Betroffene möchte Selbsthilfegruppe gründen / Interessierte können sich bei Bärbel Riep melden

Nach Missbrauch: „Reden hilft“

Bärbel Riep von der Selbsthilfekontaktstelle des „Paritätischen“ stellt den Kontakt zwischen Betroffenen her.
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Bärbel Riep von der Selbsthilfekontaktstelle des „Paritätischen“ stellt den Kontakt zwischen Betroffenen her.

Stendal. Es fällt Marion (Name von der Redaktion geändert) alles andere als leicht, über ihre Vergangenheit zu sprechen. Als Kind musste sie durch die Hölle gehen: Sie wurde von einem Familienmitglied mehrfach sexuell missbraucht.

Heute, rund 30 Jahre später, möchte sie das Erlebte nun endlich aufarbeiten. Auslöser für diese Entscheidung war ein Besuch bei der Gesprächsreihe des Salus-Klinikums in Uchtspringe zum Thema „Angst“.

„Ich habe begriffen, dass auch andere Menschen Probleme mit sich herumtragen“, berichtet die Mittvierzigerin aus Stendal, die lieber unerkannt bleiben möchte. Jahrelang gab sie sich selbst die Schuld an dem Missbrauch. Es kostete sie große Überwindung, sich im vergangenen Jahr einer Freundin anzuvertrauen. Die riet ihr dazu, sich in therapeutische Behandlung zu begeben, was Marion dann auch tat. Der Kontakt zum Psychologen war zu Beginn nur über Briefverkehr möglich, erinnert sich die Stendalerin. Sie hatte jahrelang an Zwangsstörungen gelitten und Menschen, die ihr am Herzen lagen, von sich gestoßen. „Sie haben nicht verstanden warum“, berichtet die Betroffene, die bis dato nie über ihre schlimmen Erlebnisse gesprochen hatte. Der Schritt zum Psychologen war eine gute Entscheidung, wie Marion heute weiß: „Reden hilft enorm, das habe ich verstanden. Es geht mir schon deutlich besser“.

Auf ihrem Weg das Geschehene zu verarbeiten, möchte Marion sich mit anderen Menschen austauschen. Doch eine Selbsthilfegruppe zu dem Thema gab es im Raum Stendal noch nicht. Also wandte sie sich an Bärbel Riep von der Selbsthilfe-Kontaktstelle des „Paritätischen“ in Stendal, die sie ermutigte, eine eigene Gruppe zu gründen. Damit diese zustande kommen kann, starten die beiden nun einen Aufruf: Alle Frauen und Männer, die ebenfalls Opfer eines Missbrauchs geworden sind, können sich bei Bärbel Riep, Selbsthilfekontaktstelle des „Paritätischen“ in Stendal, melden. Zu erreichen ist sie montags bis freitags von 7.30 bis 18 Uhr unter der Telefonnummer (0151) 162 667 44. „Es gibt bereits erste Interessenten“, freut sich Riep.

Von Charlotta Spöring

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