Freundinnen aus Südbayern zeigen in der Arneburger Scheune, was Kunst und Klamotten eint

Nürnberger Chic bezirzt an der Elbe

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Das Frühjahr steht vor der Tür: Strandperlen-Gründerin Regina Ehrenbrecht (l.) will die Arneburgerinnen noch hübscher machen. Freundin Anja Besinger betreibt in Nürnberg eine Boutique. Bis Samstag verrät das Duo in der Kulturscheune, was Trend ist.

Arneburg. Zwischen romantisch rotstrahlenden Heizpilzen und einem schicken schneeweißen Standspiegel geben sich ostaltmärkische Shoppingbegeisterte seit Donnerstag erstmals in der Arneburger Kunst- und Kulturscheune neuesten Bekleidungsversuchungen hin.

Da fehlt der Kundschaft höchstens noch ein TV-prominenter Damentextil-Guru an der Seite, doch die Frauenwelt kann beim Gang durch Kleiderstangen das Beratungstalent der südbayerischen Freundinnen Regina Ehrenbrecht und Anja Besinger genießen – auch wenn diese bei der Premiere mit Sekt und Lobesworten dann doch zu hören bekommen: „Was, ihr habt den Guido Maria Kretschmer gar nicht eingeladen?“.

Und während sich kurz vor Mittag ein halbes Dutzend Anwohnerinnen florale Blusen anhält und die Bundweite von Steghosen prüft, führt eine Unternehmerin mit altmärkischen Wurzeln die AZ durch den Backsteinbau, der für alle Schöngeister längst eine beliebte Adresse ist. „Das soll eine feste Institution werden“, erklärt Ehrenbrecht. Die einstige Strandperlen-Gründerin und Anwärterin für den Betrieb der Arneburger Burggaststätte arbeitet derzeit an ihrem Engagement als Investorin des Mut-zur-Lücke-Projekts „Spatzenfalle“ (die AZ berichtete). Auf dem an der Straße zum Fähranleger befindlichen Gebäude sollen barrierefreie Wohnungen entstehen. Momentan verhandele sie aber noch über einen Abriss mit dem Denkmalschutzamt, schildert Ehrenbrecht der AZ.

Vorerst noch bis Samstag schwelgt die Unternehmerin lächelnd im Modehimmel. Dies tut sie in einer mit Leader-Geld sanierten Scheune, in der die Bedürfnisse modebewusster Arneburgerinnen ab dem mittleren Alter im Mittelpunkt stehen. „Ich brauche etwas für eine Hochzeit“, begründet etwa eine Endfünfzigerin ihren vormittägigen Einkaufsbummel. Die Frau an ihrer Seite mischt in der Arneburger Bürgerinitiative (BI) mit und jubelt wie auf Knopfdruck: „Die beiden kommen extra aus Nürnberg, das finden wir ganz toll.“ Eine weitere Seniorin erinnert sich, wie schön das Shoppen in der Elbekleinstadt noch zu DDR-Zeiten gewesen sei. „Da hatten wir das Landwarenhaus, aber nach der Wende wurde ja alles dichtgemacht.“ Geblieben sei lediglich ein kleiner Laden.

Ihre Namen wollen die Kundinnen lieber nicht in der Zeitung lesen, denn Klamottenkauf ist eine ernste Sache. Wirklich passende Oberteile, Jacken und Hosen zu finden, gilt oft gar als Kunst, womit sich in der diesem Zweig gewidmeten Scheune ein Kreis zu schließen scheint. „Hier gibt es endlich auch mal große Größen“, freut sich die Dame von der BI.

„Alles wird lockerer“, verrät Anja Besinger, die in Nürnberg eine Boutique betreibt, den aktuellen Modetrend. Angesagt seien in Frühjahr und Sommer Pastelltöne und Weiß. Das Damen-Duo will einen Euro pro verkauftem Kleidungsstück an den Verein „Freundeskreis Kirchenorgel Arneburg“ spenden. Die Idee fürs „Outlet“ unterm Dach der Kultur kupferten die Freundinnen bei Bekannten ab, die am Chiemsee Trachtenmode in Scheunen anbieten und dort im ähnlich wie die Altmark ländlichen Bereich erfolgreich seien. Deshalb habe Ehrenbrecht schon einen Raum im Rückhaus der Sparkasse gemietet. Der Laden dort soll voraussichtlich „immer freitags“ öffnen, kündigt sie an.

Von Antje Mahrhold

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