Zwischenapplaus für „Es gibt ja keine Männer mehr“ bei Operetten-Gastspiel im TdA

Millöckers Räuberpistole in Urform

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Dank des in Halberstadt ansässigen Nordharzer Städtebundtheaters war mit Wolfgang Doschs Inszenierung eine weitgehend von Millöckers Original ausgehende Fassung des Liedspiels „Gasparone“ im Stendaler Theater der Altmark (TdA) zu erleben.

Stendal. Carl Millöckers Räuberpistole „Gasparone“ musste als vor 128 Jahren uraufgeführte Operette im Lauf der Zeit manche Bearbeitung über sich ergehen lassen. Die Realität italienischer Mafia rückte dem Libretto mitunter zu nahe auf den Leib.

Eingefügte schlagerartige Melodien des Komponisten wie der große Liedspiel-Schlager „Dunkelrote Rosen bring‘ ich, schöne Frau“ machten Millöcker gemütlicher.

Das in Halberstadt ansässige Nordharzer Städtebundtheater stellt seine Inszenierung unter Regie von Wolfgang Dosch nun strikt auf die Originalfassung um. Der Erfolg mit lang anhaltendem Beifall blieb auch in Stendal nicht aus, und zwar trotz fehlender „roter Rosen“. Die nämlich waren nur im Bühnenbild im zweiten und dritten Akt präsent. Für die Ausstattung zeichnete Wiebke Horn verantwortlich.

Michael Korth führte Orchester, Chor und Solisten als Kapellmeister zu einer professionell wirkenden, stimmigen musikalischen Leistung. Die Handlung um den von ansässigen Schmugglern erdachten Räuber Gasparone verläuft eigentlich immer „draußen“.

Auf der Bühne reagieren die Beteiligten auf inszenierte Entführungen, um eine unliebsame Hochzeit zu verhindern: Korrupte Heiratspläne des Podesta und Eifersuchtsszenen einer argwöhnischen Gattin etwa inklusive.

Zwei Männer im Bündnis miteinander verbunden wegen einer geliebten Frau. Conte Erminio (Ingo Wassikowski in allerlei Verkleidungen) und der Schmugglerwirt Benozzo (Tobias Amadeus Schöner mit gepflegtem Tenor). Jener wirbt letztlich erfolgreich um Gräfin Santa Croca (Bettina Pierags mit brillierendem Sopran, spielgewandt). Dieser liefert sich mit Gattin Sora (Nina Schubert) herzerfrischende Liebesgeplänkel. Der Höhepunkt: Ihr Duett „Stockfinster war die Nacht“.

Zur klassischen Operette gehören natürlich auch der Humorige und die komische Alte. Hier der korrupte Podesta (Norbert Zilz leistet gesanglich eine saubere Partie, ist im Handlungsgeschehen oft aber zu fahrig) und Marlis Sturm als Kammerzofe Zenobia. Sie erhielt für das mit stimmlicher Urgewalt vorgetragene Couplet „Es gibt ja keine Männer mehr“ Beifall.

Der Chor fügte sich in das Geschehen ein, ohne vordergründig zu werden, wenn sich auch von der Bewegung her viel im bloßen Rundtanz abwickelte. Die Operette hat durch ihre gefälligen Melodien und erheiternde Handlung auch mit „Gasparone“ gesiegt.

Von Ulrich Hammer

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