„Tödlicher Skorpion“: Ein Krimi mit viel Blut und wenig Substanz

Mysteriöser Mord in der Altmark

Der Tatort des Krimis wurde in die Altmark verlegt.
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Der Tatort des Krimis wurde in die Altmark verlegt.

Magdeburg. Alle, die in Magdeburgs höchsten Kreisen Dreck am Stecken haben, können weiter ruhig schlafen. Zumindest droht ihnen durch den neuen Krimi „Tödlicher Skorpion“ (Mitteldeutschen Verlag) kein Ungemach.

Dabei hatten es Verlag und Autor Bernd Kaufholz so spannend gemacht, denn als reale Kulisse der fiktiven Geschichte dienen eine Fördermittelaffäre, die vor zwölf Jahren in Magdeburg für Aufregung sorgte und der Fall des früheren Magdeburger IHK-Vizepräsidenten Paul Saib, der damals unter bis heute nicht geklärten Umständen in seinem Haus bei Burg umgebracht worden war.

Der Autor verlegt den Tatort in die Altmark und konstruiert eine Verschwörungstheorie mit einer Handvoll Protagonisten, die ihren unliebsamen Partner durch einen Auftragskiller aus dem Weg räumen ließen und nach Jahren von der Vergangenheit eingeholt werden. Agatha Christies „Tod auf dem Nil“ lässt grüßen. Doch nicht der brillante Hercule Poirot löst diesen Fall. Kaufholz´ Helden sind eine, ansonsten mit Familienrecht befasste, Anwältin und ein „Erster Kriminalhauptkommissar“. Auffallend ist die detaillierte, mit Fachbegriffen gespickte Beschreibung der Polizeiarbeit, die jedoch mit der eigentlichen Story kaum etwas zu tun hat.

Autor Bernd Kaufholz

Neben dem „Aufhänger“ und den realen Orten in und um die Landeshauptstadt soll die Zusammensetzung der finsteren Runde Interesse beim regionalen Leser wecken. „Politik, Wirtschaft – alles hing mit drin. Und einige Strippenzieher haben noch heute einen ganz langen Atem“, wird es auf Seite 42 des 208-seitigen Buches erstmals interessant. Der Hobby-Schriftsteller, hauptberuflich als Pressesprecher im Landesverkehrsministerium angestellt, berichtet von der „Niedersachsen-Connection“, einem „Eine-Hand-wäschst-die-andere-System“ und „dichtem Filz“. Wohin hier Strippen gezogen werden und welches filzige System dahinter stecken soll, lässt er allerdings offen. Es bleibt bei den nebulösen Andeutungen.

In seinen Figuren erkennen Insider unter anderem den früheren Vize-Chef der Magdeburger Polizeidirektion, dem Schulden zum Verhängnis wurden und einen Ex-Landesminister, dem die Verwicklung in dubiose Subventionsmachenschaften nachgesagt worden war. Zur gierigen Crew gehören außerdem eine Investitionsbankerin, ein Immobilen-Hai aus dem Westen und der Manager eines größeren Unternehmens. Mögliche Ähnlichkeiten zu realen Personen seien rein zufällig, versichert der Autor.

Als diese Clique den damals beauftragten Killer durch einen Berufskollegen ausschalten lassen will, dreht ersterer den Mord-Spieß um und murkst einen nach dem anderen meuchlings ab. Dass beide zur Russen-Mafia gehören, passt ebenso in die klischeebehaftete Story, wie die Verquickung mit dem Prostitutionsmilieu und die verbfreie Ausdrucksweise, der dort tätigen Damen aus der Ukraine. „Odessa schön“, „Wir Freundin. Beide Odessa.“ Den banalen Abschluss der Geschichte bildet ein Finale, bei dem ein Spezialeinsatzkommando der Polizei den Serienmörder zur Strecke bringt und es dem letzten der Verschwörer gelingt, sich ins Ausland abzusetzen.

Bernd Kaufholz: „Tödlicher Skorpion“, Mitteldeutscher Verlag, ISBN 978-3-95462-242-9, Preis 9,95 Euro

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