Prof. Kaschade wirbt für Gleichstellung der Frauen aus anderen Kulturen

„Ob das dem muslimischen Mann nun passt oder nicht“

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Nur, wenn muslimische Frauen in Deutschland leben und arbeiten wie die Frauen hierzulande, ist eine Parallel-Gesellschaft zu vermeiden, glaubt der Stendaler Professor Hans-Jürgen Kaschade

Stendal. Prof. Hans-Jürgen Kaschade setzt auf die Gleichstellung der muslimischen Frau. Wer in Deutschland heimisch werden will, muss hier leben wie jede andere Frau. Ob dem muslimischen Mann das nun passt oder nicht.

„Darauf kann unsere Gesellschaft keine Rücksicht nehmen“, ist der Stendaler Professor überzeugt. Er hat einige Denkansätze, wie die Gleichstellung gelingen kann.

„Integration besteht nicht nur aus Deutsch- und Integrationskursen und vielleicht noch einem Arbeitsplatz. Die Anpassung an unsere Kultur verlangt wesentlich mehr“, sagt Kaschade. Immer mal wieder gibt der verdiente Stendaler viel beachtete Anregungen. Durch seine Visionen und seinen Pragmatismus hat sich der Gründungsrektor der heutigen Hochschule Magdeburg-Stendal, Gründer der Kaschade-Stiftung und des Literatur-Hilfswerkes sowie frühere Geschäftsführer des BIC (Business- und Innovationscenter) Stendal einen Namen gemacht.

„Die Binnenstruktur in muslimischen Familien kann sich nur ändern, wenn auch die Frauen sich selbst verwirklichen“

In Sachen Integration müsse man „tiefer schauen“, glaubt Kaschade. „Wir wissen aus vielen Jahren im Umgang mit Muslimen, dass es immer noch Zwangsehen gibt, dass die Jungen bevorzugt behandelt werden, dass die Mädchen immer noch nicht vorbehaltlos am Sportunterricht teilnehmen dürfen, dass die Frau ihre Haare nicht zur Schau stellt und sonst der weibliche Körper eher verdeckt ist.“ Der Mann entscheide und bestrafe und das treffe die Mädchen in der Regel härter als die Jungen bei erkanntem Fehlverhalten. „Wir wissen“, sagt der Stendaler Professor weiter, „dass sich die Binnenstruktur in den Familien ändern muss und das wird nur gelingen, wenn die Frauen eine Chance zur Selbstverwirklichung bekommen.“ Das sei leichter gesagt als getan. Kaschade glaubt, dass die Frauen der für sie neuen, anderen Kultur häufig ängstlich gegenüber stehen. Sie seien häufig schlechter ausgebildet als die Männer und ihr Weltbild sei Abhängigkeit.

„Jetzt können wir sagen: Nun, dann ist es so. Das darf aber aus zwei Gründen nicht sein“, warnt der Stendaler. Erstens entwickele sich dann die Parallel-Gesellschaft schneller als wir denken und sie wird größer als uns lieb sein kann. Der zweite Grund ist laut Kaschade, dass auch die Neubürger ins Rentenalter kommen, „und dann haben wir es mit einer großen Gruppe von Frauen zu tun, die absolut keinen Rentenanspruch haben“. Das heißt, sie würden dem Staat ihr gesamtes Leben zu Last fallen, denn die Mehrzahl der Männer werde mit großer Wahrscheinlichkeit beim Einkommen in den Niedriglohn-Gruppen liegen. Die Konsequenz ist, so glaubt der Professor, dass „wir vielmehr dafür werben müssen, dass die deutsche Gesellschaft eine ist, wo die Arbeitskraft von Mann und Frau gleichermaßen gefragt ist und dass man sich dafür zweimal anstrengen muss“. Kaschade zählt dazu eine gute Schulausbildung ohne Unterschied zwischen Jungen und Mädchen, die Teilnahme am Schwimmunterricht und eine Berufsausbildung, die zu absolvieren ist, wenn man in Deutschland als Frau heimisch werden will.

Hans-Jürgen Kaschade sieht hier die Politik in der Pflicht: Wenn sie Programme auflegt, die die Frauenförderung, auch die der älteren, zum Ziel hat, könne eine Gleichstellung der muslimischen Frau erreicht werden, wenn nämlich die Frauen die gleiche Unabhängigkeit genießen wie die Frauen hierzulande. Die so gebildeten Frauen werden auch ihre Söhne anders erziehen, glaubt Kaschade.

„Nur dann werden die Werte des Grundgesetzes auch von den neuen Bürgern aktiv gelebt“

„Die Männer erleben dann Mütter und Schwestern als Menschen, die in jeder Beziehung freizügig mit sich umgehen wie alle anderen Frauen in dieser Republik auch. Kaschade abschließend: „Nur dann werden die Werte des Grundgesetzes auch von den neuen Bürgern aktiv gelebt. Andernfalls machen wir uns da etwas vor und beklagen die immer größer werdende Parallel-Gesellschaft.“ Die Quintessenz seien folglich schärfere Gesetze und Angebote zur Berufsausbildung für Frauen, die einen Verpflichtungscharakter haben. „Wer kann, aber nicht teilnimmt, muss mit Sanktionen rechnen“, schlägt Kaschade vor.

Von Ulrike Meineke

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