Martin Meißner liest in Stendal aus seinem Kriminalroman „Blutholz“

Mord in einem Möbelhaus

Martin Meißner las aus seinem Krimi vor.

Stendal. Ein Lehrer wurde mit seinem Gehstock erschlagen und Kommissar Henick wühlt sich auf der Suche nach dem Mörder durch die Schubladen einer Kleinstadt. Buchautor Martin Meißner stellte in ungewöhnlicher Atmosphäre seinen Krimi „Blutholz“ vor.

An dem Sessel, auf dem der Lockstedter sitzt, hängt ein großes Preisschild, die Regale, die ihn umgeben, werden mit dem Slogan „Möbel für Individualisten“ beworben und jede halbe Stunde konkurriert die Stimme des Lesenden mit der freundlichen Werbedame aus dem unsichtbaren Radio. Eine Buchlesung im Möbelhaus, ein Erlebnis der besonderen Art. Und so gehen die Anwesenden Zuhörer mit dem altmärkischen Autoren auf Spurensuche durch eine erdachte Stadt, welche nach Angaben Meißners durchaus als Abbild seiner Heimat gesehen werden könnte, „da es dort so schaurig ist, dass es zu einem Krimi passt. “.

Alles fängt wie ein ordentlicher Tatort an – ein kurioser Leichenfund beschäftigt die Protagonisten. Doch im Laufe der Präsentation, zeichnet sich immer mehr ab, dass die Aufklärung des Mordes nicht alles ist, worum es in dem Romanwerk geht. Der pensionierte Lehrer und frühere Mitarbeiter des Sozialamtes entwickelte eine Geschichte, die sich mit anti-sozialen beziehungsweise nicht-konformen Familienleben auseinandersetzt, in der Autismus bei Kindern problematisiert und beinah ungewollt anmutend nebenbei das Leben in der Kleinstadt oder auch auf dem Dorf gestochen scharf nachgezeichnet wird. Im anschließenden Gespräch gibt Meißner zu: „Da steckt viel autobiografisches drin, die Familie aus dem Buch habe ich selbst betreut.“ Und so sei das gedruckte Ergebnis schon mehr ein „Gesellschaftsroman“, welcher zuvor als Fortsetzungsroman erschienen war. Ein Format, welches kaum einen anwesenden Literaturfreund anspreche, wie sich im Gespräch herausstellte. „Ein gutes Buch lese ich in zwei drei Tagen durch, immer zu warten, fände ich anstrengend“, erklärt eine Anwesende. Ein Argument, welches der 68-Jährige versteht.

Porta-Geschäftsführer Oliver Flessner freut sich augenscheinlich über die Diskussion. Immerhin sei es die dritte Lesung, welche unter seiner Regie zwischen Planungstabellen und Couchgarnitur stattfände. „Ich wollte damals gern etwas kulturelles für die Stendaler Gemeinschaft anbieten, das ist gerade heute besonders wichtig“, betonte er überzeugt. Interessierte Autoren könnten sich stets bei ihm melden, um eine Lesung im Möbelhaus abzuhalten. Meißner hat seine ordentlich absolviert und dank dem Engagement von Ingrid Genz können Buchfreunde das Werk im Anschluss kaufen.

Erfreulich erscheint der Umstand, zumindest aus Autorensicht, dass sich die Anwesenden mehr für die Auslagen am Büchertisch, als für den Vertreter der Regalsysteme interessieren. Da kann auf dem edlen Ledersessel noch ein bisschen entspannt werden.

Von Christina Dörfling

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare