Raubtierdame und Neuzugang bleiben getrennt

Tiger in Stendal können sich nicht riechen

Der Körper eines Tigers im Tiergarten Stendal spiegelt sich im Wasser.
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Nur ein Spiegelbild und keine zwei Tiger grenzenlos. Es bleibt in Stendal bei der zweigeteilten Anlage.
  • Marco Hertzfeld
    VonMarco Hertzfeld
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Stendals Tigerin Taina und Neukater Samur aus Nürnberg verstehen sich nicht sonderlich gut und bleiben in getrennten Gehegen. Der Tiergarten will auf Nummer sicher gehen. Eine Zucht ist eh nicht vorgesehen.

Stendal – Sie können sich ganz offensichtlich nicht riechen. Taina und Samur, der Neuzugang aus Nürnberg, haben es schwer miteinander. Ein Stadtsprecher formuliert es für die Tiergartenleitung in Stendal wie folgt: „Den Tigern geht es so weit gut. Allerdings halten die Probleme bei der Zusammenführung an. Sie vertragen sich noch immer nicht, weshalb sie leider nicht zusammen in einer Anlage leben werden können.“ In freier Wildbahn sind Sibirische Tiger in der Regel Einzelgänger, ein Zusammenleben im Zoo ist allerdings auch nicht ausgeschlossen. Eine Geschichte mit Happy End schreibt sich anders.

Eiszeit herrschte zwischen Katze und Kater von Beginn an. Und ganz offensichtlich glauben die Verantwortlichen im Tiergarten nicht mehr daran, dass dies noch anders wird.

Anfang November war der Franke in die Altmark gezogen. Großkatzen aneinander zu gewöhnen, ist immer eine Herausforderung, gerade für die Pfleger. Wie viele Versuche unternommen wurden und unter welchen Umständen, Armin Fischbach geht da nicht weiter ins Detail. Offenbar will die Hansestadt aber auf Nummer sicher gehen. Katze und Kater bleiben getrennt. „Damit gibt es auch kein Risiko möglicher Verletzungen.“ Das Zusammenführen zweier Tiger im Zoo Neuwied (Rheinland-Pfalz) endete im Januar dieses Jahres in einem Desaster, das männliche Tier tötete das neue Weibchen.

Tod: Stadt will kein Risiko eingehen

Stendal ist Tigerland. Die ersten Großkatzen zogen im Jahr der deutschen Wiedervereinigung 1990 ein. Nachwuchs kam zur Welt. Insgesamt lebte ein gutes Dutzend Tiger über die Jahre in der Einrichtung am Stadtsee. Als Alt-Kater Buran im März 2020 starb, blieb Tochter Taina im Gehege nebenan allein zurück. Nach einigem Hin und her und einem fernen Flirt mit Tiger Augustus in Eberswalde, entschieden internationale Zuchtverantwortliche anders. Samur zog im Herbst an die Uchte. Was die Öffentlichkeit einigermaßen überraschte: Der Tiger ist sterilisiert, Nachwuchs also sehr unwahrscheinlich.

Nachwuchs wäre eh ein Glückstreffer

„Dahingehend hat sich nichts geändert. Es wird keine Zucht geben“, bestätigt Rathaussprecher Fischbach in dieser Woche auf Nachfrage der AZ. Der Tiergarten hat nicht oder nicht mehr das Zeug zur Tigerzucht, Voraussetzungen haben sich ganz offensichtlich gewandelt. Gründe dürfte es mehrere geben, nicht zuletzt fehlt Stendal die Mitgliedschaft in einem speziellen tiergärtnerischem Verband. Katzenartige haben in der Stadtsee-Einrichtung vielfache Spuren hinterlassen, Nordluchs, Serval und Wildkatze beispielsweise und bis vor einiger Zeit auch der Ozelot. Der Tiger gilt als größter Besuchermagnet.

Der Tiergarten entstand 1934 und wurde nach der Zerstörung im Krieg ab 1952 wieder aufgebaut. Dieses Jubiläum soll 2022 gefeiert werden. „Ideen gibt es bereits, aber noch nichts Spruchreifes. Konkrete Abstimmungen mit dem Tiergartenförderverein stehen hierzu noch aus“, heißt es aus dem Rathaus. Im nächsten Jahr, vom 1. bis 3. Juli, geht der Sachsen-Anhalt-Tag, eine Großveranstaltung mit womöglich bis zu einer halben Million Besucher, in Stendal über die Bühne. 70 Jahre neuzeitlicher Tiergarten, in welchem Maße das Zoo-Jubiläum beim Landesfest eine Rolle spielen soll, bleibt abzuwarten.

Bauprojekte ziehen übers Jubiläumsjahr

Nach einiger Kritik liegt seit dem Frühjahr das neue Tiergartenkonzept für den Zeitraum bis 2025 vor. Darin sind nun konkrete mögliche Projekt benannt, wie etwa der Aufbau eines Schmetterlingshauses oder der einer Lemurenanlage. Eine Arbeitsgruppe, in der auch Kommunalpolitiker vertreten sind, hat sich laut Fischbach Ende Mai das erste Mal getroffen. „Sie hat die einzelnen Anlagen, die im Konzept benannt wurden, in Augenschein genommen. Eine Favorisierung einzelner Vorschläge und Ideen ist dabei nicht erfolgt.“ Der kommunale Tiergarten gehört zu den wichtigsten Freizeitstätten der Region.

An die 500 Tiere und 80 Arten sollen in der Einrichtung leben. „Aktuell gibt es Nachwuchs bei den Silberfasanen und den Wildschweinen“, berichtet Fischbach. Und wichtig für alle Besucher: Mit der neuesten Corona-Eindämmungsverordnung wurde die Testpflicht in Tiergärten aufgehoben. „Dies ist für uns natürlich besonders erfreulich, da so wieder Spontanbesuche möglich werden.“ Ein Einbruch der Gästezahlen war befürchtet worden. Einige andere Regeln gegen das Virus gelten weiterhin, so müssen Mindestabstände eingehalten werden. Geöffnet ist der Tiergarten bis September täglich zwischen 9 und 18 Uhr.

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