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Mieter kritisiert SWG: Wenn einem in Stendal ein Licht aufgehen soll

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Von: Marco Hertzfeld

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Das Tiergartenviertel in Stendal gegen 1.15 Uhr. Der Hof der Carl-Hagenbeck-Straße ist von Licht berührt.
Das Tiergartenviertel in Stadtsee gegen 1.15 Uhr. Der Hof der Carl-Hagenbeck-Straße und angrenzende Fahrpisten und Wege sind von künstlichem Licht berührt. © D. Schulz

Energiepreiskrise und der Bürger: Ein Mieter von Stadttochter SWG stört sich an deren Lampenmanagement. Der Großvermieter rückt sich recht entspannt ins rechte Licht.

Stendal – „Die SWG ignoriert Sparmaßnahmen von Staat und EU.“ Der Stendaler Wohnungsbaugesellschaft ist kein Licht aufgegangen oder eben doch und allzu viel davon. Ein Bewohner des Tiergartenviertels empfindet den Einsatz von Licht und Strom durch den Großvermieter jedenfalls als übertrieben, ja verschwenderisch. Ukrainekrieg und Energiekrise sind allgegenwärtig. „Was macht die SWG: Jeden Morgen, von 6 bis 7 Uhr, bestrahlt sie mit der Beleuchtung im Innenhof der Carl-Hagenbeck-Straße den hellen Morgen. Strahlt mit der Sonne um die Wette.“ Weil die Nächte wieder länger dauern, dürfte sich die Uhrzeit bereits leicht verschoben haben, der Vorwurf aber bleibt. Eine SWG-Sprecherin zeigt sich nach AZ-Anfrage derweil schon einmal ziemlich entspannt.

Der Innenhof der Carl-Hagenbeck-Straße in Stendal kurz vor 7 Uhr. Lampen leuchten.
Der Innenhof der Carl-Hagenbeck-Straße kurz vor 7 Uhr. Wer genau hinschaut, sieht noch einige brennende Lampen. Ein Mieter stört sich daran und verweist auf die allgemeine Energiesparoffensive in der Republik. © D. Schulz

Vorwurf: Licht an hellem Morgen

Der Mieter aber will nicht locker lassen. „Überall heißt es: Energie sparen! In Innenstädten wird in der Nacht die Beleuchtung abgeschaltet. Schlösser, Rathäuser, Denkmale und so weiter werden nachts nicht mehr angestrahlt“, schreibt er der AZ und lässt es später am Telefon so oder ähnlich wiederholen. Der Stendaler, der seinen Namen nicht unbedingt in der Zeitung lesen möchte, sieht aufseiten der SWG Handlungsbedarf. „Mehrmalige Anrufe und Gespräche änderten nichts. Es wurde mir zwar jedes Mal versprochen, aber das waren dann wohl Versprecher“, beschwert sich der Mann. Wer es nicht weiß: Die Carl-Hagenbeck-Straße und das Tiergartenviertel gehören zum Plattenbaugebiet Stadtsee. Die Quartiere in diesem Bereich sind in Größenordnung erneuert und durchaus beliebt.

Pollerleuchten reagieren auf Sonne

„Bisher hat sich zum Thema Beleuchtung eine einzige Mietpartei aus dem Tiergartenviertel an uns gewandt“, beteuert Cathleen Paufler für Stadttochter SWG im Schreiben an die AZ. „Von anderen Mietern ist uns nicht bekannt, dass sie unserer Beleuchtung skeptisch gegenüber stehen.“ Und bitte: „Die gesamte Beleuchtung dient der Verkehrssicherungspflicht. Beleuchtungen zu Werbezwecken, wie sie speziell vom Gesetzgeber momentan betrachtet werden, gibt es in diesem Quartier nicht.“ Die Beleuchtung auf dem Parkplatz Carl-Hagenbeck-Straße umfasse vier Mastleuchten. „Diese leuchten mit einer Systemleistung von je 125 Watt.“ Darüber hinaus gebe es Beleuchtungen an einem Pavillon (zwei Lampen), Fahrradhaus, an den Gehwegen (Pollerleuchten) und am Laubengang.

Unternehmen zeigt sich bei LED offensiv

Geschaltet werden demnach alle Lampen über Dämmerungsschalter. Für Parkplätze sei einer Mindestbeleuchtung schlichtweg vorgeschrieben. Diese DIN-Norm gelte allerdings nur für die Parkplatzbeleuchtung. Die Pollerleuchten sind laut Paufler, Leiterin der Kundenbetreuung, mit einer Astro-Schaltuhr versehen, es wird um 22 Uhr ausgeschaltet und um 5 Uhr eingeschaltet. „Zum Sonnenaufgang schalten sich die Lampen automatisch ab, nach Sonnenuntergang schalten sich automatisch ein, bis 22 Uhr.“ Bewegungsmelder seien keine verbaut. „Die SWG wird deshalb die betreffende Beleuchtung nicht abschalten.“ Generell habe die SWG in den vergangenen Jahren ihre Leuchtmittel durch energiesparende Lampen und teilweise durch LED-Lampen ersetzt.

Alle Gebäude noch mal auf Prüfstand

In den Mastleuchten an der Carl-Hagenbeck-Straße seien Quecksilberdampfentladungslampen montiert, auch energiesparend, aber noch kein LED. Wenn im Bestand der SWG Leuchtmittel erneuert werden, soll gegen LED getauscht werden. „Die Gesamtkosten für die Beleuchtung im Tiergartenviertel betrugen im vergangenen Jahr deshalb 1079,93 Euro. Das entspricht 0,004 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche“, weiß Paufler genau. Und weiter: Die SWG unternehme gerade viele Maßnahmen, um Energie einzusparen. Alle Gebäude kamen demnach noch einmal auf den Prüfstand. „Im Ergebnis werden bei mehreren Gebäuden die Vorlauftemperaturen abgesenkt. Es werden Dämmungen verstärkt und den Mietern wurden Energiespartipps übermittelt.“ Parallel dazu versuche das kommunale Unternehmen, „über die Nutzung moderner Energiequellen wie Fotovoltaikanlagen den energetischen Fußabdruck ihrer Gebäude zu verringern“.

Kommentar von AZ-Redakteur Marco Hertzfeld
Bürger schauen hin / Interesse schon halbe Miete
Ein Mieter setzt seinem Vermieter kräftig zu, teilt aus, lässt nicht locker, geht dem einen oder anderen dort vielleicht auch irgendwann auf den Wecker. Dass Bürger ihr privates Umfeld, ihre Stadt und die Region im Auge haben wollen und auf das große Ganze verweisen, ist durchaus legitim und nachvollziehbar sowieso. Schließlich predigen große und kleine Politik schon länger und nun kurz vor der kalten Jahreszeit noch einmal verstärkt, unbedingt und überall Energie einzusparen. Ja, Ukrainekrieg und Energiekrise sind eben nicht weit weg, die Welt ist in sich vernetzt und verwoben. Menschen, die nicht nur einfach ihre Miete zahlen wollen und sich für mehr interessieren, können für Verantwortliche und Chefetage Fluch und Segen sein, natürlich. Behörden, Institutionen und Unternehmen sind gut beraten, Leute mit diesem Engagement ernst zu nehmen. Stendals Großvermieter SWG dürfte das gelingen, zumal er in Sachen Energie einiges vorzuweisen hat. Das könnten auch die größten Skeptiker anerkennen. Bei all den Herausforderungen wäre es schon die halbe Miete.

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