Justizsekretär soll Akten mit Absicht nicht bearbeitet haben

„Das ist nicht aus Versehen passiert“

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Der Angeklagte vor der Verhandlung mit seinem Verteidiger Dr. Ralf Troeger.

Stendal. Er war, bevor er suspendiert wurde, Justizhauptsekretär bei der Stendaler Staatsanwaltschaft und soll in zahlreichen Fällen unbearbeitete Akten einfach in einen Schrank geschlossen oder im Büro liegengelassen haben.

Im Juristendeutsch nennt sich das Strafvereitelung im Amt, weswegen sich der jetzt 41-jährige Familienvater vor dem Stendaler Landgericht verantworten muss. Seit 1995 arbeitet der aus dem Altmarkkreis stammende Angeklagte nun schon bei der Stendaler Staatsanwaltschaft.

Aus dem Gericht

„Zumindest weit überdurchschnittlich, in Teilen sogar vorbildlich“ sei die Arbeitsweise des Beschuldigten gewesen, so der Vorsitzende Richter Gundolf Rüge. Doch nach dem Tod eines Familienangehörigen 2012 sei der Angeklagte, dem ein forensischer Psychiater eine „narzisstisch geprägte Persönlichkeit“ attestiert, in Depressionen verfallen. Er habe jedoch keine ärztliche Hilfe gesucht, sondern weiter gearbeitet. Erst 2014 sei er bei einem Arzt vorstellig geworden.

In diesem Zeitraum habe er auch angefangen, zumeist Bußgeldsachen nicht mehr zu vollstrecken, sondern die Akten einfach in einen nur für ihn zugänglichen Schrank zu sperren oder im Büro liegenzulassen. „Ihm oblagen Dienstgeschäfte, vor allem Geldstrafen“, sagte der Richter. Aktenvermerke wurden gelöscht, falsche Einträge hinzugefügt, wie Rüge aus der erstinstanzlichen Anklageschrift verlas. „Das ist nicht aus Versehen, sondern vorsätzlich passiert.“ Die meisten Strafsachen seien mittlerweile verjährt. Der 41-Jährige wurde bereits am 23. Mai 2017 vom Amtsgericht Stendal zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt.

Gegen das Urteil legten der Angeklagte sowie die Staatsanwaltschaft Berufung ein. Für den Verteidiger Dr. Ralf Troeger komme sogar ein Freispruch infrage. Der Prozess wird fortgesetzt.

Von Mike Höpfner

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