Altmarksaaten liebäugeln mit Hybridsorten für Weizen und Gerste / 30 Züchter der Region unter Vertrag

„Nur eine Frage der Zeit“

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Vor jeder Ernte gibt es eine Feldanerkennung (v.l.): Axel Hänsel (Außendienst), Werner Mertens (Vermehrer) und Dorothee Mertens (Anerkenner der Samenprüf- und Anerkennungsstelle Sachsen-Anhalt).

mei Stendal. Zu DDR-Zeiten hat der Vorgänger der heutigen „Altmarksaaten“ noch bis zu 60 000 Tonnen Pflanzkartoffeln vermehrt. Seit dem vergangenen Jahr ist diese Schiene passé.

Das vermehrte Saatgut wird in Säcken, in Big Bags und auch als Schüttgut gelagert. Mehr als 30 Züchter aus der Altmark stehen bei den „Altmarksaaten“ unter Vertrag.

Das Unternehmen mit Hauptsitz in Stendal – der einzige Saatgutbetrieb in Deutschland, der seine Wurzeln in der DDR hat und sich an die Marktwirtschaft anpassen konnte – geht andere Wege. Geschäftsführer Horst Bremer sieht für die Zukunft hohe Chancen für Hybridsorten bei Weizen und Gerste. Den Hybrideffekt, die Kreuzung von zwei genetisch entfernten Linien während der Zucht, sorge für einen einmaligen Mehrertrag (Heterosis-Effekt) bei den Pflanzen. „Ich bin überzeugt, dass sich dieses System auch bei Weizen und Gerste durchsetzen wird. Es ist nur eine Frage der Zeit“, sagt Bremer.

Das Unternehmen mit Standorten in Stendal, Lüderitz und Jeeben (Altmarkkreis Salzwedel) ist mittlerweile 25 Jahre am Markt. Es beschäftigt in der Hauptsaison bis zu 30 Mitarbeiter. Dass die Altmark „schon immer eine landwirtschaftlich geprägte Region war“, sieht Bremer als „wichtige Basis unserer Arbeit“ und verweist auch auf die seit 1951 bestehende Saatgutproduktion in Stendal.

Nach der Wende glaubten Horst Bremer, Erich Steffens, Joachim Pierau und Albrecht Bremer an ihre Vision eines eigenständigen Saatgutbetriebes in der Altmark und gründeten im Juli 1992 die Altmarksaaten GmbH. Nach dem Bau eines Verwaltungs- und Sozialgebäudes folgte im Winter 1994/95 mit dem Umstellen der Aufbereitungshalle auf Kistentechnologie die nächsten Investition. 1995 übernahm das Unternehmen zur Hälfte das Lagerhaus in Lüderitz. Drei Jahre später wurde die Expansion mit einer Beteiligung am Kartoffelvertrieb in Jeeben und im Jahr 2000 mit der vollständigen Übernahme des Lüderitzer Lagerhauses fortgesetzt. Zudem wurde eine neue Halle in Stendal gebaut, im Jahr 2002 wurde das Lagerhaus in Jeeben vollständig übernommen und im Jahr 2004 der Standort Stendal mit 32 000 Quadratmetern Grundstück und drei dazugehörigen Hallen erweitert. Darüber hinaus wurde bis heute regelmäßig in die Technik und in den Fuhrpark investiert.

„Wir unterhalten als einzige der Region Lizenzverträge mit allen deutschen Pflanzenzüchtern“, betont Bremer. Pro Jahr werden 10 000 Tonnen Saatgut umgeschlagen. Etwa 50 bis 60 Prozent davon bleiben in der Altmark. Um das Geschäft auch in Zukunft auf sichere Beine zu stellen, gründeten Altmarksaaten sowie vier weitere mittelständische Unternehmen aus dem Vermehrungssektor einen externen Dienstleister, die Private Saatgut Gruppe (PSG GmbH). Die PSG kümmert sich um die Koordinierung aller Vermehrungsflächen sowie um die Lizenzabrechnungen, ermöglicht bessere Einkaufs- und Verkaufskonditionen und hat ein stärkeres Gewicht gegenüber den Züchtern. Von ihnen bekommt das altmärkische Unternehmen das Basissaatgut. Im vergangenen Jahr hatte Altmarksaaten mehr als 30 Züchter in der Altmark unter Vertrag. Im Jahr 2017 wurden insgesamt 1539 Hektar Ackerfläche mit 56 Sorten zur Vermehrung bestellt. „Mein Wunsch ist es, dass das Unternehmen auch in Zukunft als regionaler Dienstleister der Landwirtschaft verbunden bleibt“, sagt Horst Bremer.

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