Großnager im Stadtgebiet soll in die Falle laufen

Reißleine: Nutria in Stendal geht es an den Kragen

Tierischer Einwanderer hat durchaus auch Freunde: Die Nutria kann wie hier vor einiger Zeit im Tangerhütter Stadtpark regelrecht handzahm werden.
+
Tierischer Einwanderer hat durchaus auch Freunde: Die Nutria kann wie hier vor einiger Zeit im Tangerhütter Stadtpark regelrecht handzahm werden.
  • Marco Hertzfeld
    vonMarco Hertzfeld
    schließen

Der Nutria in Stendal geht es nun doch an den Kragen. Die Stadt will nicht zuletzt am Stadtsee sogenannte Lebendfallen einsetzen. Letztendlich endet das für den großen Nager auch tödlich.

Stendal – Ein Schnellschuss wird das Ganze schon auch so nicht, die eingewanderte Art gilt bereits länger im Stadtgebiet als Problem und es wurde ganz offensichtlich intensiv hin und her überlegt, was überhaupt möglich ist und was nicht. Die Altmärker folgen nun im Grundsatz der Vorgehensweise in Magdeburg, wo laut Medienberichten der Nutriaplage in einer Kleingartenanlage mit Kastenfallen begegnet werden soll.

Das ursprünglich aus Südamerika stammende Nagetier fühlt sich ganz offensichtlich in Stendal vor allem am Stadtsee wohl, mindestens 15 Exemplare soll es dort geben. „Wir warten derzeit noch auf die Zustimmung des Pächters, des Stendaler Anglervereins, dann werden wir uns darum kümmern, ausreichend Lebendfallen zu organisieren“, kündigt Rathaussprecher Armin Fischbach gegenüber der AZ an. Jäger stellen die Fallen an den Brennpunkten auf. „Sie werden regelmäßig begangen, um unbeabsichtigten Beifang wieder freizulassen.“ Einfach woanders ausgesetzt werden sollen die Nutrias nicht.

Einmal im Kasten ist das Ende nah. „Gefangene Nutrias wird der Jäger samt Käfig mitnehmen und anschließend tierschutzgerecht töten“, erläutert Fischbach. So sei das nun einmal, auch wenn „tierschutzgerecht töten“ für so manchen Menschen vielleicht komisch und widersprüchlich klinge. Der europäische Bestand der Nutria, auch Biberratte genannt, lässt sich auf aus Pelztierfarmen entflohene Tiere und auch auf bewusste Auswilderungen zurückführen. Eine rasante Verbreitung in Deutschland wollen einige Fachleute allerdings nicht gleich sehen, harte Winter lassen Populationen immer wieder zusammenbrechen.

Doch die Winter in Deutschland und der Altmark scheinen immer milder. „Die Nutria ist ein großes Problem, da die Uferböschung durch ihre Baue schwer beschädigt werden. Sie müssen deshalb beseitigt werden“, bekräftigt der Rathaussprecher. „Die Schäden sind eine Gefahr für alle Personen, die in der Nähe der Ufer gehen würden und können im Extremfall auch die Standhaftigkeit naher Gebäude gefährden.“ Die Stadtverwaltung weiß noch von Exemplaren in der Biese nahe dem Nachtigalplatz und in Gräben bei Bindfelde. Verstärkt vorkommen soll die Nutria auch am Schwanenteich am Rande des Ostparks.

Die Frage der AZ nach dem Für und Wider der Lebendfalle sei nicht wirklich angebracht, findet Fischbach. „Vielmehr ist es die einzige gangbare Methode, um eine Nutriapopulation in einem bewohnten Gebiet zu dezimieren. Die Bejagung mit Schusswaffen mitten in der Stadt ist aus offensichtlichen Gründen nicht zulässig. Und Giftköder, die stark und groß genug für die Nutria wären, würden zwangsläufig auch alle anderen Wild- und auch Haustiere gefährden.“ Wer es nicht weiß: Durch Fraß an Uferpflanzen soll die Nutria zudem die Lebensräume seltener einheimischer Tierarten einschränken.

Die Nutria steht in der Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung für die Europäische Union. Zu finden sind dort unter anderem auch der Waschbär, das Grauhörnchen, die Asiatische Gelbfuß-Hornisse und diverse Krebsarten. Was laut Fischbach Bürger in Stendal nicht machen sollten: „Das Offensichtliche, was eigentlich hinlänglich bekannt sein sollte, bitte nicht füttern! Dennoch werden immer wieder Verstöße gegen das Fütterungsverbot festgestellt.“ Zur Erinnerung: Die Hansestadt hat das Regelwerk 2019 um Nutria und Bisam erweitert. Wer füttert, dem droht eine Strafe von bis zu 5000 Euro.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare