Mobilität eingeschränkt

Gehbehinderter vermisst Bahnhof-Helfer ab 18 Uhr in Stendal

+
Carsten Rensinghoff vor dem Röxer Tunnel am Bahnhof in Stendal. Die Treppen sind für ihn nur schwer zu überwinden.

Stendal – In Stendal gebe es ab 18 Uhr keine Unterstützung für Gehbehinderte auf dem Bahnhof mehr, teilt Carsten Rensinghoff der AZ mit. Mobilitätsservice nennt die Bahn das Angebot, bei dem Helfer angefordert werden können, um Barrieren zu überwinden.

Rensinghoff ist seit einem Verkehrsunfall mit schweren Folgen im Jahr 1982 auf fremde Hilfe angewiesen. Er setzt sich dafür ein, ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Die UN-Behindertenrechtskonvention gebe ihm recht. Seinen Hauptwohnsitz habe er in Witten bei seiner Frau, in Stendal arbeite er und wohne im Hotel.

Seit den Umbauarbeiten habe sich die Situation noch verschlechtert, so Rensinghoff. Die Bauarbeiten auf Gleis zwei haben dazu geführt, dass die Gleise drei, vier und fünf nicht mehr über die Oberfläche zu erreichen seien. Stattdessen müssten nun alle durch den Röxer Tunnel. Dort aber gebe es Treppen, die für manchen ein unüberwindliches Hindernis seien. Das betreffe nicht nur Gehbehinderte, sondern auch Schwangere, alte Menschen und weitere. Der Röxer Tunnel selbst sei in äußerst schlechtem Zustand. Viele würden ihn als öffentliche Toilette nutzen.

Besondere Erschwernis seien die kurzfristigen Gleiswechsel. Den Zug zu erreichen, sei dann für ihn nahezu nicht möglich.

Die Hotline für den Mobilitätsservice sei noch dazu kostenpflichtig. Der angebotene Service der Bahn habe dennoch schon viel Anklang gefunden und es sei ihm bekannt, dass Dortmund diesen mittlerweile schon rund um die Uhr anbiete.

Ab 24 Uhr fahre auch kein Taxi mehr. Er könne von alleine nicht aufstehen, wenn er stürze. Zu seinem Hotel seien es drei Kilometer. Bis zur Beendigung der Bauarbeiten hofft er auf ein Einlenken durch die Verantwortlichen. Eine Anfrage bei der Bahn wurde von der AZ gestellt.

VON SIMON GERSTNER

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare