In Arneburg sollen ab August etwa 20 Flüchtlingskinder lernen

„Müssen glücklich sein, dass überhaupt Zuzug herrscht“

„Ich freue mich wahnsinnig“, erklärte Uwe Fenn (Foto unten) beim Informationsabend im Arneburger Rathaus. Verantwortliche stellten sich den Fragen von gut drei Dutzend Eltern. Fotos: Mahrhold/Archiv

Arneburg. Voraussichtlich bis zu 20 Flüchtlingskinder sollen ab Ende August nach den Sommerferien täglich mit dem Schulbus aus Stendal eintreffen, um in Arneburg zu lernen.

Die Bildungsstätte an der Elbstraße gilt als geeignet, weil sie zwei Klassen pro Jahrgangsstufe (zweizügig) bietet, erfuhren gut drei Dutzend interessierte Eltern am Montagabend im Rathaus der Elbestadt.

„Das Lehrerpersonal ist dafür doch gar nicht ausgebildet“, beklagte ein Vater, dessen Sorge auch Carsten Sommer teilte. Werde ein Ankömmling wegen seines Alters etwa in die dritte Klasse geschickt, obwohl das Kind kein Wort Deutsch spricht. „Wie soll das gehen?“, fragte das Stadtratsmitglied.

Momentan lernen in der Schule rund 140 Erst- bis Viertklässler. Direktorin Susann Schulze setzt darauf, dass „Kinder untereinander schnell voneinander lernen“. Es bestehe „kein Druck“, da die Ankömmlinge „erstmal mitlaufen“. Viel schwieriger sei es da schon, die Eltern der Flüchtlingskinder dafür zu „sensibilisieren“, dass deren Nachwuchs nicht in der Nähe der Stendaler Gemeinschaftsunterkunft, sondern in Arneburg zur Schule muss, wie Vize-Landrat Dr. Denis Gruber eingestand.

Angesichts weiter sinkender Schülerzahlen müsse die Region „glücklich sein, dass überhaupt noch Zuzug herrscht“. „Sonst werden wir weitere Schulen schließen müssen“, wurde Gruber deutlich. Und auch für die jungen Flüchtlinge sei der Kontakt zu einheimischen Gleichaltrigen wichtig, betonte Stendals Kreis-Schulverwaltungsamtsleiterin. „Diese Kinder brauchen Perspektive und Tagesstruktur“, sagte Dr. Ulrike Bergmann.

Gut eine Dreiviertelstunde nach Beginn des nach ähnlichen Treffen in Grieben und Lüderitz (die AZ berichtete) dritten Infoabends applaudierte das Publikum. Zuhörer Uwe Fenn hatte überzeugend argumentiert, als er daran erinnerte, dass Arneburg von den Investitionen einer amerikanisch-kanadischen und einer italienischen Unternehmensgruppe profitiere, die vor den Toren der Stadt ein Zellstoffwerk und eine Papierfabrik errichteten. „Unseren Wohlstand verdanken wir dieser Internationalität“, erklärte Fenn. Er wünschte sich, dass ein „internationaler Stempel“ auch der örtlichen Grundschule „aufgedrückt“ werde. Dann müssten Arneburger Eltern ihre Kinder nicht mehr zur bilingual ausgerichteten Konkurrenz in Stendal schickten. Und überhaupt, so Fenn, seien Flüchtlinge eine Chance für die Elbestadt, wie ein Blick in die jüngere Geschichte des altehrwürdigen Ortes zeige. Flüchtlingsströme nach dem Zweiten Weltkrieg hätten in Arneburg eine wahre „Bevölkerungsexplosion“ ausgelöst und „Arneburg zu seiner Blüte geführt“.

„Ich freue mich wahnsinnig, das wird überhaupt kein Problem“, begeistert sich der Zuhörer „als Arneburger Bürger“ offen für die Neuankömmlinge.

Von Antje Mahrhold

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