Zügig durch das Leben

Vom Modellbauer zum Lokführer: Stendaler Sebastian Eckstedt macht Hobby zum Beruf

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Der 35-jährige Sebastian Eckstedt mit einem Nachbau des Bahnhofes Tangermünde-Neustadt, der vor geschätzten 100 Jahren so ausgesehen haben dürfte.

Stendal/Tangermünde – „Das erste, was ich nach meiner Geburt wahrgenommen habe, war wohl das Rauschen der Züge“, vermutet Sebastian Eckstedt, der in der Stendaler Frauenklinik an der Bahnhofstraße das Licht der Welt erblickte.

Anders könne sich der heute 35-Jährige seine große Leidenschaft für Eisenbahnen nicht erklären, gesteht er schmunzelnd.

Begonnen hat er als Achtjähriger mit Modellbau-Startersets, bei denen er geduldig Schiene an Schiene setzte. Heute lenkt er als Lokführer den Metronom rund um Hamburg, hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Doch nicht nur im hohen Norden setzt der gebürtige Stendaler gerne Züge in Bewegung, sondern auch in der heimischen Altmark, wenn auch in weitaus kleinerem Maßstab: Eine Gartenbahn führt um den Koi-Teich seiner Eltern im idyllischen Tangermünde.

Die Gartenbahn umrundet den Koi-Teich von Sebastians Eltern. Weichen kann er per Knopfdruck umstellen.

Aktuell fahren dort vier Züge auf einem 30 Meter langen Schienennetz von Grünau (Elbe) über Tiefenbachmühle bis nach Blumenfelde. Diese Bahnhöfe existieren zwar, sie hängen aber in der Realität nicht miteinander zusammen. Die Steuerung der Züge erfolgt über ein Telefon, das der gebürtige Stendaler selbst programmiert hat. Darüber kann er Weichenschaltung, Licht und Akustik anpassen und sogar echten Dampf aus den Lokomotiven empor steigen lassen.

Ein besonderer Hingucker der Gartenbahn ist ein Waggon, in dem eine Dixieland-Kapelle spielt. Begleitet von buntem Scheinwerferlicht, erklingen dort nacheinander fröhliche Jazzstücke. Zu hören ist auch Sebastians Mutter, die ihr Geld als Sängerin verdient. Möglich ist das über ein eingearbeitetes Tonband.

Der Blick fürs Detail ist dem heute in Uelzen lebenden Lokführer wichtig. Vergangenes Jahr kaufte Sebastian sich einen 3D-Drucker, mit dessen Hilfe er nun weitere Elemente für seine Gartenbahn fertigen kann. Die werden natürlich eigenhändig verkabelt, wie zum Beispiel ein Andreaskreuz, das am Bahnübergang per Lichtsignal vor einem nahenden Zug warnt.

Neben den drei Bahnhöfen sind auch die Züge maßstabsgetreu angefertigt. Als Vorlagen dienen dem 35-Jährigen reale Gebäude, Züge und Installationen. „Wenn ich beruflich unterwegs bin, kommt es schon mal vor, dass ich das Maßband auspacke“, lacht er. Dann werden die Maße umgerechnet und Sebastian beginnt zu basteln, was jedes Mal höchste Konzentration erfordert. Zum Stillstand kommen möchte er nicht.

VON CHARLOTTA SPÖRING

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