Von Woche zu Woche

Nächstes Jahr sind wir schlauer

Haben Sie auch solche Kollegen, die schon am Anfang des Jahres alle Brückentage ganz genau im Kopf haben? Und im Januar so ganz nebenbei fragen, ob einer am 30. Mai schon etwas vor hat? Das wissen Sie im Januar natürlich noch nicht – und flugs hat besagter Kollege den Urlaubszettel ausgefüllt.

Der Brückentag ist weg, und damit überhaupt jemand im Büro ist, mussten Sie heute arbeiten. Sie haben Ihren Beitrag zur Volkswirtschaft geleistet. Aber haben Sie das wirklich?

Oder brauchten Sie dringend ein Dokument, dass Ihr Kollege, der ja vorausschauend frei hatte, auf seinem Computer hat? Und Sie kamen nicht ran? War der Brückentag vielleicht angenehm stressfrei, weil das Telefon kaum klingelte und Sie alles etwas gemächlicher angehen konnten? Konnten Sie vieles nicht erledigen, weil Sie Auskünfte von Behörden brauchten, die heute Brückentag hatten? Haben Sie vielleicht einen Blick auf 2015 geworfen?

Dann werden Sie festgestellt haben, dass das neue Jahr gleich mit einem langen Wochenende beginnen könnte. Neujahr fällt nämlich auf einen Donnerstag. Wenn Sie Freitag Urlaub nehmen, haben Sie vier Tage frei. Hängen Sie den 5. Januar, einen Montag, noch dran, bringen Sie es auf sechs freie Tage, denn „Heilige Drei Könige“ am 6. Januar fällt auf einen Dienstag. Christi Himmelfahrt ist 2015 am 14. Mai. Also schon mal Urlaub am 15. Mai vormerken. Ein bisschen Pech haben wir nächstes Jahr mit dem Tag der deutschen Einheit am 3. Oktober – ein Sonnabend. Und der Reformationstag am 31. Oktober fällt leider auch auf einen Sonnabend. Heiligabend ist ein Donnerstag, sodass der zweite Weihnachtsfeiertag auch auf einen Sonnabend fällt.

Wenn Sie den heutigen Brückentag im Büro dafür genutzt haben, Ihrem frei machenden Kollegen eins auswischen zu wollen und den nächsten Brückentag in diesem Jahr zu belegen, dann werden Sie enttäuscht worden sein. Die nächsten Feiertage liegen allesamt so ungünstig, dass mit einem Brückentag nicht wirklich eine verlängerte freie Zeit machbar ist.

Die Behörden machen gerne Brückentage. Und begründen das dann offiziell damit, dass es energiesparender sei, ganz zu schließen. Ja klar, es wird ja auch so viel geheizt Ende Mai. Ok, Licht und Computer fressen reichlich Strom, und von dem Wasserverbrauch für die Kaffeemaschine und die Toilettenspülung wollen wir gar nicht reden.

In Stendal wurden heute zumindest in der Kreis- und Stadtverwaltung weder Energie noch Wasser gespart. „Wir arbeiten selbstverständlich“, hieß es aus beiden Häusern. Das baut uns doch alle, die wir heute auch ganz pflichtbewusst an unseren Schreibtischen saßen, auf. Wir waren nicht allein! Wir haben zwar nicht gespart, aber wir haben unseren Beitrag für die Volkswirtschaft geleistet! Wir sind Helden! Wir drücken uns nicht vor der Arbeit nach dem Herrentag wie unser ganz schlauer Kollege!

Und wir wissen jetzt, dass wir am 2. und 5. Januar sowie am 15. Mai 2015 Urlaub beantragen müssen, sobald die neuen Urlaubsscheine da sind...

Von Ulrike Meineke

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