Große Politik beim Umzug Nebensache

Narren laufen fotogen zur Hochform auf

Es gibt sie noch, die Spaßpunks. Irokesenschnitt, Brille und Dreitagebart garantieren in einem inoffiziellen Wettbewerb viele Punkte. Und für Daheimgebliebene gibt es die Fotos zum Neidischwerden.

Osterburg. „Das ist einfach der helle Wahnsinn“, schreit ein Narr, der für den 21. Straßenumzug extra aus Stendal in die Biesestadt gereist ist. Es ist laut, es ist eng, es ist bunt, so soll es sein.

In diesem Moment knallt eine Kanone von einem der zahlreichen Wagen, es regnet Konfetti. Und Thorsten Schulz, der Präsident der einheimischen Carnevals-Gesellschaft, schickt von der Bühne ein dreifaches „Osterburg allemoal“ in die Massen. Zum Teil wildfremde Menschen liegen sich bei der Krönung der 41. Session in den Armen, fotografieren sich gegenseitig, teilen so manches Getränk und schunkeln sich in eine andere Welt. Das schafft nur der Fasching.

Was pünktlich um 11.11. Uhr auf der Lindenstraße gestartet ist, schiebt sich genüsslich durch die Innenstadt. Vorneweg rollt der Wagen der Stadtwache. Vereine und Klubs aus der gesamten Altmark sind vertreten. So sind unter anderem die Salzwedeler dabei, und das sogar in mehrfacher Mannschaftsstärke. Begrüßen kann OCG-Chef Schulz auch die Tangermünder Narren, „besonders treue Seelen“ und in Osterburg immer gern gesehen. Die Rochauer haben in diesem Jahr wieder einen der größten Wagen aufgefahren. Die Musik wird nun so richtig aufgedreht. Politisch bleibt es unerwartet sanft, nur der VW-Abgasskandal spielt eine größere Rolle.

Wie viele Wagen an diesem Sonnabend über das Pflaster der Breiten Straße rollen, dazu verweigert Schulz auch in diesem Jahr jede konkrete Aussage. „Es sind mehr als 2015. Und auch dieses Mal werden es am Ende mehr als beim Umzug in Seehausen sein“, meint er gegenüber der AZ verschmitzt. Klaus-Peter Gose will etwas von einer offiziellen Einladung an die Wischestädter wissen. „Doch gesehen habe ich sie noch nicht“, meint der Ortsbürgermeister und grinst. Eine gesunde Konkurrenz unter den beiden Karnevalshochburgen in der Ostaltmark darf sein.

„Von Mecklenburg bis Bayern – wir Narren wollen feiern!“ Osterburgs Motto 2016 zieht. Die Blasmusikanten wissen sich auf ihrem Wagen in Szene zu setzen. Die Handball-Sport-Gemeinschaft lässt sich feiern. Die Handwerk-Angler nehmen ihr Boot „Bieselotte“ vom Anker und gehen auf Amüsierfahrt. Natürlich darf der Elferrat nicht fehlen und auch der Stadtrat nicht. Immer wieder ernten Wagen und Insassen Applaus.

Die Tanzeinlagen der OCG-Formationen Tanzbienchen, Biesemäuschen und Discospatzen lassen die Herzen aller höherschlagen. Eine Osterburger-Carnevals-Gesellschaft in dieser Kondition muss sich um die weitere Zukunft nicht sorgen.

Von Marco Hertzfeld

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