Nicht nur eine Frage des Geschmacks

Hochschule Stendal untersucht Teilnahme am Schulessen

Susanne Borkowski von der Hochschule Stendal stellt dem Schul-, Jugend- und Kulturausschuss des Landkreises die bisherige Arbeit vor. 
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Susanne Borkowski von der Hochschule Stendal stellt dem Schul-, Jugend- und Kulturausschuss des Landkreises die bisherige Arbeit vor.

Stendal – „Warum nehmen so wenige am Schulessen teil?“, fragte Edith Braun (Pro Altmark), die Vorsitzende des Schul-, Sport- und Kulturausschusses des Kreistages in der jüngsten Sitzung. Das Thema zu klären, habe sich das Gremium auf die Fahnen geschrieben.

„Liegt es an der Preis-Leistung? Was gehört noch dazu?“.

Um diese und viele weitere Fragen zu klären, wurde die Hochschule Magdeburg-Stendal beauftragt, die Gründe zu ermitteln. Einen gewissen Dämpfer auf die Vorfreude musste Susanne Borkowski, Vertretung der Professur „Kindliche Entwicklung und Gesundheit“, gleich zu Beginn ihres Vortrags geben. Aufgrund der im März ausgebrochenen Corona-Krise konnten noch nicht die Daten erhoben werden, die sich Untersucherteam und Ausschuss gewünscht hätten.

„Das war schon frustrierend“, berichtet Borkowski auf AZ-Nachfrage. Gerade in der Anfangszeit sei auch häufiger das Forschungsthema an sich hinterfragt worden. Da hätten viele gesagt „Entweder es schmeckt, oder es schmeckt nicht“, erklärt Borkowski. Je mehr sie und ihre Studierenden sich mit dem Thema befasst hätten, umso deutlicher sei hervorgetreten, wie viel komplexer das Problem eigentlich sei – und wie wenig behandelt einige Aspekte davon seien. Es sei zwar bundesweit schon häufiger erfasst worden, wie viele Schüler am Schulessen teilnehmen, die Gründe wieso das so ist, würden jedoch kaum hinterfragt.

Zwar gebe es mehrere Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), wie unter anderem keine Wiederholung von Gerichten innerhalb von vier Wochen, vegetarische Optionen ab bestimmten Abnehmerzahlen sowie die Wünsche der Schüler zu berücksichtigen. „Die Erfüllung der Qualitätsstandards heißt aber nicht unbedingt, dass es besser angenommen wird“, stellt Borkowski auch klar.

Dafür gebe es, wie Untersuchungen zeigen, zu viele weitere Faktoren. Eine bundesweite Befragung zum Ernährungsverhalten von Kindern und Jugendlichen in Ganztagsschulen aus der Zeit von 2015 bis 2017 habe unter anderem ergeben, dass 47,7 Prozent der Sechs- bis Elfjährigen die Möglichkeit eines Schulessens nutze, jedoch nur 28,3 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen.

Ähnliche Differenzen ergäben sich auch bei der Region der Schule, in Westdeutschland sind es 33,9 Prozent, in Ostdeutschland 54,4 Prozent sowie der sozioökonomische Status der Eltern. Die großen Abweichungen bei der Schul-Essensversorgung in den verschiedenen Altersstufen könnten auch mit einer höheren Selbstständigkeit zusammenhängen. Ältere Schüler hätten vermutlich öfter die Möglichkeit, sich in der Schulumgebung Mittagessen zu besorgen und können so, aus den verschiedensten Gründen, die Schulversorgung umgehen.

Einen eher kleineren Faktor spiele die Länge der Pausenzeiten, die zum Essen zur Verfügung stehen. „Da hätten wir mit einem größeren Schwerpunkt gerechnet“, gibt Borkowski zu. Die Ergebnisse der „Inform“-Studie legten dies jedoch nicht nahe.

Auch wenn bisher noch keine Befragungen unternommen werden konnten, sei bisher eine wichtige Vorarbeit geleistet worden. Mit der Datenerhebung zu anderen Studien wurde ein Fragenkatalog erarbeitet.

„Wir haben jetzt gut vorgearbeitet, damit es im nächsten Semester weitergehen kann“, sagt Borkowski abschließend. Bis dahin müsse geklärt werden, wie der Zugang zu den Schulen gefunden werden kann, um die notwendigen Befragungen vornehmen zu können. (VON STEFAN HARTMANN)

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