Wilde Sperrmüllhalden in Stadtsee: Anwohner beklagen Tatenlosigkeit der Behörden

Müllberge bleiben bis Montag

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Auch an der Käthe-Kollwitz-Straße im Stendaler Stadtteil Stadtsee stapelt sich der Sperrmüll. Bis zum offiziellen Abfuhrtermin am Montag bleiben Schränke, Sofas und Fernseher liegen.

Stendal. Plüsch und Furnier in allen Variationen: Schränke, Betten und jede Menge Sofas zeigen, wie man in Stadtsee wohnte. Doch wohnlich finden die Bürger die Möbellandschaft am Wendehammer Otto-Lilienthal-Straße mitnichten.

Und sie sind nicht die einzigen, die über wilde Sperrmüllhalden klagen.

Nachdem die Altmark-Zeitung gestern mit einem kleinen Foto unter dem Titel „Müll ärgert Anwohner“ berichtet hatte, griff Angelika Schulze gestern morgen zum Hörer und wies die Redaktion auf einen weiteren Schandfleck in Stendal-Stadtsee hin. Er findet sich in der Käthe-Kollwitz-Straße.

Am meisten ärgert sich die Leserin über die Untätigkeit der Behörden. Im Ordnungsamt der Hansestadt hat sie bereits angerufen, dort verwies man auf die Wohnungsgesellschaften. „Da schiebt einer dem anderen den schwarzen Peter zu“, schimpft Angelika Schulze. „Keiner tut was dagegen.“

Die AZ hat nachgefragt. Stadt-Pressesprecherin Sybille Stegemann verweist auf den Landkreis. Die Leiterin der Unteren Abfallbehörde Karin Zädow sagt: „Die illegale Entsorgung trifft den Eigentümer der Fläche.“ Letztlich müssen die Wohnungsbaugesellschaften den Müll abfahren lassen, wenn er auf ihrem Grund liegt. Grundsätzlich bestehe für die Grundeigentümer eine Mitwirkungspflicht, erklärt Karin Zädow: „Über die Miete wird auch die Gebühr für die Abfallentsorgung abgegolten.“

Das Problem hat offenbar mit der besonderen Regelung für den Sperrmüll im Plattenbaubezirk zu tun. Während alle anderen Bewohner des Landkreises Stendal zweimal im Jahr auf Anforderung einen Kubikmeter Sperrmüll kostenlos abfahren lassen können, gelten in Stadtsee zwei feste Sperrmülltage im Frühjahr und Herbst. So ist es mit den Wohnungsgesellschaften vereinbart.

Doch so lange können und wollen manche Bewohner in Stadtsee offenbar nicht warten. Besonders diejenigen, die jetzt die Kündigung für den nächsten Abrissblock erhalten haben. Der Weg, zwei Kubikmeter Sperrmüll pro Jahr kostenfrei in der Abfallannahme- und umladestation (AUS) an der Osterburger Straße abzuliefern, ist vielen wohl zu aufwendig, vielleicht nicht einmal bekannt.

Harald Schwerin, Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft Altmark (WgBA), ist das Müllproblem nur zu gut bekannt. Schon des Öfteren musste er Sperrmüll räumen lassen. Trotzdem ist er sicher, dass nicht seine Mieter ihre Möbel wild deponiert haben: „Die sind ordentlich.“ Zudem komme die WgBA, die in Stadtsee 3 000 Wohnungen verwaltet, ihren Mietern auch entgegen: „Wir stellen Keller zur Verfügung, wo die Leute ihren Sperrmüll in Absprache mit dem Hauswart reinstellen können.“

Mit den Müllhalden in der Lilienthal- und Kollwitz-Straße müssen die Anwohner noch ein paar Tage leben. Karin Zädow: „In einem Gespräch mit der ALS und der Stadt haben wir uns darauf geeinigt, den Müll bis zum offiziellen Sperrmülltag am 16. April liegen zu lassen.“

Von Gerhard Sternitzke

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