Jäger Siegfried Holzinger nimmt in Uenglinger Feldmark verstärkt wilde Müllhalden ins Visier

„Es muss einfach mehr passieren“

Das Lager eines Abrissunternehmens im Hintergrund hat seine Ordnung. Den passionierten Jäger Siegfried Holzinger ärgern die vielen wilden Müllhaufen in seinem Pirschgebiet nahe Uenglingen.

Uenglingen. „Es gibt frisches Grün. Die Vögel tirilieren. Jetzt bricht die schönste Jahreszeit an. “ Eigentlich. Siegfried Holzinger lenkt seinen 216 PS starken Geländewagen zu einem jener Punkte im Jagdrevier Uenglingen, die ihm so richtig den Frühling vermiesen.

Dort modert ein Sofa vor sich hin. Gleich daneben liegen nicht erst seit gestern früh alte Reifen und Teppiche. Zur Krönung haben Umweltsünder Elektroschrott und Maler-Utensilien ausgebreitet. Als der 74-Jährige im Gras des Pirschbezirks Nord einen verendeten Fuchs entdeckt, meint er trocken: „Wahrscheinlich hat er von dem Dreck gefressen. “ Der gebürtige Thüringer sieht städtische und landkreisliche Behörden verstärkt in der Pflicht, die illegalen Müllberge abzutragen, und gemeinsam mit den Bürgern neue Abladen zu verhindern.

Das Jagdgebiet misst insgesamt etwa 950 Hektar und grenzt im Norden an den Flugplatz Borstel. An vielen Stellen sind noch Spuren der Sowjetarmee zu sehen. Das Auge muss nicht sonderlich geübt sein, um einstige Schützengräben auszumachen. Selbst dort und mitten im Wald liegt mitunter Unrat. Noch schlimmer sieht es in den vom Abrissbagger verschonten Fahrzeughallen aus. Dass die Gebäude an Halt verlieren, stört Holzinger nicht. Im Gegenteil. „Die Natur erobert sich verlorenes Terrain zurück.“ Schwalben bauen hoch oben ihre Nester. Und Rehe finden zwischen den Mauern zusätzlichen Schutz. Der nördliche Teil des Jagdgebietes ist recht arm an Bäumen.

Dafür zeugen Beton und Steine auf einem abgegrenzten Gelände weithin sichtbar von der Leistung eines Abrissunternehmens. Für Weidmann Holzinger ist die Firma ein Verbündeter im Kampf gegen die wilden Mülldeponien. Auch die Landwirte im Umkreis helfen. „Sie alle melden mir immer wieder einmal neue Missetaten.“ Der einstige Oberstleutnant der DDR-Grenztruppen mit der Spezialaufgabe „Propaganda“ hat keinerlei Verständnis für Öko-Teufel. Zumal sich ein Teil des Unrats sogar kostenfrei auf den öffentlichen Annahmestellen entsorgen ließe. „Doch diese Mitbürger wählen leider diesen unschönen Weg“, der zudem teilweise umständlich durch unwegsames Gelände führt und entsprechend schwere Fahrzeugtechnik erfordert. „Das erfordert eine gute Planung.“

Holzinger kennt momentan ein gutes Dutzend Abladen, die kleinen noch nicht einmal mitgezählt. Die zuständigen Behörden haben kürzlich den Bereich Wahrburger Weg, der unter Jägern nur „Müllallee“ heißt, gründlich säubern lassen. Ein Anfang. Der Uenglinger: „Es muss einfach mehr passieren.“

Von Marco Hertzfeld

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