Versuchter Totschlag: Syrer hielt Prediger in Moschee ein Messer an den Hals

Prozessauftakt in Stendal: Messer-Angriff auf den Imam

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Der Syrer Ahmad S., hier mit seinem Verteidiger und einem Übersetzer, steht wegen versuchten Totschlags vor Gericht. 

Stendal. Dem Syrer Ahmad S. gefiel offenbar nicht, dass sich der Imam in der Stendaler Moschee Al Rahma kritisch gegenüber dem Islamischen Staat (IS) äußerte. S. hielt dem Prediger ägyptischer Herkunft ein Messer an den Hals und drohte, ihn zu töten.

In letzter Sekunde konnte das verhindert werden. Jetzt steht der 24-jährige Syrer wegen versuchten Totschlags vor Gericht.

Aus dem Gericht

Es ist der 21. April dieses Jahres, gegen 14.30 Uhr, als Ahmad S. die Moschee an der Lucas-Cranach-Straße betritt. Dort findet gerade das Freitagsgebet statt. In einer Gebetspause betritt Ahmad S. den sogenannten Minbar (Kanzel), auf dem der Prediger sitzt. Er stellt sich hinter den Imam und fordert ihn auf, ihm einen Vers aus dem Koran zu erläutern. Anschließend packt der 24-Jährige den Kopf des Predigers und fixiert ihn. Mit der anderen Hand zückt der Syrer, so die Vorwürfe in der Anklageschrift, ein acht Zentimeter langes Küchenmesser und hält es an die Kehle des Imam „mit der Absicht, diesen zu töten“. Dabei soll S. sein Opfer aufgefordert haben, Passagen aus dem Koran vorzulesen. Drei Männern gelingt es, den Angreifer zu überwältigen. Hintergrund der Tat seien die Predigten des Imam gewesen, so die Anklage, mit denen der Syrer nicht einverstanden war. Dabei habe sich der Imam dem Islamischen Staat gegenüber kritisch geäußert.

Das Landgericht verhandelt aktuell noch zwei weitere Taten von S.. So soll der 24-Jährige am Abend des 20. September 2016 einem Mann vor dem Altmarkforum in Stendal grundlos einen kräftigen Schlag ins Gesicht versetzt haben, wobei ein Stück des Eckzahnes abbrach. Zudem soll er sein Opfer mit einem Messer an der Nase verletzt haben. Außerdem wird dem Syrer vorgeworfen, am 8. April 2017 die Tür zu einer Wohnung an der Max-Liebermann-Straße eingetreten zu haben.

Der Syrer sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Ein Urteil wird am 2. November erwartet.

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Ein Zeuge schildert seine Erinnerungen an Ahmad S.

„Wir erkannten ihn nicht mehr“

„Er sagte zu mir, er will sich selbst verletzen, so lange, bis er jemanden in Stendal getötet hat“, gab der Dolmetscher die Aussagen des 36-jährigen Zeugen M. wieder, der gestern vor dem Stendaler Landgericht aussagte. Der Zeuge ist Arzt und ein Bekannter des Syrers Ahmad S., der wegen versuchten Totschlags vor dem Stendaler Landgericht steht (siehe oben). 

Ahmad S. habe sich in der letzten Zeit stark verändert. Sein Bruder habe ihn als „außer Kontrolle geraten“ empfunden, was sich vor allem in seinem aggressiven Verhalten abzeichnete, wie M. aussagte. „Ich kenne den Angeklagten, seit er vor einigen Jahren nach Stendal gezogen ist. Er war ein ganz normaler Mensch, wie du und ich“, berichtete M. So habe er beim Bau der Moschee handwerkliches Geschick bewiesen und unentgeltlich gearbeitet. 

Veränderungen habe der Arzt erst bemerkt, als Ahmad S. am 20. September 2016 übergriffig wurde, einen Mann im Gesicht verletzte. Der 36-Jährige habe versucht, mit S. ins Gespräch zu kommen und die Gründe für dessen aggressives Verhalten herauszufinden. Damals habe der Angeklagte darüber gesprochen, dass er sich in Deutschland nicht wohlfühle und zurück nach Syrien wolle. Der Arzt habe ihm nach eigenen Angaben gut zugesprochen. 

Einige Wochen später kam Ahmad S. auf M. zu, weil er sich selbst Verletzungen zugefügt hatte. „Die Wunden waren sehr tief. Ich drängte ihn dazu, professionelle Hilfe anzunehmen“, fuhr M. fort. Der Angeklagte ging damals in eine Klinik, verließ sie jedoch wieder, ohne sich behandeln zu lassen. S. sei immer aggressiver geworden. 

„Wir erkannten ihn nicht mehr wieder“, sagte M. vor Gericht, S. habe immer wieder Drohungen ausgesprochen. Vor seinem Bruder soll der Angeklagte sogar erzählt haben, dass er Stimmen höre, die wie Schreie klingen. Um diese zu übertönen, habe Ahmad den Ton seines Fernsehers aufgedreht, berichtete der Zeuge. 

Am 21. April kam es dann zum Eklat: „Wir waren mitten im Freitagsgebet, als Ahmad die Moschee betrat“, so M. Dann sei alles ziemlich schnell gegangen. Zusammen mit zwei weiteren Männern gelang es dem 36-Jährigen, Ahmad S. zu überwältigen und einzusperren, wobei einer der Helfer eine Schnittverletzung am Knie erlitt. „Ich habe erst hinterher mitbekommen, dass Ahmad ein Messer dabei hatte“, so der Zeuge weiter.

Von Charlotta Spöring

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