Wechsel an der Spitze: Links-Fraktion erweitert Vorstand auf vier Köpfe

„Nicht mehr in erster Reihe“

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Der Nachfolger von Helga Zimmermann: Mario Blasche.

Stendal. „Ich bin ja nicht weg“, lächelt Helga Zimmermann tapfer. Sie sei weder traurig noch erleichtert, sagt die 66-Jährige der AZ.

Und doch, es sei ein ziemlich „langer Prozess“ gewesen, der die pensionierte Lehrerin dazu brachte, den Anführerposten in der Fraktion der Linken/Bündnisgrünen in Stendals Stadtrat zur Verfügung zu stellen. „Nun stehe ich nicht mehr in der ersten Reihe“, schmunzelt sie.

Seit 17 Jahren kämpft, streitet und debattiert Zimmermann nun schon an vorderster Lokalpolitfront. „Nun ist es an der Zeit, dass frischer Wind kommt“, schweift ihr Blick auf ihren 22 Jahre jüngeren Nachfolger. Am 1. Januar 2012 wird es offiziell, dass Linken-Kreis-Chef Mario Blasche zum Fraktionschef im Rathaus der Hansestadt aufsteigt. „Bewährte Hände“ bescheinigt ihm seine Vorgängerin. Und gesteht: „Die 17 Jahre haben mir eine ganze Menge abverlangt.“ Auch weiterhin wolle sich Zimmermann für die ihrer Meinung nach „große Bevölkerungsgruppe der sozial Schwachen und der Leute, die sich nicht zu Wort melden können“ ins Zeug legen.

Verdutzte Mienen herrschten, als die Genossen am Nikolaustag Zimmermanns Nachfolger bestimmen mussten. Die Wahl erfolgte einstimmig. Und der aus dem Amt scheidenden Fraktionsvorsitzenden überreichten sie dann als spaßige Anerkennung einen „roten Kochlöffel am Bande“. Damit die 66-Jährige auch künftig noch kräftig „rote Suppen“ anrühren kann.

Das andere Präsent des Abends ging an Stendals jüngsten Linken-Stadtrat Enrico Schild. Der 36-Jährige bekam eine rote Kerze, die seinem künftigen lokalpolitischen Agieren im von drei auf vier Köpfe erweiterten Fraktionsvorstand Symbol dafür sein soll, das künftig möglichst viel „rotes Licht“ aufgehe. Der für die Themen Wirtschaftsförderung, Sport und Stadtentwicklung Zuständige sieht das Vertrauen seiner Fraktionskollegen als Motivation. „Wir sind Stadträte, wir entscheiden für die Bürger, denn die Stadt gehört nun mal den Stendalern“, erklärt der Frischgekürte gestern.

Ihm zur Seite im Führungsgremium der Stendaler Linkssozialisten steht weiter Adolf Gröger. Der 59-Jährige bleibt für die Bereiche Finanzen, Energie und Ökologie verantwortlich, während der neue Fraktionschef sein Steckenpferd auch wegen seiner beruflichen Herkunft im öffentlichen Dienst- und Beamtenrecht sieht. Helga Zimmermann bleiben die Politgebiete Kultur, Soziales und Schule.

„Die Fußstapfen sind riesengroß“, zeigt sich Blasche froh, dass seine Vorgängerin künftig als Ratgeberin fungiere. Die 66-Jährige erinnert noch gut an ihr erstes Betätigungsfeld. Seinerzeit waren es Abwasserpreise. Aber „der Wechsel ist notwendig“, erklärt die resolute Stadträtin. Und begründet ihren für viele überraschenden Schritt ebenso offen wie humorvoll: „Ich möchte doch nicht, dass man mich eines Tages aus dem Rathaus heraustragen muss.“

Von Antje Mahrhold

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