Erste Falle vor zehn Jahren scharf / Land: Sieg über Eindringling illusorisch

Mink beißt sich in der Stendaler Region fest

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Attacke auf dem Wasser: Ein Mink hat sich im Hals eines Schwans verbissen.

Stendal – Der Mink, ähnlich groß wie eine Bisamratte, hat sich fest im Hals verbissen. Immer wieder schleudert der ausgewachsene Schwan den Angreifer hin und her. Er scheint um sein Leben zu kämpfen und kann den Marder nur mit letzter Kraft abschütteln.

Das Video im Internet soll eine Szene aus Schweden zeigen und ist zigmal geklickt worden.

Ob es auch im Landesverwaltungsamt (LVA) bekannt ist, kann nicht gesagt werden. Mit Blick auf die sogenannte invasive Art in heimischen Gefilden fällt das Urteil eindeutig aus: „Eine Reduzierung in Richtung null mit herkömmlichen jagdlichen Maßnahmen wird als nahezu illusorisch angesehen.“ Der Mink hat sich insbesondere im Landkreis Stendal und im Jerichower Land eingenistet und setzt nicht zuletzt der geschützten Vogelwelt zu.

Vor fast zehn Jahren bliesen Obere Jagdbehörde und Naturschutz-Referat des LVA vor der Presse in Stendal gemeinsam zum Angriff auf den Mink, der auch Amerikanischer Nerz heißt. Pulver und Blei reichten ihnen nicht mehr aus. Das Verbot der Fallenjagd wurde ausgesetzt, um dem Mink auch in Naturschutzgebieten wie Schollener See und Stremel stärker nachsetzen zu können.

2006 wurden landesweit 217 Exemplare erlegt, im Landkreis Stendal waren es 97. Die aktuelle Strecke von 2018 umfasst für ganz Sachsen-Anhalt 324 Tiere und davon allein im Landkreis 164, das sind etwas mehr als die Hälfte. Für Jäger lassen solche Zahlen den Schluss zu, dass dort noch viel mehr hungrige Marder sind. Die Population im Norden bewege sich locker im vierstelligen Bereich, hieß es bereits 2010.

Vertreter der Jagd und des Naturschutzes aus dem LVA stellen vor gut zehn Jahren in Stendal erste Mink-Fallen vor. Im Käfig befindet sich ein präpariertes Exemplar.

Was in eine Falle gelangt, soll erst einmal leben. Damit besonders geschützte Tiere wie der Fischotter wieder unbeschadet in die Freiheit entlassen werden können. Erwischte Minke sterben letztendlich durch eine kleinkalibrige Waffe der Jägerschaft. Schnell und schmerzarm, wie es ein Vertreter des LVA schon damals ausdrückte. 5000 Euro der Behörden sollten beim Kauf von mindestens 60 Fallen helfen. 2017 wurde weiter aufgerüstet. Das Land gab laut Hallenser LVA-Sprecherin Gabriele Städter 50 000 Euro, die für 50 Kastenfallen und zehn Betonrohrfallen reichten. Scharf gestellt sind sie auch gegen weitere invasive Arten: Waschbär, Marderhund und Nutria. Revierinhaber können die Fallen ordern, vorzugsweise dorthin, wo auch der Mink weiter auf dem Vormarsch scheint.

„Weitere Maßnahmen sind derzeit nicht geplant.“ Vom Land werden für den Fang oder für den Abschuss von Minken keine Prämien gezahlt. Inwieweit auf politischer oder ministerieller Ebene zusätzliche Dinge geplant sind, kann Städter nicht sagen und verweist auf Magdeburg. Die Antwort auf eine Nachfrage der AZ im Umweltministerium steht noch aus. Klar ist: Dem Nerz ist schwer beizukommen. Das Raubtier hat ein breites Nahrungsspektrum: Bisamratte, Jungbiber, Vögel, Krebse, Wasserinsekten, Fische und Amphibien. „Er ist Fressfeind aller im Wasser brütenden Vögel, aus Sachsen-Anhalt sind unter anderem die Aufgabe von Lach- und Sturmmöwenkolonien durch Erscheinen des Minks belegt“, weiß Städter. Der Mink liebt das Wasser und der Landkreis Stendal hat viel davon.

Der Amerikanische Nerz legt sich zudem gern einmal mit der einheimischen Verwandtschaft an, wenn es um Revier und Nahrung geht. „Er steht im Verdacht, zumindest lokal den Iltis zu verdrängen.“ Ein schönes Fell haben viele Marderartige, was ihnen lange Zeit zum Verhängnis wurde. Der Mensch stellte ihnen nach und steckte nicht zuletzt den Mink auch in deutsche Farmen. Immer wieder einmal entkamen Tiere. Als selbst ernannte Tierschützer massenhaft Nerze freiließen, stand denen ein kleines Paradies offen. Erinnert sei beispielsweise an die Aktion in einer Zuchtstation in Grabow, Jerichower Land, im Jahre 2007. Mehrere Tausend Tiere wurden freigelassen, etliche starben gleich auf Straßen, viele andere aber überlebten und zogen weiter.

Ob gerade diese umstrittene Befreiungsaktion in der Nachbarschaft zum Übermaß an Minken im Landkreis Stendal geführt hat, darüber gehen die Meinungen mitunter auseinander. Für das LVA ist die Sache offenbar klar, Ereignisse wie dieses „forcieren den Etablierungsprozess zusätzlich“. Der Nerz bleibt im Fadenkreuz der Jäger und Naturschützer. Selbst wenn eine „starke Minimierung der Population im Interesse des Artenschutzes“ sein möge, sei eine Umsetzung doch so gut wie unmöglich, unterstreicht die LVA-Sprecherin gegenüber der AZ noch einmal. Das bedeutet auch: Kiebitz, Bekassine, Uferschnepfe und Rotschenkel, allesamt seltene Vögel, müssen sich auf den Einwanderer einstellen oder sie verlieren ganz an Boden.

VON MARCO HERTZFELD 

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