten. Der Christdemokrat wird von der FDP unterstützt. Im Nacken sitzen ihm nicht zuletzt zwei Konkurrenten ohne Parteibuch, Bastian Sieler, Jahrgang 1987 und getragen von der SPD, sowie Rico Goroncy, Jahrgang 1980 und unterstützt von der Linken. Die AfD hat Arno Bausemer, Jahrgang 1982, auf den Schild gehoben, die Partei die Basis Alkje Fontes, Jahrgang 1978. Kerstin Westphal, Jahrgang 1966, komplettiert das Sextett. Sie hat weder ein Parteibuch noch den unterstützenden Rückenwind einer Partei. Schmotz holte 2015 bei seinem dritten Urnengang 50,2 Prozent der Stimmen und vermied knapp eine Stichwahl. Die beiden OB-Bewerber von Linker und SPD hatten das Nachsehen. Sieben Jahre später scheint vieles anders, die Zahl der Kandidaten und die politische Farbenlehre insgesamt sowieso.

Der Countdown läuft. Geöffnet sind die Wahllokale in der Einheitsgemeinde am Sonntag, 27. März, von 8 bis 18 Uhr. Danach wird ausgezählt. Die Ergebnisse sollen am Wahlabend auf der Internetseite der Stadt www.stendal.de nach und nach veröffentlicht werden. Zudem ist eine Präsentation im Festsaal des Rathauses geplant. Wahlberechtigte gibt es knapp 32.000, ein Teil von ihnen stimmt per Briefwahl ab. Bereits 16-Jährige können ihr Votum für einen der sechs Kandidaten abgeben, im Unterschied etwa zur Bundestagswahl, bei der eine Beteiligung erst mit 18 Jahren möglich ist. Die Amtszeit eines Stadtoberhauptes beträgt sieben Jahre, er oder sie ist vor allem erst einmal eines, hauptamtlicher Leiter oder hauptamtliche Leiterin der Verwaltung. Zwei Frauen und vier Männer wollen es am Sonntag wissen und Schmotz’ Nachfolge antreten. Einen haushohen Favoriten scheint es nicht zu geben, ein OB-Urnengang in der Hanse- und Rolandstadt Stendal wird spannend wie selten zuvor.

Auch interessant

Kommentare