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Unfallfährte in Stendal führt zum Schäferhund

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Von: Marco Hertzfeld

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Ein bei einem Unfall getöteter Wolf liegt am Straßenrand.
Unter die Räder zu kommen, die Gefahr besteht für Wölfe vielerorts. Zumal die Population steigt. Das Bild zeigt einen Wolf in Niedersachsen vor einiger Zeit. © dpa

Hat es einen Unfall mit einem Wolf oder gar mehreren Exemplaren im Raum Tangermünde gegeben oder nicht? Polizei und Land wissen erst einmal von nichts und verweisen auf einen Unfall mit Schäferhunden bei Stendal.

Stendal / Tangermünde – Es müssten elende Bilder sein. Ein Wolf tot, mindestens ein weiterer verletzt. Zudem sollen Reste des Familienverbandes seitdem völlig entrückt in der Gegend umherlaufen. Einen folgenschweren Verkehrsunfall soll es vor mehreren Wochen im Bereich Tangermünde gegeben haben. Jedenfalls macht dieses Szenario bei Bürgern vermehrt die Runde und hat längst auch die Redaktion der AZ erreicht. Allerdings wirft das Ganze mehr Fragen als Antworten auf. Weder das Polizeirevier in Stendal noch das Wolfskompetenzzentrum Iden (WZI) wissen von derart dramatischen Szenen in diesem Jahr auf einer ostaltmärkischen Straße. Ein Sprecher der Jägerschaft Stendal kann auf Nachfrage der AZ in dieser Woche ebenfalls nur mit den Schultern zucken, will sich aber weiter schlaumachen.

Ein Deutscher Schäferhund springt durch einen Bach.
Ein Deutscher Schäferhund und andere Rassen können auch auf traurige Weise für Gesprächsstoff sorgen. © Imago

„Dem WZI ist kein Unfall mit Wölfen im Raum Tangermünde im Jahr 2022 bekannt“, teilt Ines Wahl, Landesamt für Umweltschutz in Halle, mit. Zuletzt bei einem Verkehrsunfall getötet und von WZI-Mitarbeitern geborgen worden sei ein Wolf bei Weißewarte am 14. Oktober 2021. Nach Kenntnis der Idener kam es aber am 11. Januar dieses Jahres zwischen Tangermünde und Stendal zu einem Unfall, bei dem ein Hund getötet wurde. Dirk Marscheider, Sprecher der Polizei, holt noch einmal die Pressemeldung aus der Datenbank, die sich mit diesen Angaben decken. Demnach prallte der Pkw einer 39-Jährigen gegen 5.45 Uhr auf der Bundesstraße 188 mit einem frei laufenden Schäferhund zusammen. Ein zweiter Schäferhund kam unverletzt zunächst ins Tierheim in Borstel.

Polizei erinnert an Januarmeldung

Ein Schäferhund ist kein Wolf. Inwieweit hier eines zum anderen führte und missgedeutet wurde, vermag der Polizeisprecher nicht mit Gewissheit zu sagen. Der Altmärker will sich auch noch an einen Unfall mit einem Wolf in jüngerer Vergangenheit auf der Bundesstraße 189 zwischen Osterburg und Seehausen erinnern. „Das müsste vor etwa ein bis zwei Jahren gewesen sein.“ Im Übrigen sei das Thema Wolf nach seinem Empfinden seit der Sichtung eines Wolfes am Stendaler Fußballstadion im Februar vergangenen Jahres „fast auf null“. Marscheider: „Seit diese Zeit gab es sehr wenig Öffentliches zu diesem Thema.“ Hirngespinst, Fabel, Märchen, allzu schnell könnte aus einem Hund der Isegrim geworden sein. Siegfried Holzinger von der Jägerschaft kann auch kein Licht ins Dunkel bringen.

Tenor: Eine Mär vebreitet sich

Generell gelte, heißt es aus dem Landesamt auf AZ-Anfrage weiter, dass das WZI über alle Verkehrsunfälle mit Wolfsbeteiligung, die der Polizei gemeldet würden, informiert werde. Das altmärkische Kompetenzzentrum berge die getöteten Tiere und transportiere sie zur Untersuchung in das Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin. „Werden bei Verkehrsunfällen verletzte Wölfe gemeldet, überprüft das WZI, ob sich das Tier noch am Unfallort aufhält. Falls das der Fall ist, entscheidet das WZI gemäß der Leitlinie Wolf, gegebenenfalls unter Hinzuziehung tierärztlichen Sachverstandes, ob das Tier notgetötet werden muss.“ Und bitte: Alle Wolfssichtungen, Losungs- und Spurenfunde (wenn möglich mit Foto oder Video) sollten immer an das WZI direkt gemeldet werden.

WZI Iden und Jäger schütteln den Kopf

Die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) listet alle in Deutschland tot aufgefundenen Wölfe im Internet auf, zumindest soll dies der Anspruch sein. Noch frisch ist der registrierte Unfalltod eines Rüden am 3. Februar bei Möckern im Jerichower Land in der Nachbarschaft zur Altmark. Zu finden ist auch besagter Unfall bei Weißewarte (Tangerhütte) im Oktober 2021, es erwischte einen Welpen. Für 2020 und den Landkreis Stendal beispielsweise sind aufgeführt: 7. Februar, Klietz, Jährling, Todesursache: unklar; 25. März, Colbitz-Letzlinger Heide, Altwolf, illegale Tötung; 9. Juli, Klietz, Altwolf, Verkehrsunfall; 19. Dezember, Tangerhütte, Welpe, Verkehrsunfall. Die Wölfe von Tangermünde Anfang 2022 bleiben erst einmal ein Phantom, niemand hat sie auf der Liste.

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