Stendals Tiergarten hilft bei Zucht der bedrohten Art

Nerz flüchtet sich in Zoos

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Ein Nerz luchst aus einem Versteck in einem Zuchtgehege in Niedersachsen hervor.

Stendal – Er wird maximal 800 Gramm schwer und zählt damit zu den Leichtgewichten unter den Raubtieren. Der Europäische Nerz verliert in freier Wildbahn weiter an Raum und zählt zu den bedrohtesten Arten des Kontinents.

Dass der Stendaler Zoo an einem ambitionierten Erhaltungsprogramm mitwirkt, wissen nur wenige Menschen.

„Wir sind seit gut zwei Jahrzehnten dabei“, sagt Tiergartenleiterin Anne-Katrin Schulze der AZ. Der jüngste Wurf hat die Einrichtung längst wieder verlassen und dürfte bereits irgendwo in Westdeutschland ausgewildert sein. Der Zoo Osnabrück und der Verein „Euro-Nerz“ seien wichtige Partner.

Der Nerz, auch Sumpfotter genannt, findet in Deutschland immer weniger geeignete Lebensräume. „Dieser Marder braucht große Wälder und vernünftige Bäche und Seen.“ Einst überall in Europa beheimatet, gibt es nur noch einige wenige Restbestände, vor allem in Osteuropa. Der Nerz wurde über Jahrhunderte ob seines Fells gejagt. Der Vormarsch eines entfernten Verwandten, des Minks, verschärft die Situation zusätzlich. Der angriffslustige Einwanderer aus Amerika breitet sich längst auch im Landkreis Stendal aus.

Den Europäischen Nerz zu halten, sei nicht sonderlich schwierig. Andererseits gehöre der Marder nicht unbedingt zu den Stars eines Zoos. „Er zeigt sich nun einmal selten, meistens morgens und abends.“ Da hätten Tiger, Schwarzbär und Kamel eine ganz andere Bühnenpräsenz. „Doch der Nerz gehört eigentlich auch in unsere Wälder, deshalb machen wir uns gern für dessen Überleben stark.“ Wie viele Nerze in Stendal geboren wurden, kann Schulze auf die Schnelle nicht sagen. „Es waren aber schon einige Dutzend.“

In Osnabrück laufen die Fäden zusammen. „Im Februar oder März werden die Weibchen dort von Rüden gedeckt und kommen zu uns zurück. Wenig später erblicken durchschnittlich vier Junge das Licht der Welt.“ Momentan überwintert eine Fähe in Stendal. „Die Niedersachsen sparen dadurch Platz und Futter und wir alle bewahren eine Art vor dem Aussterben, vorerst jedenfalls.“ Ein ähnliches Engagement beweise der Zoo für den Steinkauz bei einem Programm der Deutschen Tierparkgesellschaft.

„Zoos sind wichtig für die Arterhaltung“, glaubt Schulze. „Selbst in Afrika und Asien wird es für Wildtiere immer enger, da reichen Schutzgebiete nicht aus.“ Dass angebliche oder tatsächliche Tierschützer verstärkt auch vor Zoos stünden, lasse sie nicht kalt, egal, wo das geschehe. „Wir machen unsere Arbeit gut und können auf solche Auseinandersetzungen gern verzichten.“ Zumal die Tiergartenchefin selbst unterscheiden möchte. So hätten exotische Tiere wie Tiger, Löwe, Nashorn und Giraffe nicht unbedingt etwas in einem Zirkus zu suchen.

„Von illegalen Aktionen halte ich natürlich nichts.“ Und an dieser Stelle schließt sich der Kreis für Schulze wieder: Aus einer Zuchtstation im Jerichower Land wurden 2007 fast 20.000 Minke befreit. Einige konnten wieder eingefangen werden, viele starben auf den Straßen, etliche breiten sich seitdem im nördlichen Sachsen-Anhalt aus. Der aggressive Mink, auch als Amerikanischer Nerz bekannt, setzt der Vogelwelt schwer zu und könnte seinem europäischem Vetter endgültig das Lebenslicht ausblasen. „Hoffentlich nicht.“

VON MARCO HERTZFELD

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