Fallenpläne bleiben ausgesetzt

Nutria: Stendal findet keinen Jäger

Eine Nutria frisst am Ufer des Stadtsees in Stendal.
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Die Nutria kommt am Stadtsee häufig vor. Ende Juli hat sich dieses Exemplar nicht beim Fressen stören lassen.
  • Marco Hertzfeld
    VonMarco Hertzfeld
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Kopf aus der Schlinge: Die Nutria kann sich weiterhin an Stendals Gewässern pudelwohl fühlen. Die Stadt findet einfach keinen Jäger.

Stendal – Die Nutria kann ihren Kopf ganz offensichtlich aus der Schlinge ziehen. Eine Fallenjagd dürfte es auch in nächster Zeit nicht geben. Der Grund: Die Hansestadt findet schlichtweg niemanden, der den Job erledigen will. Ein Rathaussprecher formuliert es auf AZ-Anfrage in dieser Woche so: „Bislang hat sich kein ansässiger Jäger oder Jagdverband dazu bereit erklärt, eine Fallenjagd durchzuführen. Von einer überregionalen Ausschreibung wird abgesehen.“ Der große Nager stammt ursprünglich aus Südamerika und hat sich in Deutschland ausgebreitet. Die „invasive Art“ soll durch ihre Bauten Uferböschungen zerstören und zudem durch Fraß an Uferpflanzen die Lebensräume seltener einheimischer Tiere einschränken. Mancher Bürger findet die Tiere allerdings auch ganz possierlich und füttert sie.

„Invasive Art“ bleibt Kampfansage

Im Stadtgebiet ist die Nutria vor allem am Stadtsee, am Schwanenteich und der Uchte beobachtet worden. Einige Exemplare erscheinen schon fast handzahm und lassen sich selbst von tobenden Kindern nicht großartig stören. In welchem Maße Böschungsabbrüche auf das Konto der tierischen Buddler gehen, kann Stadtsprecher Armin Fischbach nicht sagen. „Die Maßnahmen werden nach Bedarf umgesetzt.“ Bezüglich der Kosten werde „nicht nach dem Verursacher unterschieden“. Und weiter: „Die anfallenden Kosten für Nutriaschäden separat zu ermitteln, ist uns kurzfristig nicht möglich.“ In der Vergangenheit war auch immer die Rede von einer Unfallgefahr für Spaziergänger und von im Extremfall gefährdeten Gebäuden in Ufernähe.

Die Tierrechtsorganisation Peta hatte die im Januar öffentlich bekannt gewordenen Jagdpläne heftig kritisiert. Bei der sogenannten Lebendfalle ist das Ende nah, der Jäger nimmt die Nutria im Käfig mit und tötet sie anschließend. Das Diskussionsklima war zeitweise recht angespannt, gerade in sozialen Medien kochten die Emotionen hoch. Wie viele Exemplare momentan in der Stadt leben, die Stadt will und kann es nicht einschätzen. Einige Dutzend Tiere dürften es mindestens sein, wenn auch die Gräben und Kanäle in die Betrachtung einbezogen werden. Politik und Verwaltung scheinen ratlos. Ein Fütterungsverbot und drohende Strafen von bis zu 5000 Euro liefen mehr oder weniger ins Leere. Zäune und andere bauliche Barrieren hält die Stadt für impraktikabel.

Mag die Jagd auf den Einwanderer, der nicht zuletzt auch über Pelzfarmen den Weg in die freie altmärkische Landschaft fand, auch erst einmal länger aufgeschoben oder vielleicht doch ganz aufgehoben sein, scheinen doch Einschätzung und Antrieb dahinter unverändert. Fischbach umschreibt beides für die Hansestadt gegenüber der AZ noch einmal wie folgt: „Mit den Nutrias muss wie mit jeder anderen invasiven Art umgegangen werden. Ab einem gewissen Punkt sind sie eventuell nicht mehr aus dem Ökosystem entfernbar.“ Schnell ist er aber auch wieder beim Ausgangspunkt: „Solange sich kein regionaler Jäger hierzu bereit erklärt, wird es jedenfalls beim aktuellen Stand bleiben.“

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