Auf nach Bayern

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Mittels Flaschenzug bugsierten Berliner Spezialisten das Instrument anno 1464 aus dem Fachwerkkirchturm.

Von Antje Mahrhold - Bindfelde. Arg kopfmarode hat sich Bindfeldes Bronzeglocke gestern mit einem vorerst letzten Schwachzarthall aus Stendals Ortsteil verabschiedet. Das Schauspiel mit Flaschenzug und Stabilseil am offenen Fachwerkturmfenster verfolgen im Windschatten der mehr als acht Jahrhunderte alten Feldsteinkirche nicht nur kirchinteressierte Bindfelder Bürger.

Friedhofsnachbar Bernd Mangelsdorf hat zum Glockenflugereignis seine „Holzwürmer“, angehende Holztechniker aus dem Christlichen Jugenddorfwerk Billberge, mitgebracht. Schließlich haben die Jungs ordentlich Muskeln, wie Schützling Daniel Luckow dann später spontan als Seilzugassistent unter Beweis stellt. Der 25-Jährige zieht mit Bravour, hält die Grüngräuliche an der Strippe, damit der kostbare Rundling so sanft wie möglich aus zirka 15 Metern Höhe auf der Erde landet. Da solche Zugzüge nicht alle Tage zu erledigen sind, ist der Tangermünder dann auch sichtlich stolz.

Auch Joachim Kähler dokumentiert die Szenerie fotodigital. Der Pfarrer zeigt sich froh, dass die Reparaturtour nun endlich starten kann. Schließlich schweigt Bindfeldes Glocke bereits sei Oktober 2009. Und viele Einwohner fragten immer wieder bei Kähler nach, wenn es denn nun endlich wieder klinge im Ortsteil, wann es zu Feierabend, Wochenende, Gottesdiensten oder Beerdigungen wieder läute.

Das gute Bronzestück zählt zu den ältesten Kirchglocken der Altmark. Es ist war im Jahr 1464 gegossen worden, aber Bindfelde ist nicht der erste Einsatzort dieser Vertreterin der Gattung faszinierendes Musikinstrument. Denn der Rundling sei, so Kähler, „durch einen Ackermann aufgekauft“ worden, und im 18. Jahrhundert in Bindfeldes Lüfte installiert worden. Damals bekam die Feldsteinkirche einen Turm aus Fachwerk, womit ein Ort geschaffen war für die Glocke, die bis 1738 in Stendals Mönchskloster (Mönchskirchhof) geläutet hatte, das dann abgerissen wurde.

Das Bronzeinstrument musizierte jahrzehntelang im Handbetrieb, erst in den 1990-er Jahren läutete es in Stendals Ortsteil elektrisch. Und ihr Betrieb hinterließ natürlich Spuren, bis die Glocke dann vor gut anderthalb Jahren ihren Dienst versagte. Ihre Halterung versagte, der Klöppel brach aus einem Joch, weshalb der Einsatz eines Fachbetriebs gefragt war.

Das Unternehmen „Glockentechnik & Turmuhren“ von Wolfgang Schmidt aus Berlin schickte seinen Trupp in die Ostaltmark. Notwendige Schweißarbeiten am Bindfelder Glockenhalter werden in dem bundesweit einzigen Glockenschweißwerk im bayerischen Nördlingen erledigt, das auch schon solchen Hochkarätern wie der Berliner Freiheitsglocke oder der St. Peter-Glocke des Kölner Doms zu neuem Hall verhalf.

Etwa 10 000 Euro soll die Reparatur kosten. „Die Arbeiten können finanziell unterstützt werden“, wirbt Kähler im Namen der Bindfelder Kirchengemeinde. Das Spendenkonto des Kreiskirchenamts Stendal bei der KD Bank hat die Nummer: 155 824 60 37, die Bankleitzahl: 350 601 90 und das Kennwort lautet „Glocke Bindfelde“.

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