Tiergartenkonzept liegt vor

Timberwolf heult vor Stendals Tür

Zwei schwarze Timberwölfe strecken sich in einem Tiergarten im Schnee.
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Timberwölfe in einem niedersächsischen Zoo. Die Fellfarbe des Nordamerikaners ist recht variabel, oft ist sie schwarz. Der Timberwolf ist die größte Unterart des Wolfes.
  • Marco Hertzfeld
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Das Tiergartenkonzept für die nächsten fünf Jahre liegt endlich vor. Eine erste Fassung war noch zurückgezogen worden. Das Papier soll eine Richtschnur sein. Der Förderverein saß mit am Tisch.

  • Stadtrat hat letztes Wort
  • Tiergarten feiert 2022 seinen 70. Geburtstag
  • Stadt bei Nerz-Programm dabei

Stendal – Der europäische Wolf im Tiergarten wird voraussichtlich durch den Timberwolf, der ursprünglich aus Nordamerika stammt, ersetzt. Die südamerikanische Kleinfleckkatze, auch Salzkatze genannt, soll sich in der Altmark vermehren. Wie überhaupt wieder mehr und gezielt gezüchtet werden soll. Und: Baulich könnte sich ebenfalls einiges tun, unter anderem ist von einem Schmetterlingshaus die Rede. Die Erwartungen an das neue Tiergartenkonzept sind hoch, es war in einer ersten Fassung zurückgezogen worden, weil dem Fachausschuss die Visionen fehlten. Das elfseitige Papier liegt dem Stendaler Stadtrat nun für den 22. März zur Beschlussfassung vor. Kritiker dürften erst einmal beruhigt sein.

In einem solarbeheizten Schmetterlingshaus nahe der Trampeltieranlage könnten sich Besucher im Winter auch aufwärmen. Die Großflugvoliere der Vögel am Zooeingang könnte begehbar gestaltet und zum Beispiel mit Honigpapageien (Loris) besetzt werden. Affenhaus und Erdmännchenanlage könnten erweitert und umgestaltet werden. Mit dem Bau einer begehbaren Anlage für Kattas, Lemuren aus Madagaskar, könnte ein gänzlich neuer Besuchermagnet geschaffen werden. Diese und weitere Ideen sollen in den nächsten fünf Jahren mit dem Verein der Tiergartenfreunde, dem Förderverein der Einrichtung, entwickelt werden. Inwieweit sich was am Ende auch realisieren lässt, bleibt abzuwarten.

Zoo-Förderverein mischt kräftig mit

Dass sich Tiergartenleitung, das zuständige Fachamt und Mitstreiter schneller an einen Tisch setzen, sollen vor allem Corona und all die anderen Herausforderungen verhindert haben (die AZ berichtete). Das aktuelle Papier dürfte nicht zuletzt die Handschrift des Vereinsvorsitzenden Dr. Uwe Donner tragen. Was bislang von manchem nur hinter vorgehaltener Hand gesagt wurde, steht nun für alle schwarz auf weiß: Artenschutz und Artenvielfalt seien nicht allein die Aufgabe großer Zoos, sondern „auch fester Bestandteil der Arbeit kleinerer Tiergärten“. Und: „Der Tierbestand in Stendal ist oft nicht zuchtfähig. Hier soll durch punktuelle Ergänzungen eine Optimierung erreicht werden.“

Eine weibliche Salzkatze lebt bereits in Stendal, eine Zuchtgruppe soll nach und nach im alten Nasenbärgehege wachsen. Insgesamt umfasst der Bestand auf dem Gelände am Stadtsee derzeit 456 Tiere und 76 Arten, die Zahlen haben sich demnach in den zurückliegenden Jahren nicht wesentlich verändert. Ein Höhepunkt: Am 4. November 2020 traf nach einigem Hin und Her ein neuer Tigerkater ein. „Die Eingewöhnung stellte sich anfangs naturgemäß recht schwierig dar“, heißt es dazu im Papier. Mittlerweile habe sich Samur aus Nürnberg gut an seine neue Umgebung und Partnerin Taina gewöhnt. Nachwuchs kann ziemlich sicher ausgeschlossen werden, der Kater ist sterilisiert.

Bilanz: Tierbestand oft nicht zuchtfähig

In der Bestandsliste finden sich Tiere von den verschiedensten Kontinenten, von A wie Alpaka über M wie Mantelpavian und N wie Nordluchs bis W wie Wildkatze und Z wie Zwergziege. Ein „Konzeptschwerpunkt“ sei die Präsentation einheimischer und derzeit bedrohter Arten. Beim Europäischen Nerz arbeitet Stendal mit in einem Auswilderungsprogramm. Der europäische Wolf, in freier Natur auf dem Vormarsch, wird wohl aus dem Tiergarten verschwinden, momentan lebt nur noch ein alter Rüde im Gehege. Die Waschbäranlage soll offenbar durch Tiere aus Flaschenaufzucht belebt werden. Die Europäische Union sieht sogenannte invasive Arten wie Waschbär und Nasenbär in Zoos gar nicht gern.

Schmetterlingshaus und Katta-Anlage möglich

Das Tiergartenkonzept wird auf Wunsch des Stadtrates seit 2005 in Fünf-Jahres-Abschnitten erstellt und fortgeschrieben. Um- und Neubau von Gehegen bis 2025 sollen nun in einer Arbeitsgruppe aus interessierten Ratsleuten, der Tiergartenleitung und dem Förderverein näher besprochen werden. Im Bau befindet sich eine Anlage für Schnee-Eule und Käuzchen. Wichtig erscheint vielen auch der neue Speisekiosk, der im August öffnen soll. Eine Erweiterung des Tiergartengeländes ist aus Kostengründen 2019 bekanntlich mindestens erst einmal auf Eis gelegt worden. 2022 feiert der Tiergarten seinen 70. Geburtstag, in diesem Jahr findet auch der Sachsen-Anhalt-Tag in Stendal statt.

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