„Angst unter den Menschen ist da“

Nach Übergriffen in Köln: Kampfsportvereine verzeichnen Bedarf nach Selbstverteidigungskursen

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Drei Stendaler Kampfsportvereine verzeichnen immer wieder Anfragen nach Selbstverteidigungskursen. Ereignisse wie in der Kölner Silvesternacht würden auch dazu beitragen. Für die Kampfsportler ist ein kurzzeitiges Training aber wenig sinnvoll.

Stendal. „Die Angst unter den Menschen ist einfach da. Mittlerweile kommen fast täglich Anfragen von Schulen, Behördern, aber auch von Privatpersonen“, berichtet Steffi Gericke, die zusammen mit dem ehemaligen Polizeibeamten Karsten Ullrich Selbstverteidigungskurse für Kinder, Jugendliche und Erwachsene anbietet.

Gerade nach Ereignissen wie den Übergriffen in Köln sei eine gestiegene Nachfrage nach solchen Kursen bemerkbar. Auch andere Kampfsportvereine bekommen derlei Anfragen. Es bestehen jedoch teilweise Zweifel an der Sinnhaftigkeit eines solchen Kurses.

„Solche Anfragen zu Selbstverteidigungskursen bekommen wir regelmäßig“, sagt auch Christian Ringleb, Vorsitzender der Kampfsportschule „Ten-Shin“, „aber zeitlich eingeschränkte Kurse machen keinen Sinn.“ Den Grund dafür sieht Ringleb darin, dass Teilnehmer die Handgriffe, „die sie im Sportverein lernen, nicht in der Realität umsetzen“. Das Wissen aus wenigen Wochen des aktiven Kampfsports könne in einer Notsituation nicht abgerufen werden. Bei „Ten-Shin“ wird vornehmlich Jiu Jitsu, eine japanische Kampfkunst angeboten.

Ähnlich empfindet auch Steffi Gericke: „Nach vier Wochen kann man sich noch nicht selbst verteidigen.“ Ein kurzfristiger Kurs sei allerdings eine Alternative für Menschen, die nicht langfristig einem Verein beitreten wollen oder können.

„Wir gehen an Schulen, zu Ämtern oder anderen Institutionen. Eben dahin, wo wir gebraucht werden“, sagt Gericke im AZ-Gespräch. Der Bedarf sei so hoch, dass sich Gericke und Ullrich im vorigen Jahr mit dieser Geschäftsidee selbstständig gemacht haben. „Es läuft gut. Es wird aber auch immer mehr gefordert“, so die Kampfsportlerin.

Thomas Hellwing, der mehrmals wöchentlich bei „Hellwings Fit&Fight“ als Trainer in Erscheinung tritt, bietet derzeit noch keinen Selbstverteidigungskurs an, hat aber einen in Planung. Am Dienstag, 16. Februar, findet für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren ein Probetraining in den Räumlichkeiten der Kampfsportler an der Industriestraße 30 statt. „Hier kamen vorher schon viele Frauen hin. Ich rechne künftig mit noch mehr Anfragen. Aber hier kann jeder hinkommen, egal ob Mann oder Frau“, sagt Hellwing auf AZ-Anfrage. „Gerade in der dunklen Jahreszeit ist Selbstverteidigung immer ein Thema.“ Für Hellwing bedeutet Kampfsport auch ein selbtbewussteres Auftreten im Alltag. „Schwächere Personen können leichter in eine Opferrolle geraten, gerade auch Frauen“, so Hellwing, der neben Mixed Martial Arts (MMA) und Luta Livre aus Brasilien auch Thaiboxen anbietet.

Christian Ringleb resümiert: „Prävention ist viel wichtiger als Kampf. Was ich in über 20 Jahren Kampfsport gelernt habe, ist, dass ich außerhalb des Vereins nicht kämpfen will.“

Von Mike Höpfner

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