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Linke Sprayer in Stendal stärker im Visier

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Von: Marco Hertzfeld

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Eine Hausfassade an der Breiten Straße in Stendal ist mit einer Parole zum 8. März beschmiert.
Mutmaßlich linke Szenegänger haben insbesondere entlang der Einkaufsstraße ihre Spuren hinterlassen. In dem Frauentagsfall sind es vor allem kleinere Graffiti. © Stefan Hartmann

Die Politaktion zum 8. März in Stendal reiht sich ein in eine Serie von Schmierereien in den vergangenen Monaten. Die Polizei sucht nach einer Gruppe aus dem linken Spektrum. Sie könnte auch für andere Sachbeschädigungen verantwortlich sein.

Stendal – Nach den Schmierereien zum 8. März im Stadtgebiet von Stendal haben die Ermittler ganz offensichtlich eine mehr oder weniger feste Organisation aus der linken Szene im Visier. „Es kann davon ausgegangen werden, dass eine Gruppe für die Sachbeschädigungen verantwortlich ist“, teilt Polizeisprecher Florian Sander auf Anfrage dieser Zeitung mit. Die Täter hatten den Internationalen Frauentag zum Aktions- und Kampftag erklärt, was an vielen Stellen gerade entlang der Breiten Straße, der Stendaler Einkaufsmeile, nach wie vor sichtbar ist. Nach aktuellem Stand der Ermittlungen summieren sich die Schmierereien auf mehr als 90. Und: Die Botschaften passen durchaus ins Bild und zu jenen Graffiti, mit denen die altmärkische Kreisstadt seit Wochen und Monaten überzogen wird. Ein Zusammenhang könne zumindest nicht ausgeschlossen werden, heißt es aus dem Revier.

Ein leer stehender Block in Stendal-Süd ist beschmiert.
Antifa-Codes, Parolen und Symbole deutlich größer sind in der Innenstadt zu finden. Aber auch wie hier seit Kurzem im früheren DDR-Plattenbaugebiet Süd. © Berit Boetzer

Schaden allein in diesem Fall fünfstellig

Schon der Stendaler Frauentagsfall dürfte die Ordnungshüter vom Uchtewall fordern. „Die Schadenshöhe ist aufgrund der hohen Anzahl nicht bezifferbar. Nach Schätzungen könnte der Betrag im fünfstelligen Bereich liegen.“ Betroffen sind nicht zuletzt Fassaden von Wohnhäusern und Geschäften, die Summe könnte auch zu kurz gegriffen sein. „Die Beschmierungen haben zum einen feministische und zum anderen linken Inhalt“, will der Sprecher analysieren. Die Frage, inwieweit der polizeiliche Staatsschutz, eine spezielle Abteilung, bei seiner Arbeit noch einmal eine Schippe draufgelegt habe, wird offengelassen. Die Beamten auf der Straße scheinen jedenfalls ebenfalls sensibilisiert. „Die Polizisten haben grundsätzlich ein besonderes Auge auf die Entwicklung der Stadt. Eine der vielen Aufgaben ist die ständige Aufklärung sowie die Verfolgung von Straftaten.“

Schmierereien seit einigen Monaten

Die Sachbeschädigungen aus der Nacht zum Frauentag waren durch Streifenbeamte entdeckt worden. „Dementsprechend wurden die Anzeigen von Amts wegen geschrieben. Bei der weiteren Ortsbegehung der Kriminalisten wurden weitere Straftaten aufgenommen.“ Und: „Weitere Sachbeschädigungen wurden durch die jeweiligen Eigentümer zur Anzeige gebracht.“ Wie sehr die Ermittler den Tätern auf den Fersen sind oder auch nicht, dazu äußert sich der Polizeisprecher nicht. Ein wirklich entscheidender Hinweis scheint jedenfalls noch zu fehlen. „Die Identifizierung von Tatverdächtigen ist weiterhin Gegenstand der Ermittlungen.“ In einer ersten Polizeimeldung war von einer Gruppe aus drei bis fünf männlichen und weiblichen Personen ausgegangen worden. Die Täter setzten bei ihrem Zug durch die Altstadt offenbar nicht zuletzt Schablonen und/oder Stempel sowie Sprühfarbe ein.

Hauseigentümer erstatten Anzeige

Ob diese Gruppe allein auch für die anderen jüngeren Schmierereien fast im gesamten Stadtgebiet verantwortlich sein kann, die Polizei wird sich diese und weitere Fragen stellen müssen. Die Zahl der Graffiti könnte jedenfalls bereits in den dreistelligen Bereich gehen (die AZ berichtete). Ein Teil von ihnen nimmt von der Größe her ganze Hauswände ein und wurde womöglich mit irgendeiner speziellen Sprühvorrichtung aufgebracht. Oft sind es Parolen und Symbole aus dem kommunistischen Spektrum, mitunter auch Aufrufe zur Gewalt. Anarchistische Zeichen im Straßenbild scheinen selten und deutlich älter. Linksradikale und autonome Gruppen suchen sich seit Jahrzehnten republikweit ihre Politfelder, Antifaschismus, Kapitalismuskritik und Feminismus sind einige davon. Für eine feste linke Szene sind Stadt und Landkreis Stendal nicht unbedingt bekannt, das könnte sich nun ändern.

Kommentar von AZ-Redakteur Marco Hertzfeld
Beamte in der Pflicht / Stadtbild leidet mehr und mehr:
Dass Streifenpolizisten noch einmal besonders die Augen offen halten, die Bürger dürfen das gern erwarten. Dass sich Kollegen vom Staatsschutz noch ein Stück mehr ins Zeug legen, die Bürger müssen fest davon ausgehen können. Denn: Ganz offensichtlich reicht der normale Dienst auf der Straße ja nicht aus. Auch Kommissar Zufall hat bislang nicht geholfen. Wenn sich tatsächlich eine Hammer-und-Sichel-Truppe mit Spraydose und Parolenbüchlein in Stendal festsetzen will, dann dürfte die Schmierereiserie nicht einfach von allein abreißen. Die Kleinstadt Stendal lebt auch von ihren vielen historischen Fassaden, gerade touristisch. Und dieses Bild leidet enorm.

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