Eisenbahnfreund sieht nach Baunachricht Chance auf mehr

Neuer Haltepunkt in Stendal schiebt an

Der Zug für eine Station am Bahnübergang Galgenberg ist abgefahren. Der Bahnhalt wird nun etwas mehr als einen Steinwurf weiter an der Hochschule errichtet.
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Der Zug für eine Station am Bahnübergang Galgenberg ist abgefahren. Der Bahnhalt wird nun etwas mehr als einen Steinwurf weiter an der Hochschule errichtet.

Stendal – Die Bahnstation Stendal-Hochschule, welche durch Deutsche Bahn und Land sehr wahrscheinlich ab Sommer gebaut wird, dürfte ein gehöriges Stück dem Einsatz von Bürgern zu verdanken sein.

Schon 2001 gaben Frank Barby und Michael Trösken vom Verein Stendal-Tangermünder Eisenbahnfreunde den Anstoß für einen Haltepunkt im Norden.

Beharrlich wirkte die Gruppe auf die landeseigene Nahverkehrsgesellschaft Nasa ein, entkräftete deren anfangs „vorgebrachten Hinderungsgründe durch fachliche Hinweise“, wie es Erstgenannter auf Nachfrage der AZ umschreibt. Auch wurden die Stadt und die Hochschule nach ersten Ideen einbezogen. Barby sieht in dem Erfolg noch mehr, „vielleicht einen Ansatzpunkt, um zukünftig Haltepunkte zu erhalten oder zu reaktivieren“. Mancherorts könnten Politik und Verwaltung aufhorchen.

Bahnfreund Barby denkt nicht zuletzt an den Steinfelder Bahnhof, der akut gefährdet ist, und an die Haltepunkte Meßdorf, Düsedau und Behrend, die bereits aus dem Fahrplan verschwunden sind. Die neue Bahnstation könne einiges zusätzlich bewegen und sei schon für die allgemeine Entwicklung der Bahnstadt Stendal „absolut positiv“, ist der Altmärker überzeugt. „Jeder Zugangspunkt zum öffentlichen Personennahverkehr ist ein Gewinn und eine Zukunftsinvestition.“ Unter dem Gesichtspunkt des Umweltschutzes werde ja der Bürger regelmäßig und vehement aufgefordert, etwas zu tun, etwa durch ein Elektroauto oder auch Fotovoltaik. „Hier müssen sich zukünftig Land, Landkreise und Städte aber auch zu ihrer Verantwortung bekennen und solche Haltepunkte wie Steinfeld nicht unter kurzfristigen finanziellen Aspekten abmoderieren.“

Und natürlich: Zukünftige Schienenprojekte müssten schneller realisiert werden. „Hier von der Idee 2001 bis hoffentlich zur Bauausführung 2021 ist einfach zu lange, das Projekt sind nur zwei einfache Bahnsteige, kein Flughafen.“ Durch die Station würden besonders das Wohngebiet Nord und die Hochschule „für eine durchgängige und umsteigefreie Verbindung mit der Regionalbahn in Richtung Landeshauptstadt Magdeburg“ erschlossen. Und noch einmal: Elektrisch betriebene Züge gehörten zum umweltfreundlichen Verkehr. Einbringen in die Gestaltung der Bahnstation könnten sich Bürger nicht mehr. „Die Projekte sind fertig ausgearbeitet und werden so realisiert.“ Das Projekt sei nach seiner Ansicht für den vorgesehenen Standpunkt schlüssig. Der Haltepunkt wird, wie berichtet, nahe der Eisenbahnbrücke Ecke Osterburger Straße / Mannstraße gebaut.

Barby hatte sich zunächst für einen Haltepunkt am Galgenberg starkgemacht. „Meine Grundidee von 2001 war die Erschließung des Wohngebietes am Galgenberg.“ In der Zeit wurden auch gerade die Haltepunkte Zielitz-Ort und Tangermünde-West zur Erschließung von Wohngebieten gebaut. Natürlich liege auch die Hochschule im Einzugsgebiet. „Bautechnisch wäre der Haltepunkt am Galgenberg einfacher“, keine Dammlage, keine Rampen und Treppen, Zugang über den vorhandenen Bahnübergang. „Nun ist unter Einflussnahme der Stadt, der Hochschule und der Nasa die Lage an der Osterburger Straße festgelegt worden. Sozusagen die Luxusvariante, aufgeständerte Bahnsteige wegen der Dammlage, Treppenanlagen und lange Rampen.“ Damit könne und müsse er leben. Im Frühjahr 2022 soll die Station stehen, die Stadt will sie weiter ausgestalten.

Zwischen Osterburger Straße und Galgenberg liegen wenige Tausend Meter. „Man hat sich so entschieden, dass lieber die jungen Studenten kurze Wege haben, als die alten Bewohner am Galgenberg“, meint Barby leicht sarkastisch. „Und Geld war wohl auch übrig, wenn ich beide Varianten vergleiche.“ Für den schmalen Groschen ist ein solches Projekt in der Tat nicht zu haben. Im Februar 2019 war die Rede von dreieinhalb Millionen Euro, etwa eine Million Euro mehr als einige Monate zuvor. Weil fast überall die Baupreise anziehen, könnten auch die Ausgaben für dieses Vorhaben eher steigen als sinken. Mit konkreten Preisangaben hält sich die Bahn derzeit zurück. Unterm Strich sieht Barby Stendal in der Erfolgsspur. Die Eisenbahnfreunde treffen sich übrigens inzwischen nur noch in lockerer Runde. Das Engagement aber soll bleiben.

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