Illegaler Müll in Plattenbaugebiet

Stadt Stendal räumt an Gastro-Ruine auf

An der Otto-Lilienthal-Straße in Stendal haben sich alte Elektrogeräte und Sperrmüll angesammelt.
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Ein Werbefilm für ein schöneres Wohnen dürfte in diesem Trümmerfeld nicht zu drehen sein. Die Fläche ist öffentlich zugänglich. Die Stadt will den Müll nun entsorgen und dem Eigentümer des Areals eine Rechnung schicken.
  • Marco Hertzfeld
    VonMarco Hertzfeld
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Geduldsfaden an wilder Müllecke gerissen: Im Stendaler Stadtseegebiet hat sich vor einem früheren Restaurant Müll angesammelt. Die Stadt will nun reagieren, aufräumen lassen und eine Rechnung schreiben.

Stendal – Wo die Graf-Zeppelin-Straße und die Otto-Lilienthal-Straße in Stendal aufeinanderstoßen, sieht es aus wie auf einem Trümmerfeld. Inwieweit wohl Luftschiffpionier und Luftfahrtpionier nicht aufgeräumt hätten, die Seniorin am Telefon ist über die Anspielung auf die prominenten Straßennamen nur anfangs amüsiert. Schnell ist der Ärger wieder da über ausrangierte Waschmaschinen und Elektrogeräte aus dem Küchenbereich, Matratzen, ein größeres Sofa und anderen Müll. „Sogar ein Kinderwagen ist dabei“, schimpft sie beim zweiten Anruf, die AZ hatte zuvor schon einmal ein Foto vom Ausmaß veröffentlicht. Die gute Nachricht nun in dieser Woche: „Die Beräumung der Fläche wird durch die Hansestadt veranlasst.“ Ein Rathaussprecher teilt dies auf Nachfrage mit.

Bei dem Objekt, an dessen Seiten der Müll liegt, soll es sich um eine frühere Gaststätte handeln. Derzeit erinnert es mehr an Dornröschen oder ein Forsthaus.

Gut 30 Jahre lebe sie bereits in diesem Straßenzug und ja, vieles habe sich verändert. Wegziehen wolle sie nicht, es sei doch ihre Heimat, sagt sie, ohne ihren Namen in der Zeitung lesen zu wollen. Elektro- und Sperrmüll vor dem offenkundig schon einige Zeit leer stehenden Objekt, bei dem es sich um eine Gaststätte handeln soll, gammelten wochenlang weiter vor sich hin. Ob sie aus dem Gebäude stammen oder aus anderen Händen, die Stendalerin kann es nicht mit Gewissheit sagen. Der illegal abgelagerte Müll ist dem Ordnungsamt jedenfalls bekannt. „Die Verunreinigungen wurden bereits Anfang August durch den Stadtordnungsdienst festgestellt und aufgenommen“, heißt es aus dem Rathaus. Die Seniorin will sich mehrmals dort gemeldet haben, immer sei sie vertröstet worden.

Trümmerfeld regt Anwohnerin auf

Es handelt sich um eine private Fläche, die tatsächlich zu dem verlassenen Gebäude gehört, vermutlich ist es der einstige Parkplatz. Der Eigentümer der Gastro-Ruine sei nicht in Stendal ansässig. Solche Fälle machen es den Ordnungsbehörden oftmals nicht leicht. „Das Objekt wird in regelmäßigen Abständen auf Verschlusssicherheit kontrolliert und der Eigentümer aufgefordert, diese herzustellen“, geht Stadtsprecher Armin Fischbach ins Detail. „Auch die Verschmutzungen vor seinem leer stehenden Objekt wurden ihm bereits mitgeteilt und er aufgefordert, die Beseitigung zu veranlassen.“ Er hätte alles ordnungsgemäß selbst erledigen können. Passiert ist nichts. Der Hansestadt reißt nun offenbar der Geduldsfaden, sie leistet Ersatzvornahme und schreibt dem Eigentümer eine Rechnung.

Umweltamt holt sich Verursacher

Zudem bekomme der Landkreis eine Meldung auf den Tisch. „Der mutmaßliche Verursacher wird durch das Umweltamt sanktioniert“, teilt Fischbach weiter mit. Was das genau heißt, muss offenbleiben. Für Anwohner vielleicht wichtiger: Der Stadtordnungsdienst habe auch schon einmal länger hingeschaut. „Dabei wurde festgestellt, dass es sich um keine erhebliche Gefahr durch giftige Stoffe oder Ähnliches handelt.“ Die Seniorin hatte befürchtet, dass der Müll Ratten und anderes Ungeziefer anziehen könnte. Und natürlich: Ein schöneres Wohnen sieht anders aus. Wer aufgeräumte Straßen mag, der schaut bei diesem Chaos auch nur ungern aus dem Fenster. „In diesem konkreten Fall, da wo die Fläche öffentlich rechtlich zugänglich ist, erfolgt durch die Stadt die Entsorgung.“

Und wie gesagt, die Kosten werden dem Eigentümer der Fläche auferlegt. Bei illegalen Kippen müssen die Behörden genau hinschauen, kein Fall scheint wie der andere, der Verursacher oftmals nicht greifbar, weil schlichtweg nötige Hinweise fehlen. Dass Kommunen ihr Geld wiederbekommen, ist keinesfalls garantiert. Wie sehr die Stadt für diese Straßenecke in Vorkasse gehen muss, sagt der Rathaussprecher nicht. Das Thema an sich ist für die Gegend jedenfalls nicht neu. „Leider werden in dem Gebiet Otto-Lilienthal-Straße sowie den umliegenden Straßenzügen regelmäßig illegale Müllansammlungen festgestellt.“ Dabei handle es sich überwiegend um Sperrmüll. „Mutmaßlich könnte die verhältnismäßig hohe Bevölkerungsdichte ein Grund dafür sein.“

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