Aktuell 47 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Landkreis / Müller: „Das ist sehr emotional“

„Mit jedem Bus kommen Neue“

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In nur sieben Tagen kamen in der „Kaserne am See“ in Klietz 47 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge an. Der Landkreis will zunächst herausfinden, wo sich deren Eltern befinden und die Familien möglichst wieder zusammenführen.

Stendal. „Die TausenderMarke ist überschritten“, fasst Landrat Carsten Wulfänger (CDU) den aktuellen Flüchtlingsstand im Landkreis zusammen.

Genau 1032 Asylsuchende befinden sich derzeit in der Gemeinschaftsunterkunft am Möringer Weg und dezentral in Wohnungen, darunter auch viele Kinder und Jugendliche. „Wir haben 47 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge innerhalb von sieben Tagen zugewiesen bekommen“, informierte Kathrin Müller, Leiterin des Kreisjugendamtes, „das ist schon oft sehr emotional, da entstehen auch Ängste“.

Eigentlich sollten laut einer früheren Planung 20 bis 30 Plätze für unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge im Jahr 2016 geschaffen werden. „Wir stellen uns nun auf 50 bis 60 alleinreisende Kinder und Jugendliche im Jahr ein“, sagte Wulfänger, „in Klietz kommen mit jedem Bus neue minderjährige Asylsuchende an“. Das jüngste Kind ist zehn Jahre und der älteste Jugendliche 18 Jahre alt. Die überwiegende Anzahl der minderjährigen Flüchtlinge ist laut Information von Kathrin Müller in einem Alter zwischen 14 und 17 Jahren.

Aus der Klietzer Kaserne konnten bereits 20 Minderjährige auf Kinder- und Jugendheime innerhalb und außerhalb des Landkreises verteilt werden. Die ersten acht bis zwölf Wochen nach der Aufnahme sind laut Müller die so genannte „Clearingphase“. „Es geht darum herauszufinden, wo die Eltern sind und die Familien wieder zusammenzuführen“, so der Landrat, „danach schauen wir, wo die Kinder bleiben können“.

Hier gebe es entweder die Perspektive des Zusammenlebens mit den Eltern oder eine Dauerbetreuung bis zum vollendeten 18. Lebensjahr. Für jeden unbegleiteten minderjährigen Flüchtling regt das Stendaler Jugendamt eine Vormundschaft beim Amtsgericht an, da kein anderer gesetzlicher Vertreter vor Ort ist.

Nicht alle Minderjährigen bleiben im Zuständigkeitsbereich des Jugendamtes. „Vor einer Woche haben wir drei Jugendliche im Alter von zwölf bis 16 Jahren nachts auf dem Stendaler Hauptbahnhof aufgegriffen. Sie haben sich der Obhut eines Heimes entzogen und waren wahrscheinlich auf der Weiterreise nach Schweden“, so Kathrin Müller. Ein junger Flüchtling aus Klietz sei zusammen mit erwachsenen Asylsuchenden unterwegs nach Paris. Sollte er aufgegriffen werden, kommt er laut Müller wieder nach Klietz zurück, da er dort aufgenommen und registriert wurde. „Wir haben auch junge Menschen, die für eine Perspektive dankbar sind“, so die Jugendamt-Leiterin. Waisenkinder seien die Ausnahme, aber „bei afghanischen Kindern ist oft nur noch ein Elternteil da, meist die Mutter“, so Kathrin Müller.

Um diese und weitere Aufgaben zu bewältigen, wird das Jugendamt um weitere vier Mitarbeiter verstärkt, sagte der Landrat gestern.

Von Mike Höpfner

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