Ein Aktivist überquert Bundeswehr-Bauzaun

Militär-Gegner erreichen die Übungsstadt: Polizei erteilt 26 Platzverweise

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Musik und Plakate der Aktivisten nahe einem der Bauzäune.

Stendal – „Es gab eine Übermacht an Sicherheitskräften, da die Aktion öffentlich angekündigt war“, lässt Helmut Adolf, Mitglied der Bürgerbewegung (BI) Offene Heide, die AZ wissen.

Bundeswehr-Gegner hat es am Sonntag zur Baustelle der Übungsstadt gezogen, trotz offiziellen Verbots, eine bewusste Aktion.

„26 Personen waren auf dem Truppenübungsplatz und haben es bis zum neuen Bauzaun geschafft, einer bis nach Schnöggersburg. “ Eine zusätzliche Pressemitteilung verschiedener Gruppen feiert ein „Zeichen gegen aktuell wachsende Militärausgaben und Kriegsvorbereitungen“.

Die Polizei zieht eine eigene Bilanz. „Zu größeren Störungen kam es im Einsatzverlauf nicht“, schätzt Sprecher Dirk Marscheider auf AZ-Nachfrage ein. Schon am Sonnabend hatten Ordnungskräfte den 314. Friedensweg für eine ausschließlich zivile Nutzung der Colbitz-Letzlinger Heide im Blick gehabt. Am Tag danach habe sich tatsächlich eine Gruppe im militärischen Sicherheitsbereich bewegt.

Sie wurde gestoppt. Personalien wurden aufgenommen. Der Polizeisprecher in Stendal gestern früh: „Insgesamt wurden 26 Platzverweise ausgesprochen. Das Betreten von Sicherheitsbereichen ist eine Ordnungswidrigkeit und wird so geahndet. Eine Person hatte den Zaun zur Stadt überstiegen. Hier wird jetzt wegen Hausfriedensbruch ermittelt.“ Beschädigt worden sei nichts. „Die Aktionsteilnehmer haben durchweg einen friedlichen Eindruck hinterlassen.“

Seit Mitte der 1930er-Jahre ist die Heide Test- und Übungsgebiet, zunächst für die Wehrmacht, später für die Armee der Sowjetunion, später zog die Bundeswehr ein. Kurz nach der politischen Wende in Ostdeutschland formierte sich eine breite Front für eine zivile Heide, selbst der Landtag stimmte dafür. 1997 wurde der Heidekompromiss geschlossen, der die weitere militärische Nutzung unter Auflagen erlaubt. Damit geben sich BI und andere Gruppen nicht zufrieden.

VON MARCO HERTZFELD

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