Rote Flüssigkeit noch nicht untersucht

Nach Angriff auf Stendaler Nachtigal-Denkmal: Politisches Motiv möglich

Politisches Motiv nicht ausgeschlossen: Das Dr. Gustav Nachtigal-Denkmal, das in der Nähe des Tangermünder Tores auf dem Nachtigalplatz steht, wurde von Unbekannten an allen Seiten beschmiert.
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Politisches Motiv nicht ausgeschlossen: Das Dr. Gustav Nachtigal-Denkmal, das in der Nähe des Tangermünder Tores auf dem Nachtigalplatz steht, wurde von Unbekannten an allen Seiten beschmiert.

Stendal – Die Hansestadt Stendal schließt nach Angaben des Stadtpressesprechers Philipp Krüger ein politisches Motiv bei der Sachbeschädigung am Nachtigal-Denkmal nicht aus.

Der 1834 in Eichstedt geborene Sohn der Stadt ist aufgrund seiner Verwicklungen in die Kolonialpolitik des Deutschen Reiches nicht gänzlich unumstritten.

Einen konkreten Tatverdacht gebe es bisher jedoch nicht. „Die Stadt hat Anzeige gegen Unbekannt erstattet“, berichtet Krüger. Weder bei der Polizei, noch in der Stadtverwaltung liege bisher ein Bekennerschreiben vor. Auch bei den Ermittlern liegen noch keine genauen Erkenntnisse vor. Fest stehe nur, dass am Sonntag die Sachbeschädigung entdeckt wurde. Ob es sich bei der Flüssigkeit um Farben, Lacke oder etwas anderes handele, werde noch ermittelt, wie eine Polizeisprecherin erklärt.

Die Hansestadt werde sich so schnell wie möglich um eine Reinigung des Denkmals bemühen, sagt Krüger. Das zuständige Fachamt habe bereits Kontakt mit einer Spezialfirma aufgenommen. Derzeit werde jedoch noch darauf gewartet, dass die Polizei ihre Ermittlungen abschließt. „Ich hoffe aber, dass die Reinigung noch diese Woche erfolgt“, erklärt Krüger.

Von einer großen Gefahr für das Denkmal gehe die Stadt jedoch nicht aus. „Wir haben das Thema einmal im Jahr auf dem Tisch“, berichtet der Stadtsprecher. Eigentlich sei es kein großes Thema, aber aus Berlin habe es Anfragen zu Nachtigal gegeben (AZ berichtete). Dass jetzt spezielle Vorkehrungen getroffen werden müssten, um weitere Schmierereien oder andere Beschädigungen zu verhindern, hält Krüger für unwahrscheinlich, auch wenn ein gezieltes Bestreben nicht ausgeschlossen werden könne. In anderen Ländern sind mehrere Fälle bekannt geworden, in denen Statuen ehemaliger Kolonialherren, zu denen Nachtigal nicht eindeutig gehört, umgestürzt oder beschädigt wurden. „Es könnte einen Hintergrund haben“, sagt Krüger.

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