Politiker und Al-Rahma Moschee beziehen Stellung zum Auftritt von Susi Möbbeck

Moschee-Besuch mit Kopftuch löst Diskussionen aus

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Sorgt für Diskussionen: SPD-Staatssekretärin Susi Möbbeck (2.v.l.) trug beim Besuch der Stendaler Moschee aus Respekt ein Kopftuch.

Stendal. „Staatssekretärin Möbbeck tritt offiziell mit Kopftuch bei Moslems in Stendal auf. Ich bin sprachlos.“ So reagiert Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU) auf Twitter auf einen Besuch von Susi Möbbeck (SPD) in der Al-Rahma Moschee am Freitagnachmittag (AZ berichtete).

Die Aktion von Möbbeck, Integrationsbeauftragte und Staatssekretärin im Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration, war nach eigenen Angaben rein freiwillig. „Das ist Respekt, sonst nix“, twittert Möbbeck zurück.

Dafür kassierte Tullner in der gestrigen Kabinettssitzung prompt einen Rüffel. „Der Ministerpräsident hat darauf hingewiesen, dass Twitter nicht unbedingt die beste Plattform für solche Diskussionen ist“, sagt Regierungssprecher Matthias Schuppe nach der Sitzung. Dort sei das Thema besprochen worden.

„Respektvolle Geste“

In der Moschee nahm man das Verhalten der Integrationsbeauftragten positiv auf. Stendaler Politiker sehen die Geste mit gemischten Gefühlen. „Eigentlich müssen das nur Muslime machen“, informiert Mohamed Abolagsem Msaik, Vorsitzender des Vereins der Islamischen Gemeinde, auf AZ-Anfrage. „Wir waren total überrascht davon und haben sie auch nicht darum gebeten“, sagt Msaik weiter. Es habe sich um eine sehr „respektvolle Geste“ gehandelt. Joachim Röxe, im Stendaler Stadtrat Vorsitzender der Fraktion „Die Linke – Bündnis 90/Die Grünen“, findet: „Wenn das nicht unbedingt notwendig war, sollte eine Staatssekretärin so was auch nicht tun.“ Grundsätzlich solle es jeder Person selbst überlassen sein, ob sie sich verschleiern will. „Aber zum Beispiel in Schulen finde ich eine Vollverschleierung schon problematisch“, so Röxes persönliche Meinung.

Ähnlich argumentiert Dr. Herbert Wollmann, Chef der Fraktion „SPD/FDP/Piraten/Ortsteile“. „Ich finde, das ist eine etwas übertriebene Form der Solidarität für eine Staatssekretärin. Das wäre nicht nötig gewesen.“ Der Mediziner und Kommunalpolitiker übt allerdings auch Kritik an der Diskussion. „Ich finde die Debatte völlig daneben. Ob jemand ein Kopftuch trägt oder nicht, ist doch egal.“

„Kopftuchfolklore“

Deutliche Worte findet Hardy Peter Güssau (CDU), Landtagsmitglied und Vorsitzender der Fraktion „CDU/Landgemeinden“ im Stadtrat. „Auch wenn Susi Möbbeck mit einer Burka gekommen wäre, bei ihr wäre ich nicht überrascht“, so Güssau, „ihre gewählte Form dieser radikalen Willkommenskultur inklusive Kopftuchfolklore hätte sie den Stendalern ersparen können.“ Gespräche dieser Art könnten auch „in neutralen Räumen“ stattfinden. Klartext auch von Chris Schulenburg, innenpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion: „Die Integrationsbeauftragte des Landes hat den klaren Auftrag, andere in die deutsche Kultur, und nicht sich selbst in fremde Kulturen zu integrieren“, so Schulenburg. „Dieser Verkleidungsauftritt der SPD passt eher zum Karneval und sorgte in der närrischen Zeit landesweit für viel Gelächter. Das politische Fingerspitzengefühl als Staatssekretärin fehlt ihr eindeutig.“

Das Thema rief auch die AfD auf den Plan. Landes-Chef André Poggenburg bezeichnete das Kopftuch als Zeichen der Unterwerfung. Andere verwiesen darauf, dass Frauen auch bei einem Besuch im Vatikan verhüllt sind. Es sei die individuelle Entscheidung der Regierungsmitglieder und hänge von der jeweiligen Situation ab, wie sie beim Besuch eines Gotteshauses auftreten, so Regierungssprecher Schuppe. Die angemessene Kleidung gehöre dazu. Künftig soll es aber eine engere Abstimmung zwischen den einzelnen Ressorts zu solchen Fragen geben.

Von Mike Höpfner und Christian Wohlt

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