87-jährige Ära geht zu Ende: Die letzten vier Seiten des Ehrenbuches warten auf drei Einträge

Neues „Goldenes Buch“ für Stendal

Stendals Stadtsprecherin Sandra Slusarek zeigt im Goldenen Buch der Hansestadt eine Doppelseite aus DDR-Zeiten mit über 100 Unterschriften der Teilnehmer der 12. DDR-Radrundfahrt. Foto: Zuber
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Stendals Stadtsprecherin Sandra Slusarek zeigt im Goldenen Buch der Hansestadt eine Doppelseite aus DDR-Zeiten mit über 100 Unterschriften der Teilnehmer der 12. DDR-Radrundfahrt.

Stendal. Ein neues „Goldenes Buch“ für Stendal ist in den kommenden Monaten in Vorbereitung. Denn: Die allerletzten Seiten des Ehrenbuches warten auf Eintragungen der Prominenten.

Fast genau 87 Jahre lang haben sich auf den großformatigen Seiten des Goldenen Buches der Hansestadt zahllose Politiker, Sportler, Funktionäre und Prominente verewigt.

„Wer sich dort einschreiben darf, bestimmt in der Regel der Oberbürgermeister. Die Anregungen dazu kommen aus der Bevölkerung oder von Gremien“, erklärt Stendals Stadtsprecherin Sandra Slusarek. Das Ehrenbuch ist an einem geheimen Ort unter Verschluss. Wird es gebraucht, muss es erst angefordert werden. Das sorgfältige Blättern in dem Promi-Verzeichnis darf eigentlich nur mit weißen Archivhandschuhen erfolgen.

Es gleicht einer spannenden historischen Entdeckungsreise. Vor allem die DDR-Zeiten dominieren hier etwas inflationär die Ereignisse der vergangenen acht Jahrzehnte. So zeigt Sandra Slusarek im Goldenen Buch der Hansestadt zum Beispiel eine ganze Doppelseite aus DDR-Zeiten mit über 100 Unterschriften der Teilnehmer der 12. DDR-Radrundfahrt samt internationaler Teilnehmer.

In „normalen Jahren“ gibt es zwei bis drei Einträge ins Goldene Buch der Hansestadt. Zu den prominentesten Persönlichkeiten, die sich hier in den vergangenen 87 Jahren verewigen durften, gehören der damalige Außenminister Hans Dietrich Genscher im Jahr 1990, Bundespräsident Richard von Weizsäcker (1994), Bundeskanzler Helmut Kohl (1994), Bundespräsident Johannes Rau (2000) und Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich im Rahmen eines Stendal-Besuches am 12. April 2013 einschrieb.

Schon Mitte 2013 wurde der Platz im Ehrenbuch mit acht verbliebenen Seiten knapp. Begonnen wurde es übrigens am 22. Oktober 1930. Damals eröffnete der Pilot und Hauptmann Herrmann Koehl den Reigen auf Seite eins. Koehl war im Jahr zuvor als Erster in einem deutschen Flugzeug ohne Zwischenlandung von Osten nach Westen über den Atlantik geflogen.

Im Zweiten Weltkrieg gab es keine Eintragungen im Goldenen Buch. Erst 1951 ging es munter weiter: Der prominente Tierparkchef Prof. Dr. Dr. Heinrich Dathe, Wilhelm Piecks Tochter Elly und der Schriftsteller Ottokar Domma sind nur einige Beispiele.

Gestern zählte Sandra Slusarek noch vier leere Seiten, auf denen drei Einträge Platz haben. „Ein neues Buch ist in Arbeit. Es muss handgebunden sein und Spezialpapier haben“, so die Stadtsprecherin.

Die letzte Eintragung ins Goldene Buch der Hansestadt Stendal erfolgte am 22. Januar 2016. Da verewigte sich der Stadtseniorenrat samt Vorstand zum 20-jährigen Bestehen. Seit seiner Gründung hatte der Stadtseniorenrat zur Verbesserung der Lebensqualität beigetragen. In diesem Jahr gibt es bislang noch keinen Eintrag.

Von Kai Zuber

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