Lerncontainer bleiben bestellt

Mitten in Corona: Umbau des Stendaler Hildebrand-Gymnasiums startet

Zwölftklässler des Hildebrand-Gymnasiums zeigen Tuch, nennen sich „Abinauten“ und bereiten sich auf Prüfungen vor. Corona hat ihren Kalender durcheinandergebracht, die letzten normalen Schultage vor den Abschlusstests sind dennoch in Sicht.
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Zwölftklässler des Hildebrand-Gymnasiums zeigen Tuch, nennen sich „Abinauten“ und bereiten sich auf Prüfungen vor. Corona hat ihren Kalender durcheinandergebracht, die letzten normalen Schultage vor den Abschlusstests sind dennoch in Sicht.

Stendal – Das Hildebrand-Gymnasium in Stendal wird die nächsten zwei Jahre umfassend erneuert. Handwerker und Schüler könnten sich ziemlich ins Gehege kommen.

Raumcontainer für den Unterricht und andere Aufgaben sollen im August oder September aufgestellt werden, um die Großbaustelle für alle ein Stück weit entspannter gestalten zu können.

„Im Moment hat Corona noch keinen Einfluss auf diese Pläne“, lässt Kreissprecherin Angela Vogel auf Nachfrage der AZ wissen. Aktuell haben die Arbeiter den Komplex wegen der Virus-Beschränkungen noch fast für sich allein, nur der Abschlussjahrgang darf unter Auflagen wieder die Schulbank drücken. Dass die Ausweichflächen auf dem Schulhof ab dem Spätsommer tatsächlich nötig werden, der Landkreis scheint momentan davon auszugehen.

Der Bagger läuft: Arbeiter haben dieser Tage nicht zuletzt auf dem Hof und direkt am altehrwürdigen Gebäude zu tun. Der Landkreis Stendal greift für sein zweites Gymnasium in der Kreisstadt tief in die Kasse und profitiert dabei von Fördergeld.

Der Komplex am Mönchskirchhof ist in die Jahre gekommen. Fast überall zeichnet sich der Investitionsstau ab, nicht allein auf der Fassade. Der Hauptteil ist 1910/11 als Mädchenschule eröffnet worden. Der Landkreis Stendal, Träger der Einrichtung, musste sich immer wieder gedulden. Nach einigem Hin und Her und den Jahren des Wartens kam im September 2019 endgültig grünes Licht aus Magdeburg. Für energetische und allgemeine Sanierung stehen insgesamt circa 5,4 Millionen Euro zur Verfügung. Der Landkreis profitiert dabei in erheblichem Maße von Fördergeld. Land und Europäische Union unterstützen das Projekt über das Programm Stark III plus EFRE (Fonds für regionale Entwicklung). Die Arbeiten haben vor wenigen Tagen begonnen.

Der Seitenflügel ist inzwischen mehr oder weniger freigeräumt. Heizung und Elektroanlagen sind auszubauen. „Weiterhin werden die Fundamente freigelegt, um die Abdichtung und Dämmung im Erdbereich einbauen zu können“, umschreibt Vogel weitere erste Arbeiten. Die gesamte Baumaßnahme in der Kreisstadt ist in zwei Zeitabschnitte unterteilt. Handwerker widmen sich bis Februar 2021 vornehmlich dem Seitenflügel sowie dem Dach und der Fassade des kompletten Schulgebäudes. Der zweite Abschnitt reicht dann bis Februar 2022 und umfasst nicht zuletzt den Hauptflügel und den WC-Trakt. Die Herausforderungen liegen für die Kreissprecherin auf der Hand: „Bauen in einem Bestandsgebäude als Einzeldenkmal und während des Schulbetriebs.“

Zudem müssten die Verantwortlichen den Bewilligungszeitraum des Förderprogramms im Auge behalten, allzu große Verzögerungen sollte es also nicht geben. Die Liste der einzelnen Vorhaben wirkt beachtlich. Ein Auszug: Dach und Fassade werden erneuert, der Denkmalschutz schaut dabei ganz genau hin. Handwerker tauschen auch die Fenster aus, bauen im Haus eine Brand- und Einbruchmeldeanlage ein, erneuern die Heizungsanlage, sanieren die Toiletten und natürlich auch die Klassenräume. Für die Barrierefreiheit wird ein Aufzug eingebaut. Und im Dachgeschoss entstehen zusätzliche Fachräume. Kreistag und Kreisverwaltung haben sich auf die Agenda geschrieben, Sekundarschulen und Gymnasien nach und nach spürbar zu erneuern und für die Zukunft zu rüsten.

Das Hildebrand-Gymnasium ist eine von zwei erweiterten staatlichen Bildungsstätten in Stendal. Wer es nicht weiß: Rudolf Hildebrand lebte im 19. Jahrhundert und war ein deutscher Germanist, Lehrer, Erzieher und Sprachwissenschaftler. Unter anderem arbeitete er am Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm mit. Das zweite Gymnasium trägt den Namen des Begründers der wissenschaftlichen Archäologie. Johann Joachim Winckelmann war 1717 in Stendal geboren worden. Momentan läuft der Schulbetrieb in beiden Einrichtungen wie überall im Land auf Sparflamme. Dass beide Gymnasien in absehbarer Zeit fusionieren könnten, davon war vor einigen Jahren einmal die Rede. Zuletzt hatte der Landkreis mitgeteilt, dass es solche Pläne aktuell nicht mehr gebe.

VON MARCO HERTZFELD  

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