Thema Wolf: Kreisbauern unzufrieden mit politischer Sichtweise / Unterschriftensammlung geplant

„Nichts, das uns weiterhilft“

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Um für die Zukunft mit dem Wolf gerüstet zu sein, will der Kreisbauernverband mit anderen Interessenvertretern eine Allianz bilden. Das Problem ist eine Richtlinie des Landes. Auch ein Schreiben an Reiner Haseloff brachte kaum neue Erkenntnisse. 

Stendal. Wie soll in der Zukunft der Umgang mit dem Wolf im Landkreis geregelt werden? Dieses Thema war im April der Grund dafür, dass der Kreisbauernverband (KBV) einen Fragenkatalog an Umweltministerin Claudia Dalbert (Bündnisgrüne) übersandte.

Das Ergebnis war wenig befriedigend. Nun erfolgte ein Schreiben, direkt adressiert an den Ministerpräsidenten Reiner Haseloff (CDU). „Da steht nichts drin, das uns irgendwie weiterhelfen könnte“, zeigt sich Kerstin Ramminger, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes, niedergeschlagen vom Umgang der Politik mit dem Thema Wolf.

Umso mehr sei der Verband nun bemüht, aus den eigenen Reihen eine Allianz zu bilden. „Wir werden uns das nicht gefallen lassen“, sagte auch KBV-Vorstand André Stallbaum bei einer Krisensitzung im Mai. Vor wenigen Wochen gab es für jene Allianz ein erstes großes Treffen im ostelbischen Genthin, wie Ramminger auf AZ-Nachfrage erläutert. Daran nahmen Verbandsgemeinde- und Ortsbürgermeister, Mitglieder der Jägerschaft sowie weitere Interessenvertreter teil. Viele der Anwesenden hätten den Brief an Ministerpräsident Haseloff bei dieser Veranstaltung unterzeichnet.

In Sachsen-Anhalt gab es zuletzt 78 Wölfe. „Wir sind nicht gegen den Wolf“, sagt Ramminger. Der Verband wolle lediglich, dass der Wolf etwas zurückgedrängt wird. Er gehöre nicht in die Städte. Das Ministerium schlug seinerzeit Maßnahmen zur Vergrämung – also zur friedlichen Vertreibung des Raubtieres – vor, die laut KBV nicht umsetzbar sind. Außerdem stellte das Ministerium zum Entsetzen des KBV-Vorstandes fest, dass es nicht nur keine Entschädigungen bei Wolfsrissen geben werde, sondern die Weidetierhalter zusätzliche Strafen zahlen müssen. Denn: Wer seine Tiere nicht ausreichend vor Übergriffen durch Wölfe schützt, verstoße gegen das Tierschutzgesetz. Den Tierhaltern drohen Strafen im fünfstelligen Eurobereich. „Der Ministerpräsident bedauert in seinem Schreiben die aktuelle Situation. Aber er verweist auch auf die bestehende Richtlinie“, sagt Ramminger. Dabei ist es eben jene Richtlinie, die sich laut KBV nicht mit der Realität in Sachsen-Anhalt vereinbaren lasse.

Der nächste Schritt soll eine Unterschriftensammlung sein. „Dazu bedarf es vorher noch einer Absprache mit dem Landesverband“, weist Ramminger auf rechtliche Grundlagen hin. Ein Papier soll über die Zahl der Wölfe und die Gefahr, die von ihnen ausgeht, aufklären. Unterschreiben könne dann jeder, der sich von der zunehmenden Zahl des Raubtieres beeinträchtigt fühlt. „Was wir im Anschluss mit den Unterschriften machen, ist noch unklar. Möglich wäre unter anderem eine Petition, aber das ist noch nicht spruchreif“, sagt die Geschäftsführerin.

Von Mike Höpfner

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